Gedenkfeier
«Ich sehe die Leichenteile heute noch vor Augen»: Feuerwehrmann über Einsatz nach Flugzeugabsturz in Würenlingen

Pedro Gisin war Feuerwehrmann, als die Swissair-Maschine am 21. Februar 1970 in den Wald bei Würenlingen stürzte. Peter Stoller verlor seine Verlobte und Ruedi Berlinger seinen Vater. Drei Betroffene sprechen 50 Jahre später über das Ereignis, das sie alle immer noch bewegt.

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Als erstes bekam Pedro Gisin einen Plastiksack und eine Zange. «Ein Polizist sagte uns: Geht und sucht Leichenteile zusammen», erzählt er dem Regional-TV-Sender Tele M1. Er war damals, am Sonntagmorgen nach dem Absturz des Swissair-Flugs 330, einer der Feuerwehrmänner, die an der Absturzstelle im Wald bei Würenlingen im Einsatz waren. Dieser Einsatz hat Spuren hinterlassen. «Ich sehe diese Leichenteile heute noch vor Augen. Wenn man das nicht gesehen hat, dann kann man sich das schlicht und einfach nicht vorstellen.»

Pedro Gisin war einer von Hunderten, die am Freitagnachmittag, 50 Jahre nach dem Unglück, zur privat organisierten Gedenkfeier an die Absturzstelle kamen. Er erinnert sich, wie schwierig es war, die Schaulustigen damals von ebendieser Stelle fernzuhalten. «Mein Kollege war Schweizer Juniorenmeister im Judo. Er hat die Leute am Laufmeter aufs Kreuz legen müssen, weil sie nicht stoppen wollten.»

Peter Stoller verlor beim Absturz seine Verlobte. Sie war als Stewardess an Bord. Mit Tränen in den Augen erzählt er von jenem Tag und auch davon, dass danach «einfach nichts passierte». Heute lebt er in Zürich, doch damals hat er hat die Schweiz verlassen und jahrelang im Ausland gearbeitet. «Weil ich dachte, da hast du nichts mehr verloren.» Vergeblich hat er auch jetzt versucht, einen Vertreter aus dem Bundesrat zur Teilnahme am Gedenkanlass zu bewegen.

Gedenkanlass 50 Jahre Flugzeugabsturz Würenlingen 21.2.2020
35 Bilder
Viele Menschen sind gekommen, um den Opfern des Flugzeugabsturzes vor 50 Jahren in Würenlingen zu gedenken.
Ruedi Berlinger, Sohn des Piloten hat an der Gedenkfeier Dudelsack gespielt.
Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (links), Alt-Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther (Mitte) und Jacob Keidar (rechts), Botschafter Israels in Bern an der Gedenkfeier.
Der Sohn des Piloten des Unglückflugzeugs hat auch eine Rede gehalten.
Der Gedenkstein soll an die 47 Todesopfer erinnern.
Überall legen die Besucher Blumen ab.
Die Angehörigen der Opfer legen eine Schweigeminute ein.
Besucher, darunter auch Angehörige sind in den Wald gekommen, um die Opfer zu feiern.
Auf dem Rednerpult vor dem Gedenkstein werden Reden gehalten.
Eine Aufmerksamkeit der Gemeinde Würenlingen.
Mit einer Schweigeminute gedenken die Angehörigen den Opfern.
Ruedi Berlinger, Sohn des damaligen Kapitäns des Unglücksfliegers, entzündet die Kerzen vor dem Gedenkstein.
Nach seiner Rede tritt Jacob Keidar vom Rednerpult, um Blumen niederzulegen.
Viele Leute sind an die Absturzstelle im Wald bei Würenlingen gekommen, um den Opfern zu gedenken.
Peter Stoller aus Zürich: «Hier in diesem Wald habe ich vor 50 Jahren jemanden verloren, der mir sehr nahe stand.»
Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum eine Bombe. Sie war von palästinensischen Terroristen gelegt worden.
Nach der Bombenexplosion im Frachtraum stürzte die Coronado der Swissair ab.
Trümmerteile liegen nach dem Absturz verstreut im Wald von Würenlingen, ganz in der Nàhe des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) und des AKW Beznau.
Den ersten Helfern zeigt sich ein Bild des Grauens: Trümmer- und Leichenteile liegen verstreut im Wald.
Die Unglücksmaschine: Die Convair-990 Coronado HB-ICD der Swissair.
Passanten sehen sich die Trümmer des Flugzeuges an.
Der Swissair-Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Doch Rauch im Cockpit verunmöglichte die Sicht.
Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben.
Pressekonferenz der Eidgenössischen Flugunfall-Kommission: Dr. Jakob Meier vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei zeigt das grösste Trümmerteil. Dr. Jakob Meier vom Wissenschaftlichen Dienst der Zürcher Stadtpolizei zeigt das grösste Trümmerteil.
Die Trümmer der Maschine.
Ehrenzermonie nach der Ankunft der Körper der israelischen Opfer auf dem Flughafen Lod inahe Tel Aviv am 6. März 1970.
Die Trümmer der Maschine.
Links ein neuer, rechts der in den Trümmern gefundene, zerstörrte Höhenmesser, der die Explosion im Frachtraum auslöste.
Ein Wegweiser führt in Würenlingen zum Denkmal bei der Absturzstelle im Wald.
In der Tonhalle in Zürich fand am 26. Februar 1970 eine Trauerfeier statt.
Die Bundesräte Roger Bonvin (links) und Ernst Brugger (rechts) bei der Trauerfeier in der Tonhalle in Zürich.
Bei Würenlingen wird am 7. März 1971 an der Absturzstelle eine Gedenkstätte eingeweiht.
Die Gedenkfeier am 18. Februar 1990 beim Denkmal auf der Absturzstelle.
Der mutmassliche Attentäter, Sufian Radi Kaddoumi.

Gedenkanlass 50 Jahre Flugzeugabsturz Würenlingen 21.2.2020

Keystone

Der Vater von Ruedi Berlinger war der Pilot, der sich damals mit dem Funkspruch «Goodbye everybody» verabschiedete. «Dieser Tag ist immer wieder präsent», sagt er. Mit sieben Jahren verlor er am 21. Februar 1970 seinen Vater. «In diesem Alter realisiert man das noch nicht so richtig. Das kommt erst mit den Jahren.» Er hat mitgeholfen, den Gedenkanlass zu organisieren. «So ein Tag hilft dabei, das zu verarbeiten, wieder einen Schritt weiter zu kommen.» (smo)