Bad Zurzach
An der Foto-Ausstellung zeigen die Absolventen den speziellen Blick fürs Detail

Krönung und grösster Ansporn für die Absolventinnen und Absolventen der einjährigen Fotoschule im Geschichtenhaus Hirschli ist die Ausstellung ihrer schönsten Bilder in der Bad Zurzacher Galerie Mauritiushof.

Ursula Burgherr
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Fotoausstellung Hirschli Bad Zurzach
3 Bilder
Die Kirchlibuck-Kapelle aus ungewöhnlicher Optik von Irène Saugy.
Rolf Hess mit einem Hutstapel.

Fotoausstellung Hirschli Bad Zurzach

Ursula Burgherr

«Ein Bild muss eine Geschichte erzählen» ist einer der wichtigsten Leitsätze, die Marcel Grubenmann seinen Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gibt. Technisches Rüstzeug wie Belichtungszeit, Blende und Tiefenschärfe ist zwar hilfreich und wird in der Fotoschule im Hirschli auch gelernt; viel wesentlicher für ein gutes Foto ist aber der Blick für besondere Momente und speziellen Perspektiven.

«Ich schaue meine Umgebung heute ganz anders an», meint Iréne Saugy aus Bad Zurzach, die den Kurs bereits das zweite Mal besuchte, «früher stand ich vor ein Motiv und knipste drauflos; heute suche ich spezielle Blickwinkel und Details, die Spannung erzeugen.» So hat sie ihr Sujet, die Kapelle Kirchlibuck, nur verschwommen in der Ferne abgelichtet, scharf im Vordergrund ist eine knallgelbe Blume zu sehen. Diese ungewöhnliche Optik lässt den Betrachter vor dem Bild stehen bleiben und staunen. Ziel erreicht.

Das Bauchgefühl ist wichtig

Überhaupt entdeckt man den Ort dank der ausgestellten Werke in der Galerie Mauritiushof völlig neu. Thema der Fotoschule 2013 im Hirschli war «Geschichte(n) in Bad Zurzach». Es galt, die emotionale Verbindung zwischen Historie und Gegenwart auf eine zweidimensionale Ebene zu transportieren. Dafür mussten sich die Teilnehmenden einiges einfallen lassen.

Das Haus des Eisenwarenladens Bächli spiegelt sich auf einem roten Autoverdeck; durch ein Fensterkreuz ist verschwommen die reformierte Kirche auszumachen. Ein Spiegel, der auf den Boden liegt, reflektiert die Umrisse des Verenamünsters. Die Krypta der heiligen Verena, Wasserräder der Barzmühle, das Tor zum Schloss Bad Zurzach oder einfach der Hahn eines Brunnens . . . jedes – auch noch alltägliche – Sujet fasziniert, weil es mit Unschärfen oder unkonventionellen Vordergründen eigenwillig in Szene gesetzt wurde.

«Für ein gutes Foto braucht es viel Bauchgefühl. Das kann man mit Technik nicht aufwerten», bestätigt Kursteilnehmer Andreas Moser aus Oftringen, der unter anderem ein Bild durch die vergitterten Fenster des Bezirksgefängnisses machte und das Verenamünster zur blauen Stunde ablichtete.

Strenge aber lehrreiche Schule

«Ich bin streng mit meinen Schülern», gibt Grubenmann zu, der als «Hoffotograf» von Roger Federer bekannt wurde und auch dieses Jahr wieder einen Fotokurs im Geschichtenhaus Hirschli geben wird. «Wenn ein Bild nicht gut ist, sage ich das auch.» Die Schüler müssen eine Aufnahme oft mehrmals machen, bis sie der Lehrmeister als gelungen befindet. Während des Kurses wird ein Manual mit praktischen und oft verblüffend einfachen Tipps erarbeitet.

«Die Ausstellung in der Galerie Mauritiushof ist der Höhepunkt des Jahres», meint Steven Schneider, der den Lehrgang mit Sybil Schreiber zusammen im Geschichtenhaus Hirschli durchführt. «Die Teilnehmenden gingen zwar durch eine strenge Schule, aber genau das befähigt sie heute zu den überraschenden, aussergewöhnlichen und mutigen Fotos, die sie hier präsentieren.»

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