Bad Zurzach
Eishockey-Tempel steht bald im Aargau: Das grösste temporäre Stadion der Welt wird als Industriehalle neu aufgebaut

Keine Einwendungen gegen das 8,25 Millionen Franken teure Projekt: Das imposante Patinoire de Malley 2.0 diente während zwei Saisons dem NLA-KLub Lausanne HC als temporäres Heimstadion – und erhält nun in Bad Zurzach einen neuen Standort.

Stefanie Garcia Lainez
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Während die Vaudoise Aréna gebaut wurde, trugen die Eishockeyaner des Lausanne HC im Patinoire de Malley 2.0 ihre Heimspiele aus.

Während die Vaudoise Aréna gebaut wurde, trugen die Eishockeyaner des Lausanne HC im Patinoire de Malley 2.0 ihre Heimspiele aus.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Zwei Saisons lang spielte der Lausanne Hockey Club (HC) im Patinoire de Malley 2.0. Das gemäss Erbauer grösste temporäre Eisstadion der Welt bot 6700 Zuschauern Platz. Nachdem der NLA-Klub im Herbst 2019 seine neue Vaudoise Aréna einweihte, fanden im Januar 2020 die Olympischen Jugend-Winterspiele in der Halle statt. Danach wurde sie abgebaut und zwischengelagert.

Nun wird die 96 Meter lange, 66 Meter breite und 17 Meter hohe Halle für 8,25 Millionen Franken im Sodi Industriepark in Bad Zurzach wieder aufgebaut. Gegen das entsprechende Baugesuch sind keine Einwendungen eingegangen, wie die Bauverwaltung auf Anfrage mitteilt.

Ein Zufall brachte die Halle ins Zurzibiet

Dass die imposante Halle «Malley 2.0» als «Halle 22» ausgerechnet im Flecken einen neuen Standort erhält, ist dem Zufall zu verdanken. «Der Abbruchunternehmer von Lausanne kam auf uns zu», sagt Michael Odenwald, CEO der Sodi Industriepark AG. «Er sagte, wir hätten doch so viel Platz und es täte ihm innerlich weh, diese schöne, praktisch neue Halle abzureissen und auf den Müll zu werfen.» Gleichzeitig hatte Michael Odenwald Anfragen von potenziellen Mietern. «Aber keinen freien Hallenplatz.» Dass es gegen das Projekt keine Einwendungen gab, überrascht ihn nicht. «Die Halle wird innerhalb unseres Areals aufgebaut, ohne direkte, externe Nachbarn», sagt er.

Die frühere Eishockey-Halle wird im hinteren Teil des Sodi Industrieparks in Bad Zurzach wieder aufgestellt.

Die frühere Eishockey-Halle wird im hinteren Teil des Sodi Industrieparks in Bad Zurzach wieder aufgestellt.

zvg/Michel Jaussi

Schon bald soll es mit dem Wiederaufbau losgehen: «Der Generalunternehmer steht bereits in den Startlöchern», so Odenwald. Mit dem Bau werde sofort gestartet, wenn die Baugenehmigung vorliege. «Spätestens bis zum 1. April 2022 soll die Halle bezugsbereit sein.»

Weiteres Millionen-Projekt bereits in der Pipe-Line

Diese wird so unterteilt werden, dass sie zwei Mietern zur Verfügung steht. Welche diese sind, dürfe noch nicht bekannt gegeben werden. Auf dem Dach des Stahlbaus ist eine Fotovoltaikanlage vorgesehen. Der damit produzierte Strom wird im Sodi Industriepark verbraucht. Der Technikraum, ein Kühllager und eine chemische Verarbeitung sind im Untergeschoss der neuen Industriehalle geplant.

Zurzeit befinden sich rund 30 Unternehmen mit insgesamt 200 Arbeitnehmenden auf dem Areal.

Zurzeit befinden sich rund 30 Unternehmen mit insgesamt 200 Arbeitnehmenden auf dem Areal.

Alex Spichale

Bald soll ein weiteres Baugesuch für ein Projekt auf dem Industriepark folgen. Die Circular Industries Gruppe will im Bezirkshauptort nachhaltige Chemikalien aus gebrauchtem Speise- und Frittieröl entwickeln und produzieren. Diese sollen in der pharmazeutischen sowie in der Halbleiter- und die Mikrochip-Industrie auf Erdöl basierte Stoffe wie Isopropanol und Azeton ersetzen. Die Gruppe will dafür insgesamt 90 Millionen Franken in ihren neuen Forschungs- und Entwicklungs- sowie Produktionsstandort investieren. Rund 80 neue Arbeitsplätze sollen so im Sodi Industriepark entstehen.

Aktuell grösste Halle stand schon an Landesausstellung

Es ist bereits die zweite Halle, die auf dem Areal wieder aufgebaut wird. Die Schweizerische Sodafabrik mit Sitz in Zurzach liess gemäss der Regionalzeitung «Botschaft» eine Maschinenhalle der Landesausstellung von 1914 wieder aufbauen und zur Fabrikhalle umfunktionieren. Bereits im Sommer 1916 startete die «Sodi», wie die Sodafabrik Zurzach im Volksmund bald genannt wurde, mit der Produktion – nach nur anderthalb Jahren Bauzeit. Noch heute ist diese Halle das mit Abstand grösste Gebäude im Sodi Industriepark, wenn auch leicht modifiziert.

Im Mai 1922 wurden alle Aktien der Schweizerischen Sodafabrik auf die Firma Solvay & Cie übertragen. 2004 stellte die Solvay (Schweiz) AG ihre Produktion ein und musste die Zahl der Mitarbeitenden innerhalb von zwei Jahren von 135 auf 34 reduzieren. 2014, beim 100-Jahre-Jubiläum, wurden in Bad Zurzach nur noch ein Lager mit in Frankreich, Italien und Deutschland hergestellten Produkten sowie eine Verwaltungs- und Verkaufsabteilung betrieben.

Der Namen am Gebäude erinnert noch an die Vergangenheit, als der Sodi Industriepark im Besitz der Solvay (Schweiz) AG war.

Der Namen am Gebäude erinnert noch an die Vergangenheit, als der Sodi Industriepark im Besitz der Solvay (Schweiz) AG war.

Alex Spichale

Damals beschäftigte die Solvay (Schweiz) AG 25 Personen. Im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass die Solvay das Areal mit 30 Unternehmen und rund 200 Mitarbeitenden dem Sodi Industriepark AG verkauft hatte. Heute ist der Konzern nicht mehr im Flecken präsent.

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