Bad Zurzach
Für einen Tag wieder ein Marktflecken

Der Frühlingsmärt in Bad Zurzach war strenggenommen eine Sommermärt. Das prachtvolle Wetter lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher an den Mark. Zu kaufen und zu entdecken gab es wie immer viel Spannendes.

Rosmarie Mehlin
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Frühlingsmarkt Bad Zurzach
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Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach
Impressionen vom Frühlingsmarkt in Bad Zurzach

Frühlingsmarkt Bad Zurzach

Rosmarie Mehlin

Kein Sattelschlepper quälte sich um die Kurven, statt Diesel-Gestank lagen Bratwurstdüfte in der Luft, in der Schwertgasse blies die Musikgesellschaft Rietheim «Mein kleiner grüner Kaktus» und mitten auf der Ochsenkreuzung war ein FC Barcelona-Fan in ein Gespräch mit Bekannten vertieft: Für einen Tag war Bad Zurzach wieder, was es eigentlich ist: Ein Marktflecken.

Als «Frühlingsmarkt» amtlich bewilligt, hatten die sommerlichen Temperaturen nicht nur einen Rekord von 1085 Gäste ins Regibad gelockt – auch unzählige grosse und kleine Besucher schlenderten durch die zahlreichen Stände über den Kirchplatz, durch die Hauptstrasse und die Schwertgasse.

Essig-Konfi und Eichen-Knollen

Wieviel Schweiss an den Grills von der Metzgerei Traub floss, ist nicht einzuschätzen – klar ist, dass ihre Würste, Flecken-Stecken und Steaks im wahrsten Sinne des Wortes glühend begehrt waren. Die Schwarzäugige Susanna allerdings liess den Grillstand links liegen: Als Kletterpflanze ist sie Veganerin; als eine unter zahlreichen Schönheiten verwandelte sie den Kirchplatz in ein blühendes Paradies: Geranien, Petunien, Dipladenia, Tagetes, Ageratums, Margriten wurden auf Wunsch von Zurzi-Promis gratis in mitgebrachte Kistchen eingepflanzt. Auch Tomaten- Peperoni- und Gurken-Pflanzen sowie Gewürze – etwa als «Grill-Party-, Gusto Italiana-Set» oder «Hugo Cocktail-Minze» - waren begehrt.
Schnürschuhe, Sandalen, Mokassins - weisse, rote, beige, blaue von Grösse 36 bis 42 – jedes Paar für 39 Franken, bot auch dieses Mal das Schuhgeschäft Di Renzo wohlfeil und es fehlte nicht an Kundschaft. So wie die Lagotto Romagnolo-Hunde nach Trüffeln graben, so buddelt Erwin Götz aus Lengnau-Vogelsang Eichen-Wurzeln-Knollen aus, die seine Frau Regine mit verschiedenen Figuren dekoriert: «Das Geschäft läuft super», schwärmt der ehemalige Jäger Götz. Monika Joss aus Rheinfelden ist hauptberuflich Medizinische Praxis-Assistentin, ihr Partner Maurer – die Leidenschaft der Beiden aber sind Essig, Konfi und ganz besonders Senf. In ihrer Freizeit stellen sie unter dem Label «Gnuss Wärch» Spezialitäten her, verkaufen sie Online und an Märkten. Da findet man, nebst vielem anderem Gluschtigem, etwa Ananans-Curry-Senf, Orangen-Pfeffer-Senf, Baumnuss- oder Mango-Senf.

Am Stand von Gertrud Wahlen aus dem Baselbiet konnte man ein süsses Stück Spanien kosten «Churros» sind ein Gebäck aus frittiertem Brandteig, die mit Zucker, Zimt, Caramel-, Schoggi-, Erdbeer- oder Himbeer-Sauce angeboten wird. Beim Flanieren wurde man gar nach Südamerika versetzt: Eine junge Mutter tat sich bei der Wahl einer der, üppig mit Figuren verzierten bunten Kinder-Wolljacken aus Peru sehr schwer, obwohl sich selbst Hund «Sally» aufmerksam beteiligte.

Beim Anblick der von Asiaten angebotenen, dicht an dicht aufgehängten Schlabber-Hosen, Tunikas, Blusen, Jupes, wähnte ich mich mitten auf dem Mercato settimanale in Cecina: Die Qualität hier wie dort eher fragwürdig, i prezzi italiane allerdings um einiges verlockender, als die in Schweizer Fränkli.

Internationale Kulinarik

Ungarn war mit süssen Baumstriezeln vertreten, Afghanistan mit Teigtaschen, Reis, Gemüse, Lammspiessen. Der Damenturn-Verein bot zum Kaffee verführerische selbst gemachte Schwarzwälder-, Quark- Schoggi- Rüeblitorten an. Beim Oswald konnte man probeweise Bouillon schlürfen – gar nicht schlecht als Ausgleich zu den verlorenen Schweiss-Bächen. Aber nein! Niemand hat sich wegen der Hitze beklagt, im Gegenteil: Es herrschte Friede, Freude, Sommerwonne.