Projekt Rheintal+
Schlussbericht zur Megafusion: «Gehen Sie nicht mit der Hellebarde aufeinander los»

In Bad Zurzach wurde der Bevölkerung der Schlussbericht zur vertieften Prüfung der Fusion vorgestellt. Noch wartet viel Knochen- und Detailarbeit auf die Beteiligten. Der Austausch blieb freundlich und informativ.

Andreas Fretz (Text) und Alex Spichale (Foto)
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Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs stellt den Schlussbericht zum Fusionsprojekt Rheintal+ vor.
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Fuchs: "Gehen Sie nicht mit der Hellebarde aufeinander los."
Der externe Projektleiter Jean-Claude Kleiner.
Zehn Gemeinden prüfen die Gemeindefusion. Die Abstimmung erfolgt im Frühling.
Kaiserstuhls Stadtammann Ruedi Weiss und Jean-Claude Kleiner.
Die Gemeindeammänner der zehn Gemeinden.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Rheintal +: «Bitte keine Hellebarden»
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.
Impressionen von der Informationsveranstaltung zu Rheintal +.

Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs stellt den Schlussbericht zum Fusionsprojekt Rheintal+ vor.

Alex Spichale

«Liebe Befürworter, liebe Gegner der Fusion, gehen sie bitte anständig miteinander um. Wir leben zusammen in diesem Gebiet. Gehen Sie nicht mit der Hellebarde aufeinander los.» Diesen Rat gab Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs den Leuten mit auf den Weg, als sie die Turnhalle Tiergarten verliessen.

Bevor die Bevölkerung mit diesen Worten in die Kälte der Nacht entlassen wurde, bekam sie den Schlussbericht zur vertieften Prüfung der Zurzibieter Megafusion serviert. Rund 450 Personen aus zehn Gemeinden waren zur Infoveranstaltung im Bezirkshauptort gekommen. Die Ammänner der involvierten Gemeinden fassten das in Worte, was seit Ende Dezember im Internet aufgeschaltet ist: der 80-seitige Schlussbericht zur vertieften Prüfung eines Zusammenschlusses entlang des Rheins. In Arbeitsgruppen wurden acht Themenfelder bearbeitet. Über 100 Mitglieder in den Facharbeitsgruppen und mehr als 150 Personen in den Echogruppen befassten sich eineinhalb Jahre mit der Materie.

Schnell wurde den zahlreichen und konzentrierten Zuhörern klar: Das Ausarbeiten der Grundlagen einer Fusion ist weder sexy noch cool noch hip. Es ist in erster Linie Knochenarbeit und viel Detailarbeit. Häufig war an diesem Abend von Chancen und Risiken die Rede, von Vor- und Nachteilen, von Identität und Identitätsverlust.

Die Ammänner zeigten auf, weshalb im Schlussbericht ein Gemeinderat mit sieben Mitgliedern empfohlen wird, weshalb man sich gegen einen Einwohnerrat und für eine zentrale Verwaltung ausgesprochen hat. Die Entwicklungen des Steuerfusses, der Einwohnerzahl und der Arbeitsplätze wurden prognostiziert, Spar- und Synergiepotenziale aufgezeigt.

Projekt Rheintal+ Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen prüfen eine Fusion. In Bad Zurzach wurde der Schlussbericht der Arbeitsgruppen präsentiert, der die Grundlage für den Fusionsvertrag bildet. Das mögliche Wappen der neuen Gemeinde wurde bereits erkoren.

Projekt Rheintal+ Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen prüfen eine Fusion. In Bad Zurzach wurde der Schlussbericht der Arbeitsgruppen präsentiert, der die Grundlage für den Fusionsvertrag bildet. Das mögliche Wappen der neuen Gemeinde wurde bereits erkoren.

«Maximale Schadensbegrenzung»

Am meisten Angriffsfläche offenbarte die Frage nach den Schulstandorten. Fünf Modelle wurden ausgearbeitet. Das grösste Potenzial sah die Arbeitsgruppe in Modell 2 mit den Standorten in Bad Zurzach und Rekingen. Wislikofens Gemeindeammann Heiri Rohner brachte es auf folgende Formel: «Es erlaubt die grösstmögliche Schadensbegrenzung für jene Gemeinden, für die Modell 2 eine Verschlechterung darstellt.» Es war einer der seltenen Momente, in denen ein Raunen durchs Publikum ging. Rohner betonte aber sogleich, dass es sich dabei bloss um die analytische, rein sachliche Bewertung der Arbeitsgruppe zuhanden des Schlussberichts handelt. Welche Variante in den Fusionsvertrag einfliesst, das sei nun Sache des politischen Prozesses.

«Jeder Marathon beginnt mit einem Schritt», sagte der externe Projektleiter Jean-Claude Kleiner, «und endet mit einem Schlussspurt.» Mellikons Ammann Rolf Laube lobte die «sehr fundierten Ergebnisse» des Schlussberichts. Und dieses Werk bildet die Grundlage für den angesprochenen Schlussspurt: Auf seiner Basis wird nun der rund 20-seitige Fusionsvertrag erarbeitet. Dieser wird, falls die Gemeinderäte zustimmen, am 23. Mai den zehn Stimmbevölkerungen an ausserordentlichen Gemeindeversammlungen zeitgleich vorgelegt. Bei einem allfälligen Ja soll die obligatorische Urnenabstimmung am 8. September stattfinden. Voraussichtlich im Jahr 2021 könnte die neue Gemeinde mit über 8000 Einwohnern starten.

Wie detailliert sich die Behörden und Bewohner bereits mit dem Fusionsprozess auseinandersetzten, wurde klar, als ein Votant wissen wollte, weshalb die Wassergebühren bereits zum Fusionsstart harmonisiert werden können, nicht aber die Abfall- und Sackgebühren.

Noch wartet viel Knochen- und Detailarbeit auf die Beteiligten. Aber die Hellebarde hat am Donnerstag noch niemand ausgepackt.

Umfrage zu Rheintal+ - Wie stehen Sie zu einer Fusion, wo sehen Sie Chancen und Risiken?

«Es ist gut, dass sich die Region Gedanken über eine Fusion macht. Aber ich frage mich, ob das Projekt mit zehn Gemeinden nicht zu gross ist. Die Strukturen in den Gemeinden und die Meinungen gehen teils weit auseinander. Gut möglich, dass viele Leute aus Angst mit Nein stimmen werden. Vielleicht wäre eine kleinere Fusion mit zum Beispiel nur fünf Gemeinden ein sinnvoller Ansatz.» Thomas Gass, Mellikon
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«Ich wohne noch nicht lange in der Gemeinde, habe aber die Diskussionen um die Fusion sehr aufmerksam verfolgt. Ich finde es eine tolle Sache, dass eine so grosse Gemeinde entstehen soll. Gerade für die jungen Leute sehe ich eine Chance. Die Chance, dass sich zum Beispiel im Bereich der Jugendarbeit oder auch bei der Zusammenarbeit der Kirchen neue Möglichkeiten eröffnen.» Trudi Roth, Bad Zurzach
«Ich schwanke extrem hin und her. Es gibt sehr gute Gründe für eine Fusion. Aber das ultimative Pro-Argument, weshalb es uns nachher besser gehen sollte, fehlt mir bisher. Ich habe gehofft, dass ich an der Infoveranstaltung an ein solches Argument herangeführt werde. Das war aber nicht der Fall. Dennoch bin ich grundsätzlich positiv eingestellt.» Andres Marques, Rümikon
«Ich bin im Prinzip für die Fusion. Aber ich befürchte, dass das Städtchen Kaiserstuhl nicht zustimmen wird, wenn die Frage der Schulstandorte so gelöst wird, wie es jetzt an der Infoveranstaltung beschrieben wurde. Die Schulstandorte in Weiach und Stadel müssen für Kaiserstuhl und Fisibach erhalten bleiben.» Bettina Steiner, Kaiserstuhl
«Grundsätzlich bin ich gegenüber den Fusionsbemühungen positiv eingestellt. Ich finde es gut, das etwas geschieht in unserer Region. Die kleinen Gemeinden haben natürlich einen grösseren Fusionsdruck als etwa Bad Zurzach. Die Solidarität ist wichtig in diesem Prozess. Jede Gemeinde hat etwas zu geben und kann etwas nehmen.» Hansjörg Spuler, Bad Zurzach

«Es ist gut, dass sich die Region Gedanken über eine Fusion macht. Aber ich frage mich, ob das Projekt mit zehn Gemeinden nicht zu gross ist. Die Strukturen in den Gemeinden und die Meinungen gehen teils weit auseinander. Gut möglich, dass viele Leute aus Angst mit Nein stimmen werden. Vielleicht wäre eine kleinere Fusion mit zum Beispiel nur fünf Gemeinden ein sinnvoller Ansatz.» Thomas Gass, Mellikon