Leichenfund

Auch nach fünf Jahren: Der Tötungsfall von Waldshut ist noch immer ungeklärt

Im Dezember 2014 wurde in Waldshut-Tiengen, unweit der Schweizer Grenze, eine zerstückelte Frauenleiche in einem Plastiksack gefunden. Bis heute ist der Fall ungelöst.

Ein Spaziergänger entdeckte am 7. Dezember 2014 in Waldshut-Tiengen ennet der Schweizer Grenze zum Zurzibiet einen Plastiksack, aus dem Verwesungsgeruch drang. Er verständigte die Polizei, die in dem Beutel eine zerstückelte Frauenleiche sicherstellte. Kopf, Arme und Beine fehlten.

Die Identität der Frau war zunächst unklar. Niemand hatte sie als vermisst gemeldet. Später stellte sich über einen DNA-Abgleich heraus, dass es sich um eine damals 36-jährige Aussiedlerin aus der ehemaligen Sowjetunion handelte, die 100 Meter unterhalb der Fundstelle in einer städtischen Sozialwohnung gelebt hatte. Bis heute ist der Fall ungeklärt.

Die Staatsanwaltschaft in Waldshut hatte für Hinweise, die zum Täter führen, eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt. Um den Fall zu lösen, wurde eine 34 Beamte zählende Sonderkommission der Polizei gebildet. Drei Monate nach dem Fund der Frauenleiche wurde ein damals 63-jähriger Mann aus dem Raum Waldshut-Tiengen als dringend tatverdächtig ausserhalb des Landkreises festgenommen.

Er bestritt die Tat. Obwohl bei der Obduktion keine Todesursache festgestellt werden konnte – die Leiche hatte mehrere Wochen im Freien gelegen und war entsprechend verwest – gingen die Ermittler aufgrund der Gesamtumstände jedoch von einem Verbrechen aus. Das deutsche Strafgesetzbuch sieht für Mord keine Verjährung vor; bei Totschlag beträgt die Verjährung je nach Schwere des Falls 20 oder 30 Jahre.

Knapp sechs Monate nach seiner Festnahme wurde der Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen. Im August 2015 teilte das Landgericht Waldshut-Tiengen mit, dass gegen den damals 63-Jährigen mangels Beweisen kein Hauptverfahren eröffnet werden könne.

In der Begründung hiess es unter anderem: «Die Besonderheit und Schwierigkeit des Falls lag vor allem darin, dass sich die Verdachtsmomente ausschliesslich auf Indizien gründeten, die verschiedenen Schlussfolgerungen zugänglich waren.» Welche Indizien aus Sicht der Ermittler für einen dringenden Tatverdacht sprachen, wurden von der Polizei und der Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nie im Detail preisgegeben.

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