Full-Reuenthal
Immer weniger Umsatz: Müssen die Dorfläden schliessen?

Die beiden Läden in Full-Reuenthal sind defizitär. Nun müssen die Genossenschafter über deren Zukunft entscheiden.

Stefanie Garcia Lainez
Merken
Drucken
Teilen
Der Dorfladen im Ortsteil Full könnte Ende April schliessen.

Der Dorfladen im Ortsteil Full könnte Ende April schliessen.

sga

Ein älterer Herr lässt sich an der Käsetheke gerade seinen Käse einpacken, während eine Frau einen Schnaps aus dem Regal nimmt. Die Kunden im Dorfladen Full kommen und gehen, aber die Zeiten wie in den 1950er-Jahren sind vorbei. Damals fuhren die Waldshuter während knapp 15 Jahren fast täglich mit der Rheinfähre zum Einkaufen über die Grenze, füllten ihre Einkaufstaschen und sorgten für guten Umsatz im Dorfladen oder bei den Lebensmittelverkäufern, die ihre Waren in sieben am Ufer aufgereihten Baracken feilboten.

Heute sind die Baracken verschwunden und die beiden Läden in den beiden Ortsteilen Full und Reuenthal kämpfen ums Überleben. Am der kommenden Generalversammlung am 23. März entscheiden die Genossenschafter über die Zukunft der über hundert Jahre alten Läden. Seit längerem sind die beiden Dorfläden defizitär. Damit sie ohne die Tankstelle in Full rentieren würden, müsste der Umsatz um rund einen Viertel zulegen.

Anfang Jahr sanken die Umsätze nochmals

Dass es Kunden gibt, welche die Supermärkte aus Angst vor dem Corona-Virus meiden und vermehrt in die kleinen Dorfläden ausweichen, davon spüren die beiden Läden in Full-Reuenthal noch nichts. «Im Januar und Februar sind die Umsätze nochmals um rund zehn Prozent in Full und 30 Prozent in Reuenthal zurückgegangen», sagt Karl Erne, der Präsident der Dorfladen Genossenschaft Full-Reuenthal. «Zurzeit finanzieren wir das Defizit mit den Mieteinnahmen aus den Wohnungen und Nebenräumen quer», ergänzt er. «Das geht dank der aktuell tiefen Zinsen, aber auf Dauer kann das nicht die Lösung sein.» Denn diese Einnahmen sollten in die Sanierung der beiden Gebäude fliessen, nicht in die Läden.

Ziel: Umsatz wie im Vorjahr – sonst ist Schluss

Der Vorstand unterbreitet den Genossenschaftern deshalb an der GV übernächster Woche verschiedene Vorschläge für die Zukunft der Läden. Für jenen in Reuenthal, in dem täglich um die 25 Personen einkaufen, schlägt der Vorstand zwei Varianten vor: per Ende April schliessen oder eine Galgenfrist bis Ende Juni. Bei der zweiten Variante muss der Laden aber mindestens 18000 Franken Umsatz pro Monat erreichen, dem durchschnittlichen Monatsumsatz des vergangene Jahres und über 30 Prozent mehr als im Moment.

Der Laden in Full mit täglich 50 bis 70 Kunden soll bis August Zeit erhalten, wieder den durchschnittlichen Monatsumsatz von 43'000 Franken des vergangenen Jahres zu erzielen – 10 Prozent mehr als jetzt. «Mit den Läden von der Hand in den Mund zu leben, ist aufreibend», sagt Karl Erne. Die finanzielle Lage der beiden Läden beschäftige den Vorstand stark. Zwar habe sich eine mögliche Schliessung schon seit längerem abgezeichnet. «Damit mussten wir rechnen. Aber eine gewisse Enttäuschung schwingt mit.»