Er gilt als ausgerottet: Fischadler gesichtet

Schon zweimal wurde der Vogel im Auenschutzgebiet «Chly Rhy» in Rietheim im Verlauf des Monats dokumentiert.

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Seit 100 Jahren brütet der Fischadler nicht mehr in der Schweiz. Das ändert sich womöglich.

Seit 100 Jahren brütet der Fischadler nicht mehr in der Schweiz. Das ändert sich womöglich.

Bild: Keystone

Der Fischadler wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz als Brutvogel ausgerottet. Jetzt wurde der grosse Greifvogel schon zum zweiten Mal im Verlauf eines Monats gesichtet: im Auenschutzgebiet «Chly Rhy» in Rietheim.

«Zum letzten Mal als Geschäftsführer melde ich mich mit einer sehr positiven Nachricht», teilt Johannes Jenny mit, bis gestern Geschäftsführer der Umweltorganisation Pro Natura Aargau. «Ein Fischadler wurde in einem der schönsten Aargauer Auengebiete beobachtet.» Dem faszinierenden, gefiederten Fischer gehe es europaweit besser und Pro Natura Aargau hoffe, dass er in den nächsten Jahren in den renaturierten Auen nach über 100 Jahren wieder brüte.

Der grosse Greifvogel ernährt sich hauptsächlich von Fischen und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz als Brutvogel ausgerottet. «In Deutschland und Frankreich entwickeln sich die Bestände jedoch sehr erfreulich, sodass es gut möglich ist, dass der Fischadler dereinst auch in Rietheim wieder ansässig wird», schreibt Pro Natura. «Das ist ein schöner Lohn für unsere Arbeit», freut sich auch Matthias Betsche, der heute das Amt des Geschäftsführers von Johannes Jenny übernimmt. Der in Rietheim gesichtete Zugvogel wird in Deutschland geschlüpft sein und ist wohl unterwegs in den Mittelmeerraum oder weiter nach Afrika.

Bis jetzt hat sich der Fischadler nicht wieder als Brutvogel in der Schweiz niedergelassen, doch Lebensräume wie die Auen in Rietheim könnten durchaus besiedelt werden. «Ein Faktor ist der Mangel an geeigneten Nistgelegenheiten», heisst es in der Mitteilung weiter. «Hohe Bäume fehlen oft in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern. Vor allem sind diese Adler jedoch empfindlich auf Störungen in der Nähe des Brutplatzes.» Pro Natura Aargau könne sich die Anbringung einer Anzahl geeigneter Nisthilfen im Auengebiet «Chly Rhy» vorstellen, so Matthias Betsche. «Diese können in den ruhigeren Bereichen des Chly Rhy montiert werden.»

Die Sichtung beweise: «Renaturierung lohnt sich»

Der neue Geschäftsführer von Pro Natura Aargau ist überzeugt: «Der Fischadler ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich Renaturierungen lohnen.» Das Schutzgebiet «Chly Rhy» habe nach 15 Jahren Überzeugungsarbeit und Planung gemeinsam mit dem Kanton realisiert werden können. «Normalerweise brüten junge Fischadler rund 50 Kilometer vom Ort entfernt, wo sie einst geschlüpft sind», sagt Matthias Betsche und fügt an: «Da wäre die renaturierte Aue bei Sins-Reussegg der richtige Ort für den übernächsten Ausbreitungsschritt.» (az)

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