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Rietheim ist am günstigsten: So viel zahlen Sie im Zurzibiet für Strom

Ein Vergleich der Stromtarife für das Jahr 2021 im Bezirk Zurzach zeigt: Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind gross. So zahlt ein Haushalt in einer Vier-Zimmer-Wohnung in Böttstein 240 Franken mehr pro Jahr als in Rietheim.

Stefanie Garcia Lainez
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In Rietheim zahlen Haushalte mit vier Zimmern gemäss Beispielrechnung 16,31 Rappen pro kWh.

In Rietheim zahlen Haushalte mit vier Zimmern gemäss Beispielrechnung 16,31 Rappen pro kWh.

Benjamin Manser/AZ-Archiv

Im Bezirk Zurzach stehen drei der vier Schweizer Atomkraftwerke. Zusammen decken sie fast 25 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Land. Trotzdem gehört das Zurzibiet im Kanton zu den teureren Regionen.

Auch sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Zurzibieter Gemeinden gross und können für einen Haushalt bis zu 240 Franken pro Jahr ausmachen. Das zeigen die Zahlen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom für das Jahr 2021.

In Böttstein ist der Strom mit 21,67 Rappen pro Kilowattstunde am teuersten, gefolgt von Siglistorf mit 19,94 Rappen. Ein Haushalt zahlt hier 975 respektive 897 Franken pro Jahr. Am günstigsten ist der Strom in Rietheim mit 16,31 Rappen und in Leibstadt mit 16,50 Rappen. Die Stromrechnung kostet hier einen Haushalt 734 beziehungsweise 743 Franken.

Die Stromtarife im Bezirk Zurzach 2021

(Preis in Rappen pro kWh; Standardtarif für eine Konsumentin oder einen Konsumenten der Kategorie H3: 4500 kWh pro Jahr, 4-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler)
Gemeinde 2020 2021 Differenz
Rietheim16,1616,31+0,93
Leibstadt16,0116,5+3,06
Baldingen17,1916,78-2.39
Mellikon17,5117,9+2,23
Bad Zurzach20,5118,26-10.97
Böbikon20,5118,26-10.97
Böttstein20,5118,26-10.97
Döttingen20,5118,26-10.97
Endingen20,5118,26-10.97
Fisibach20,5118,26-10.97
Full-Reuenthal20,5118,26-10.97
Koblenz20,5118,26-10.97
Lengnau20,5118,26-10.97
Leuggern20,5118,26-10.97
Rekingen20,5118,26-10.97
Rümikon20,5118,26-10.97
Schneisingen20,5118,26-10.97
Tegerfelden20,5118,26-10.97
Kaiserstuhl18,3318,33-
Klingnau20,918,66-10.72
Wislikofen17,6619,54+10,65
Full-Reuenthal20,0719,87-1.00
Leuggern20,0719,87-1.00
Schneisingen19,6719,92+1,27
Siglistorf18,0619,94+10,41
Böttstein21,6421,67+0,14

Als Grundlage dient eine 4-Zimmer-Wohnung mit einem Elektroherd und einem Elektroboiler. Der hypothetische Jahresverbrauch in dieser Kategorie H3 beträgt 4500 Kilowattstunden (kWh).

Siglistorf: Energiepreis stieg beim Einkauf um 42 Prozent

Im vergangenen Jahr zählte Siglistorf noch zu den sechs günstigsten Gemeinden im Bezirk. Auf das aktuelle Jahr erhöhte die Elektrizitätsgenossenschaft Siglistorf-Wislikofen-Mellstorf den Strompreis um 10,41 Prozent. Dies, weil der Energiepreis um satte 42 Prozent teurer ausfällt als noch 2020.

Genossenschaftspräsident Luzius Schneider erklärt: «Wir konnten in der Vergangenheit den Strom zu einem günstigen Zeitpunkt gleich auf mehrere Jahre hinaus einkaufen.» Dies sei für das aktuelle Jahr leider nicht mehr möglich gewesen, weshalb die Genossenschaft die Preiserhöhung teilweise an ihre Kunden weitergeben müsse. Der Preisunterschied zwischen Siglistorf und Wislikofen (mit dem Ortsteil Mellstorf) lässt sich mit den Konzessionsgebühren erklären, welche die Gemeinde Siglistorf zusätzlich erhebt.

Schneider weist aber daraufhin, dass je nach Verbrauchskategorie die Rangliste anders aussehe. So wäre der Unterschied zu den anderen Gemeinden beispielsweise bei einem Einfamilienhaus mit fünf Zimmern und einem hypothetischen Jahresverbrauch von 7500 Kilowattstunden (H5) mit 18,50 Rappen pro Kilowattstunde nur gering.

Diese vier Komponenten machen den Strompreis aus

Netznutzungstarif:

Preis für den Stromtransport vom Kraftwerk bis ins Haus. Mit den Einnahmen werden Wartung und Ausbau des Stromnetzes finanziert.

Energiepreis:

Preis für die gelieferte elektrische Energie. Diese Energie erzeugt der Netzbetreiber entweder mit eigenen Kraftwerken oder er kauft sie von Vorlieferanten ein. Hohe Anteile an erneuerbaren Energien führen in der Regel zu höheren Energiepreisen.

Abgaben an das Gemeinwesen:

Kommunale und kantonale Abgaben und Gebühren, wie Konzessionsabgaben.

Bundesabgaben:

Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (KEV) sowie zum Schutz der Gewässer und Fische. Sie ist überall gleich. 2021 beträgt sie 2,3 Rp./kWh.

Böttstein: Kosten für Netzunterhalt kann auf weniger Kunden verteilt werden

Den Unterschied der jeweiligen Verbrauchskategorien unterstreicht auch Roman Abegg, Präsident der Elektra Böttstein. «Zudem werden in diesen Zahlen die verschiedenen Zeiten des Niedertarifs nicht mitberücksichtigt», ergänzt er. So können die Böttsteiner schon ab 19 Uhr günstiger Strom beziehen, in anderen Gemeinden ist dies erst ab 20 Uhr möglich.

Wie die Genossenschaft in Siglistorf kauft auch die Elektra Böttstein den Strom jeweils auf mehrere Jahre im Voraus ein und musste ebenfalls höhere Einkaufspreise den Kunden weitergeben. Zudem könne die Elektra Kosten für den Netzunterhalt auf weniger Abonnenten verteilen – mit Folgen für den Strompreis.

Denn die Elektra deckt den Ortsteil Böttstein ab, die AEW Energie AG beliefert die anderen drei Ortsteile Eien, Kleindöttingen und Burlen. Zudem hat die Elektra nur Privatpersonen mit kleineren Bezügen als Kunden. Grossverbraucher und Industriebetriebe gibt es keine im Versorgungsgebiet der Elektra.

Rietheim: Eigene Rundsteueranlage als Vorteil

Für die tiefen Strompreise in Rietheim gebe es mehrere Gründe, sagt Ueli Bettler, Geschäftsleiter der Elektrizitäts-Genossenschaft Siggenthal, die seit 2019 die Betriebsführung der Elektra Rietheim innehat. Nebst den Netzkosten und dem Einkaufspreis, der sehr volatil sein könne, spiele eine Rolle, dass die Elektra-Genossenschaft zeitgemässe Investitionen getätigt habe.

«Ein Vorteil ist sicherlich die eigene Rundsteueranlage mit Lastregulierung, mit dieser das Ortsnetz optimal betrieben werden kann.» Die gesunde finanziellen Grundlage ermögliche zudem kostengünstige Endkundenpreise.

Leibstadt profitiert vom KKL-Standort

In Leibstadt hingegen investierte die örtliche Elektra in den vergangenen Jahren nicht nur in die Sanierung und Erneuerung des Netzes, sondern auch in die Erschliessung von Baugebieten. «Das ist sozusagen eine Vorinvestition in die Zukunft», sagt Präsident Oskar Kalt. Trotz der daraus resultierenden Preiserhöhung von rund drei Prozent ist der Strom immer noch am zweitgünstigsten.

Zum einen habe das mit dem günstigen Einkaufspreis für die Energie am freien Markt zu tun. Zum anderen arbeite die Elektra dem Genossenschaftsgedanken entsprechend nicht gewinnorientiert und könne mit einer schlanken Struktur die Kosten optimieren.

Ein Vorteil ist der KKL-Standort: Die Leibstädter erhalten einen geringen Teil der Stromkosten wieder zurück – das Kernkraftwerk schüttet jährlich Ersatzzahlungen an die Gemeinde aus. Diese wiederum gibt dies verbrauchsabhängig an die Endkunden weiter.

Profitieren konnte die Elektra auch 1974: Die Genossenschaft versorgte die KKL-Baustelle mit Strom. «Dadurch konnte die Elektra ein schönes Kapital anhäufen, das wiederum in die relativ früh umgesetzte Verkabelung des Netzes investiert wurde», sagt Kalt.

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