Zurzibieter Grossrat
«Ich kann mir nicht alles gefallen lassen – mir werden bei jeder Gelegenheit die Wörter im Mund umgedreht»

Patrick Gosteli vertritt das Zurzibiet seit zwölf Jahren im Grossen Rat und zählt dort zu den bewährten Kräften. Mehr Gegenwind blies dem SVP-Politiker als Ammann von Böttstein entgegen.

Daniel Weissenbrunner
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Patrick Gosteli: «Vorsicht vor übereiligen Schritten in der Klimadebatte.»

Patrick Gosteli: «Vorsicht vor übereiligen Schritten in der Klimadebatte.»

Daniel Weissenbrunner

Wir treffen Patrick Gosteli im Naturschutzgebiet in Kleindöttingen. Unweit des Gemeindehauses, aber mittendrin in einer intakten Landschaft. Als Kind spielte er hier im Winter auf dem Weiher Eishockey und nahm im Sommer ein kühlendes Fussbad. Für den 47-Jährigen ist das Gebiet entlang der Aare ein Kraftort. Hier kann er abschalten, Energie tanken und seine Gedanken ordnen.

Gosteli galt einst als politischer Senkrechtstarter. 2006 wurde er in den Gemeinderat gewählt, 2008 rückte er für seinen Mentor Erich Vögeli in den Grossen Rat nach und 2010 wählten ihn die Böttstemer zum neuen Ammann. Seither zählt der diplomierte Betriebswirtschafter zu einer festen Grösse in der kantonalen und kommunalen Politik. Er ist unter anderem Vizepräsident der SVP-Grossratsfraktion und präsidiert die Kommission für Volkswirtschaft und Abgaben. Er hat mehrere öffentliche Ämter inne und wirkt in Stiftungs- und Verwaltungsräten.

Gosteli, der Vollblutpolitiker, der nicht durch Gepolter auffällt. Wegbegleiter beschreiben ihn als einen stillen Schaffer. Mit einer unaufgeregten Art und grosser Dossierkenntnis. Seine Zielstrebigkeit, Offenheit sowie Unterstützungsbereitschaft seien Charakterzüge, die heutzutage selten zu finden sind.

Als Patrick Gosteli zur medialen Zielscheibe wurde

Ein Werdegang also wie aus dem Lehrbuch. Einer, der sich in den Dienst der Sache stellt. Patrick Gosteli stand im Laufe seiner politischen Karriere aber auch schon im Gegenwind. Der «Blick» bezeichnete ihn einst «als gierigsten Politiker der Schweiz» und die «Schweizer Illustrierte» verlieh ihm den «Kaktus der Woche.» Hintergrund war eine vom Gemeinderat geplante Lohnerhöhung für den Ammann.

Er wurde zur Zielscheibe und musste sich einiges anhören lassen. Gosteli findet die Vorwürfe heute noch ungerecht, «weil sie aus dem Zusammenhang gerissen waren» und Zahlen falsch wieder gegeben worden seien. «Es wurde alles extrem aufgebauscht, ohne zu überprüfen, ob der Sachverhalt tatsächlich stimmt.» Und dass man für eine Sache einstehe und diese vertrete, sei nicht verwerflich.

Gosteli hat seine Schlüsse gezogen. Sein Umgang mit den Medien ist belastet. Er sagt es ohne Groll, bedacht, aber deutlich in der Aussage. «Ich kann mir nicht alles gefallen lassen.» Er steht nur noch dann zur Verfügung, wenn es ausdrücklich sein muss. Zu oft seien ihm die Wörter im Mund umgedreht worden.

Trotz der eingeprasselten Kritik: Auf seine politische Laufbahn hatten die Schlagzeilen keinen Einfluss. Er wurde in seinen Ämtern seither immer wieder gewählt. Die Frage, die sich dennoch stellt: Hat sich nach den Erfahrungen eine Verdrossenheit bemerkbar gemacht? Patrick Gosteli winkt ab. Er hat sich in den über fünfzehn Jahren eine dicke Haut angeeignet und ein breites Netzwerk aufgebaut. Er kennt die Geschäfte im Detail und möchte mit diesem prall gefüllten Rucksack noch einiges bewirken. Sei es in Aarau, im Bezirk oder in Böttstein.

Bern für Patrick Gosteli kein Thema, Regierungsrat schon eher

Ob ihn der Weg dereinst auf das nationale Parkett führen wird, darüber verschwendet er keine Gedanken. «Mit Ständerat Hansjörg Knecht ist das Zurzibiet und die SVP in Bern derzeit bestens vertreten», sagt Gosteli. Sollte der Zeitpunkt für ihn und die Partei stimmen, würde er allenfalls eine Regierungsratskandidatur in Erwägung ziehen.

Zunächst steht für den dienstältesten Zurzibieter Grossrat die Wiederwahl ins Kantonsparlament im Vordergrund. Es wäre seine vierte Legislatur. Dazu soll die Partei ihre drei Sitze verteidigen. «Das wird nicht einfach», weiss er. Dass die bürgerlichen Parteien in Zeiten der Klimadebatte unter Druck stehen, haben die nationalen Wahlen letzten Herbst gezeigt.

Als Naturliebhaber liegt Gosteli ein intaktes Klima ebenso am Herzen. «Wir dürfen die wirtschaftlichen Interessen aber nicht ausblenden.» Das Zurzibiet sei in diesen Thema mit seinen drei Kernkraftwerken besonders betroffen. Alleine die beiden Kernkraftwerke auf der Insel Beznau machen rund 15 Prozent der Wertschöpfung im Unteren Aaretal aus. «Übereilige Schritte würden die Arbeitsplatzsicherung unnötig gefährden.» Sagt er und macht sich auf den Weg zurück zum Weiher, jenem Ort, mit dem er viele Kindheitserinnerungen verbindet.