Bezirksgericht Zurzach
Zufall verhinderte Scheunenbrand: 28-Jähriger zu «kleiner Verwahrung» verurteilt

Wiederholte Rachsucht mit Folgen: Ein junger Mann mit einer Persönlichkeitsstörung musste sich wegen rund 20 Delikten vor dem Bezirksgericht Zurzach verantworten. Er zerschnitt Autoreifen und legte Sprengsätze in Briefkästen – betroffen war auch eine Regionalpolizei.

Philipp Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen
(Symbolbild)

(Symbolbild)

Keystone

Es fehlte nicht viel, und eine Scheune in einem Zurzibieter Dorf wäre Anfang Dezember 2019 in Flammen aufgegangen. Der 28-jährige Manuel (Name geändert) zündete damals in der Scheune einen Grüncontainer an, in dem sich Hausmüll befand. Das Feuer liess den Container schmelzen – wie auch eine Wasserleitung, die sich daneben befand. Das Wasser löschte das Feuer. Ohne diesen glücklichen Zufall wäre die Scheune womöglich in Brand geraten.

Diese versuchte Brandstiftung war der Hauptanklagepunkt an der gestrigen Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zurzach. Manuel, gelernter Maurer und später auch als Zimmermann tätig, hielt sich damals als Temporärangestellter im Zurzibiet auf. Er arbeitete seit einer Woche bei einem Unternehmen in der Baubranche.

Er bezog dafür ein Zimmer, das ebenso wie die Scheune jener Firma gehörte. Aus eben diesem Zimmer, zu dem auch andere einen Schlüssel hatten, sei ihm eine teure Uhr und Bargeld gestohlen worden, behauptete er. Die Wut über das Geschehen und die Firma war das Motiv der Brandstiftung.

Er zündete Sprengsätze in diversen Briefkasten

Manuel war auch wegen einer Reihe weiterer Delikte angeklagt: Sachbeschädigungen in 17 Fällen, mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, Hausfriedensbruch, mehrfache Drohungen und strafbare Vorbereitungshandlungen. Er zerstach Autoreifen, zündete Feuerwerkskörper ("Thunder King") in Briefkästen an, beides meist im Zurzibiet.

Opfer waren meist Personen, an denen er sich aus verschiedenen Gründen rächen wollte. Wobei die Personen sein Motiv offenbar kaum bis gar nicht nachvollziehen konnten. Jene Sprengsätze liess er auch in Briefkästen eines Personalvermittlers, der Regionalpolizei Lenzburg und eines Mannes mit dem selben Namen seines Racheobjekts hochgehen.

Opfer waren auch seine Eltern und sein Bruder, die im Kanton Zürich leben. Mehrmals drohte er seiner Mutter und seinem Bruder, dass er das Wohnhaus der Eltern anzünden werde. In diesem Zusammenhang warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, dass er geplant habe, mit einem selbst gebauten Molotow-Cocktail das Haus der Eltern in Brand zu setzen.

Diagnose: Schizophrenie

Eine psychiatrische Gutachterin diagnostizierte bei Manuel eine Schizophrenie. Aufgrund dieser Persönlichkeitsstörung und seines Widerstandes sei zurzeit nur eine medikamentöse Behandlung möglich. «Er ist wenig veränderungsbereit», erklärte sie vor Gericht. Nur eine stationäre Massnahme mache Sinn. Eine frühere ambulante Therapie schlug fehl.

Manuel, ein unauffälliger junger Mann mit breiten Schultern und kurzen Haaren, wurde von drei Kantonspolizisten zum Bezirksgericht eskortiert. Seine Eltern hätten seinen Bruder bevorzugt, sagte er. Das Gutachten sei gegen seinen Willen erstellt worden, hielt er fest, mehrere A4-Blätter mit eigenen Notizen in der Hand haltend.

Seit seiner Verhaftung im April habe er keinen Kontakt mehr zu ihnen. Aber er distanzierte sich nun von seiner Aussage bei einer Einvernahme, dass die versuchte Brandstiftung in der Scheune gerechtfertigt gewesen sei. «Das ist im Nachhinein nicht so», erklärte er, der wegen kleinerer Delikte mehrfach vorbestraft ist. All die Sachbeschädigungen gab er zu. Den Molotow-Cocktail habe er aber nicht gebaut, um ihn einzusetzen. Das hätte er ja längst tun können.

Die Drohungen bestätigte er, sagte aber: «Das würde ich heute nicht mehr so sagen.» Gegen eine stationäre Massnahme wehrte er sich: «Das ist unverhältnismässig. Ich wäre sicher bereit, einen Kompromiss einzugehen und Termine für die Therapie wahrzunehmen.» Seine berufliche Zukunft sieht er vorderhand als Maurer auf der Baustelle.

Bau von Molotow-Cocktail reicht nicht als Beweis

Sein Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten, aufzuschieben für eine ambulante Massnahme. Der Staatsanwalt forderte dagegen eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten, aufzuschieben zu Gunsten einer stationären Massnahme, auch «kleine Verwahrung» genannt. Das Bezirksgericht unter Vorsitz von Präsident Cyrill Kramer verurteilte Manuel zu 12 Monaten Gefängnis und ordnete die stationäre Massnahme an. Es sprach Manuel einzig vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen frei. Der Bau des Molotow-Cocktails war dem Gericht zu wenig Beweis für ein planmässiges Vorgehen.

Ein Polizist legte Manuel nach der Urteilsverkündung wieder Handschellen an. Der 28-Jährige wurde zurück in die Sicherheitshaft ins Zentralgefängnis Lenzburg gebracht.