Leuggern/Mandach
Illegale Waldrodung? Parzellen-Besitzer stört sich an der Waldgrenze

Als Besitzer einer Waldparzelle im Gebiet Loor stört sich Fritz Keller am Verlauf der Waldgrenze. Nach der Ablehnung seiner Einsprache tritt er an die Öffentlichkeit.

Louis Probst
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Fritz Keller auf dem ehemaligen Waldsaum-Streifen.

Fritz Keller auf dem ehemaligen Waldsaum-Streifen.

Louis Probst

«Die zwei oder drei Aren mögen nicht weltbewegend sein», betont Fritz Keller. «Mich stört aber die Art und Weise, wie die Waldgrenze jetzt festgesetzt worden ist. Mir ist nicht klar, weshalb der Kanton diese Grenze zurückversetzt hat. Ich verstehe das nicht.» Als Besitzer einer Waldparzelle im Gebiet Loor, zwischen den Gemeinden Mandach und Leuggern, stört sich Fritz Keller, seines Zeichens eidgenössisch diplomierter Förster, am Verlauf der Waldgrenze, wie sie im Kantonalen Waldgrenzen-Plan vom 1.September 2019 festgelegt wurde. In einem offenen Brief, den er an Marcel Murri, den Leiter der Sektion Walderhaltung in der Abteilung Wald des Kantons, adressiert hat, legt er seinen Standpunkt dar.

«Am Rand der an meine Waldparzelle anstossenden landwirtschaftlich genutzten Parzelle hat sich seit den 1940er-Jahren ein Waldstreifen befunden», stellt er fest. «Dieser zwischen fünf und zehn
Meter breite Waldsaum hat viele ökologisch wertvolle Bäume und Sträucher aufgewiesen. Der Landwirt Daniel Marolf hat die Parzelle im Jahr 2010 gekauft. Im Frühjahr 2011 hat der neue Besitzer den ganzen Waldstreifen bis auf die Parzellengrenze gerodet und die Baumstrünke mit einem Forstmulcher zertrümmert. Um einem Strafverfahren zu entgehen, versprach Daniel Marolf dem Revierförster Peter Haas, die Fläche mit verschiedenen einheimischen Sträuchern wieder zu bepflanzen. Der Landwirt pflanzte die Sträucher, mähte sie aber nach und nach wieder ab. Bei der kantonalen Waldausscheidung vom Oktober 2014 war die Fläche deutlich als Wald eingezeichnet. Im Kantonalen Waldgrenzen- Plan vom September 2019 ist der Waldstreifen aus unerfindlichen Gründen jedoch nicht mehr als Wald eingezeichnet.»

«Verhalten im Nachhinein legalisiert»

Diese «Auszonung» hatte Fritz Keller bewogen, Einsprache zu erheben. Er forderte, dass die Waldgrenze so festzulegen sei, wie auf dem Plan der Waldausscheidung vom 15. Oktober 2014 dargestellt. Er machte unter anderem geltend, dass mit der Rodung gegen das Waldgesetz verstossen worden sei und es nicht sein dürfe, dass «ein solches Verhalten im Nachhinein legalisiert, das heisst letztlich auch noch belohnt» werde.

Nach einer Einspracheverhandlung vor Ort mit allen Beteiligten wies die Abteilung Wald im Dezember letzten Jahres die Einsprache ab. «Entscheidend ist, ob die Bestockung 2011, als sie entfernt wurde, älter als 15-jährig war», hält die Abteilung Wald in der Begründung fest. «Das lässt sich im Gelände nicht mehr rekonstruieren. Aussagen des Einsprechers und des Grundeigentümers widersprechen sich.» Anhand der verfügbaren Luftbilder und Plangrundlagen könne nicht bewiesen werden, dass im fraglichen Bereich einmal Wald gestockt habe. Es könne jedoch angenommen werden, dass 1988 auf der Parzelle eine dem Wald vorgelagerte Bestockung vorhanden war.

Kritik zurückgewiesen

Gemäss den Aussagen der Beteiligten an der Einspracheverhandlung sei auch 2011 eine Bestockung vorhanden gewesen. Aufgrund der geringen Wuchshöhe müsse aber davon ausgegangen werden, dass sie zwischen 1988 und 2011 mindestens einmal auf den Stock gesetzt worden sei und höchstwahrscheinlich das Alter von 15 Jahren nie erreicht habe. «Somit handelte es sich bei der Bestockung rechtlich nicht um Wald, als diese 2011 entfernt wurde», so die Abteilung Wald. Auch den Einwand des Einsprechers, dass die fragliche Fläche in der kantonalen Waldausscheidung 2014 deutlich als Wald eingezeichnet sei, liess die Abteilung Wald nicht gelten. Diese Waldausscheidung sei nicht rechtsverbindlich gewesen, führt sie in der Begründung ihres Entscheides aus.

Marcel Murri, der Adressat des offenen Briefes, erklärte dazu auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Waldausscheidung 2014 für das fragliche Gebiet auf älteren Angaben beruht habe, die nie im Gelände verifiziert worden seien. Bei der Art der früheren Bestockung stehe Aussage gegen Aussage. «Es gibt keinen Beweis», so Murri. «Wir müssen uns im Zweifelsfall an Fakten, in diesem Fall an Luftaufnahmen, halten.»

Fritz Keller bedauert den Entscheid der Abteilung Wald. Der besagte Waldstreifen sei in den letzten 50 Jahren nie auf den Stock gesetzt worden, erklärt er. Andernfalls hätte er schon früher reklamiert. Der Verkäufer der Parzelle habe nie ausgesagt, den Waldstreifen auf den Stock gesetzt, also gerodet zu haben. Die Argumentation der Abteilung Wald sei für ihn nicht nachvollziehbar.