Vorstoss

Ständerat Knecht doppelt nach: Bundesrat soll Rheintalstrecke für Personenverkehr ausbauen

Zwischen Koblenz und Laufenburg fahren seit 25 Jahren nur noch Güterzüge.

Zwischen Koblenz und Laufenburg fahren seit 25 Jahren nur noch Güterzüge.

Im vergangenen Jahr machte Hansjörg Knecht als Nationalrat die Rheintalstrecke auf Bundesebene zum Thema. Jetzt doppelt er als Ständerat nach. Die Forderung: Die Bahnlinie Winterthur-Koblenz-Basel soll wieder für den Personenverkehr geöffnet werden.

Hansjörg Knecht lässt in Sachen Rheintalstrecke nicht locker. Auf der Bahnlinie von Winterthur nach Basel sollen nebst Gütern auch wieder Personen befördert werden. Vor einem Jahr wollte der damalige SVP-Nationalrat vom Bund wissen, wie weit die Planung in Sachen Elektrifizierung der deutschen Hochrheinstrecke Basel-Erzingen fortgeschritten ist. Das Geld soll lieber in der Schweiz statt in Deutschland investiert werden, so der Leibstädter.

Nun doppelt er im Ständerat mit einem Postulat nach. Der Bundesrat wird darin aufgefordert zu prüfen, wie ein Ausbau der Strecke Winterthur-Koblenz-Basel realisiert werden kann.

Vor über 25 Jahren wurde der Streckenabschnitt Laufenburg-Koblenz stillgelegt; auf der einspurigen Strecke verkehren seither streckenweise nur noch Güter-, aber keine Interregio-Züge. Das soll sich nach Ansicht mehrerer Kantons- und Bundesparlamentarier, den beiden Planungsverbänden Fricktal Regio sowie Zurzibiet Regio und der in Bad Zurzach beheimateten «Arbeitsgemeinschaft Pro WiBa» ändern.

Zeitgewinn und Entlastung der Hauptverbindungen

Neben einer Stärkung der Regionen erwarten sie von der Wiedereröffnung auch einen Zeitgewinn für Reisen von Winterthur nach Basel und eine Entlastung der heute stark ausgelasteten Linien durch den Bözberg und den Heitersberg. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Vorstösse im Gross- und Nationalrat. Den Initianten ein Dorn im Auge ist, dass der Bund sich finanziell am Ausbau der Hochrheinstrecke auf deutscher Seite beteiligt.

Für Massnahmen für grenzüberschreitende Angebote waren ursprünglich 100 Millionen Franken vorgesehen, das Parlament verdoppelte dies auf 200 Millionen Franken. Welcher Betrag daraus für die Hochrheinstrecke auf deutscher Seite ist, müsse ein Staatsvertrag regeln, schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf Knechts Interpellation vom vergangenen Sommer. Der Ausbau der Strecke auf Schweizer Seite lohne sich finanziell nicht.

Studie widerspricht dem Bundesrat

Dem widerspricht eine Studie von zwei Studenten der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften vom vergangenen September. Die ausgewerteten Daten zeigen, dass mit der geforderten Strecke ein verhältnismässig grosses Nachfragepotenzial abgedeckt würde. Gleichzeitig wären die Investitionen für die Wiederinbetriebnahme der Verbindung entlang des Rheins nicht übermässig hoch. Ständerat Hansjörg Knecht fordert deshalb in seinem jetzt eingereichten Postulat, der Bundesrat solle aktuelle Studien wie diese berücksichtigen. Ziel müsse der Ausbau der Strecke Winterthur-Koblenz-Basel für den schnellen Personenverkehr sein, schreibt er in seinem Vorstoss.

Der Bundesrat soll zudem prüfen, welche Massnahmen nötig sind, um diese Strecke als Entlastungs- und Redundanzstrecke zu den Hauptverkehrsachsen Zürich-Brugg/Olten-Basel zu etablieren. Zudem sollen konkrete Reisezeiten verglichen werden. Auch die regionale Arbeitsplatz- und Bevölkerungsentwicklung müsse in die Überlegungen einfliessen, so Knecht.

Ausbau der Rheintalstrecke auf deutscher Seite zieht sich hin

«Das Projekt auf der deutschen Seite kommt nur schleppend voran und zieht sich bereits seit einigen Jahren hin», schreibt der Ständerat in seinem Postulat. «Für die betroffenen Regionen ist dieses Vertrösten nicht mehr hinnehmbar, zumal der weitere Ausbau auf deutscher Seite immer noch unsicher ist.» Stattdessen solle nun konsequent auf der Schweizer Seite ein Ausbau geplant werden.

«Darüber hinaus sind unsere zentralen Eisenbahninfrastrukturen chronisch überlastet und stossen immer mehr an Grenzen.» Es brauche mutige dezentrale Ausbauvorhaben, um in Zukunft wieder mehr Belastbarkeit und Krisenresistenz der Systeme zu gewährleisten. «Ansonsten wird man ewig die dezentralen Regionen der Schweiz zu Gunsten der eh schon überforderten Ballungsgebiete vernachlässigen.»

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