Bezirksgericht Zurzach
Polizist angespuckt, Laptops und Kreditkarten gestohlen: Jetzt muss ein Autoknacker ins Gefängnis

Ein 50-Jähriger hat wegen mehrfachem Diebstahl und anderen Delikten vor dem Bezirksgericht Zurzach antraben müssen. Dort hat er sich reuig gezeigt. Eine Freiheitsstrafe hat er trotzdem erhalten.

Louis Probst
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Im Zurzibiet hat der Angeklagte aus mehreren Autos Wertgegenstände gestohlen.

Im Zurzibiet hat der Angeklagte aus mehreren Autos Wertgegenstände gestohlen.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

«Eine Herzoperation und etwas Geld sammeln, damit ich nach Hause gehen und dort ein normales Leben führen kann», liess der Beschuldigte durch den Übersetzer auf die Frage von Bezirksgerichtspräsident Cyrill Kramer nach seinen Zielen ausrichten.

Zur Last gelegt wurden dem marokkanischen Staatsangehörigen, der im Sommer 2016 eigentlich die Schweiz hätte verlassen müssen, mehrere Delikte: mehrfacher Diebstahl, betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, also die Verwendung einer gestohlenen Bankkarte, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfache Missachtung einer Eingrenzung, rechtswidriger Aufenthalt sowie mehrfache Verletzung der Mitwirkungspflichten.

Er hat es vor allem auf Portemonnaies abgesehen

Gemäss Anklage hatte der gut 50 Jahre alte, eher schmächtige Beschuldigte, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet und in Handschellen von zwei Polizeibeamten zur Verhandlung eskortiert wurde, aus unverschlossenen Autos im Zurzibiet «werthaltige Gegenstände» gestohlen. Neben Laptops oder Sonnenbrillen hatte er vor allem Portemonnaies geklaut.

In einem der Geldbeutel hatte er Kreditkarten gefunden, die er in der Folge für das «kontaktlose Bezahlen ohne PIN-Eingabe», so die Anklage, für Einkäufe verwendete. Bei diesen «Einkäufen» in verschiedenen Geschäften im Grossraum Zürich wurde nicht nur das Privatkonto eines der Geschädigten, sondern auch dessen Firmenkonto mit Beträgen zwischen 2.25 und 69.95 Franken belastet.

Im letzteren Fall postete der Beschuldigte offensichtlich neue Schuhe. In einem Fall war der Beschuldigte zwar in flagranti von der Polizei ertappt und festgenommen, jedoch nach wenigen Stunden wieder freigelassen worden.

Renitent gegen Sanität und Polizisten angespuckt

Der Gewalt und Drohung gegen Behörde und Beamte hatte er sich schuldig gemacht, als ihn Zürcher Kantonspolizisten im Bahnhof Rümlang «aufgelesen» hatten, als er betrunken in einer Unterführung lag. Weil der Beschuldigte nicht ansprechbar war und zudem Tabletten herumlagen, hatten die Polizisten die Sanität aufgeboten.

Auf der Fahrt ins Spital und im Spital hatte der Beschuldigte einem Polizisten mehrmals ins Gesicht gespuckt und ihn mit dem Tod bedroht. Zudem hatte er versucht, dem Beamten Fusstritte zu verpassen.

Widerborstig gezeigt hatte sich der Beschuldige zudem nicht bloss gegen die Wegweisung aus der Schweiz, die im Sommer 2016 verfügt worden war. Er kam auch seiner Mitwirkungspflicht zur Beschaffung von Dokumenten nicht nach.

Und auch eine Eingrenzungsverfügung, die seinen Aktionsradius auf das Gemeindegebiet von Kloten beschränkte, vermochte ihn nicht gross zu beeindrucken. Die Staatsanwaltschaft forderte, als teilweise Zusatzstrafe zu früheren Urteilen, eine Gesamtstrafe von 14 Monaten Haft sowie eine Busse von 1000 Franken.

Der Mann hat 14 Monate kassiert

Vor Gericht zeigte sich der Beschuldigte geständig. «Ich machte einen grossen Fehler», liess er ausrichten. «Ich war betrunken.» Nachdem er und sein amtlicher Verteidiger Hand zu einem abgekürzten Verfahren gemäss Strafprozessordnung geboten hatten, wurde der Erledigungsvorschlag zum Urteil erhoben.

Das Gericht sprach den Beschuldigten einstimmig im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Busse von 1000 Franken. «Das Gericht hat die Anklage geprüft und erachtet die Strafe als angemessen», erklärte Bezirksgerichtspräsident Cyrill Kramer.