Bad Zurzach
Virus muss dran glauben: Fasnächtler verbrennen an der «Lätschete» für einmal nicht den Prinzen

Bad Zurzach musste trotz Corona nicht ganz auf seinen traurig-schönen Fasnachtsbrauch verzichten: Der Anlass war zwar offiziell abgesagt, eine kleine, fünfköpfige Trauergemeinde hat aber am Aschermittwoch dennoch geheult.

Stefanie Garcia Lainez
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Die «Lätschete» zu Zeiten von Corona: Eine fünfköpfige Gruppe hat sich trauernd vom Virus verabschiedet.

zvg/Manuel Vogler

Zwar sagte das Fasnachtskomitee Fläckegeischter bereits im vergangenen November die offizielle «Lätschete» ab. Eine kleine Delegation aller Fasnachtscliquen hat am Aschermittwoch in Bad Zurzach trotzdem eine kleine Trauerfeier veranstaltet – ganz coronakonform nur zu fünft und mit genügend Abstand.

Bei der «Lätschete en miniature» musste aber nicht Prinz Karneval dran glauben, sondern das Coronavirus. Ein Sänklochfäger, zwei Mitglieder der Se Barzlis, ein Schnitzelbänkler des Cabaret Sauvignon und der Fasnachtspfarrer marschierten mit Trompeten, einem Sousaphon, einer Pauke und Rollstuhl statt Bahre durch den Flecken.

Beim traurig-schönen Fasnachtsbrauch wird üblicherweise Prinz Karneval am Aschermittwoch jeweils verbrannt – der dieses Jahr ein Virus auf den Schultern hatte. Fasnachtspfarrer Götz von Pfauenauge hielt auf dem Münsterplatz eine Trauerrede. Das Schniefen, Heulen und Wehklagen der zahlreichen, schwarz gekleideten Heulweiber ist normalerweise weitum im Flecken zu hören. In diesem Jahr weinte die Fünfergruppe dafür umso lauter.

Nach der Rede des Pfarrers setzte sich der Trauerumzug in Bewegung und marschierte durch Bad Zurzach, angeführt von den «Lattesagern». Auf der Rheinbrücke hiess es schliesslich Abschiednehmen. Der Schnitzelbänkler hielt seine letzte Rede:

Es Jahr kei Fasnacht, das isch bitter!
Um oisi Psyche stahts fang schitter.
Grad mir Bänk sind arg betroffe.
Und händ us Frust drum s Doppled gsoffe.
No meh so Jahr, dänn wirdi stinkig.
Und hol mer bald bir Exit d Impfig!

Danach nahm der Fasnachtspfarrer mit Sprit die letzte Ölung vor, die Überreste des Virus wurden aufgespiesst und über das Brückengeländer gehalten, wo sie der Pfarrer anzündete. Nach kurzer Zeit des Loderns wurde die brennende Figur dem Rhein übergeben. Auf die traditionelle Fasnachtsparty im Gemeindesaal musste die Trauergemeinde dieses Mal wegen der Pandemie verzichten.