Schöftland
Wegen Gartenbauschule: Frauenverein verlässt Verband

Der Frauenverein präsentierte an der Generalversammlung den neuen Vorstand.

Peter Weingartner
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Der neue Vorstand: Beatrice Ryter, Josy Häuselmann, Trudi Rössler, Renate Leuen-berger und Hedy Fischer (v. l.).

Der neue Vorstand: Beatrice Ryter, Josy Häuselmann, Trudi Rössler, Renate Leuen-berger und Hedy Fischer (v. l.).

Peter Weingartner

Der Gemeinnützige Frauenverein Schöftland und Umgebung tritt aus dem Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenverein (SGV) aus. 70 Frauen folgten an der Generalversammlung dem Antrag des Vorstands, 13 enthielten sich der Stimme. Vergeblich hatte Dorothée Kuhlmann, die einzige Person, die im Dachverband verbleiben wollte, an die Versammlung appelliert, diesen Schritt nicht zu tun. Ihre Argumente: Rechtsbeistand, Ausbildungskurse für Vorstandsmitglieder, Reka-Checks mit 20 Prozent Einschlag. Auch habe der Verband mehr Gewicht im Einsatz für Frauenanliegen wie gleichen Lohn für gleiche Leistung.

Das Pièce de Résistance, das wurde schnell deutlich, ist die Schliessung des Berufsbildungszentrums Niederlenz (ehemals Gartenbauschule) durch den SGV im letzten Jahr. Trudi Rössler, die das Traktandum erläuterte, wies auf den Wert dieser Ausbildungsstätte für Jugendliche mit Lernschwächen hin: Topfpflanzen- und Landschaftsgärtner konnten dort in angepasstem Rahmen ihren Eidgenössischen Fähigkeitsausweis erlangen, also eine Lehre absolvieren, oder sich zur Bekleidungsgestalterin (ehemals Schneiderin) ausbilden lassen.

Das Berufsbildungszentrum Niederlenz (ehemals Gartenbauschule) schloss im Mai 2018 nach 112 Jahren für immer.

Das Berufsbildungszentrum Niederlenz (ehemals Gartenbauschule) schloss im Mai 2018 nach 112 Jahren für immer.

Sandra Ardizzone

«Das Herz blutete»

Der Hintergrund der Schliessung: finanzielle Probleme des SGV. Laut Trudi Rössler habe man zu wenig Rückstellungen für Renovationen getätigt, aber auch keine Alternativen gesucht. Dies bei zwei Millionen Franken Hypothekarschulden. An der ausserordentlichen Generalversammlung des SGV hätten nicht alle reden dürfen, und zudem hätten die Aargauer Delegierten verteilt sitzen müssen, worauf eine Mehrheit das Ende dieses Zentrums beschloss. Trudi Rössler: «Das Herz blutete.» Zumal die Sektion Schöftland unter der damaligen Präsidentin Dorothée Kuhlmann auch für das Ende des Berufsbildungszentrums gestimmt habe.

Die kurze Diskussion machte klar, wie die Stimmung ist. So meinte eine Frau, das Wort «gemeinnützig» lege doch nahe, eine wertvolle Ausbildungsstätte für Lernschwache und deren Eltern zu unterstützen. Trudi Rössler wies noch darauf hin, dass der Verein pro Jahr 1300 Franken (vier Franken pro Mitglied) besser einsetzen könne, als für «Tagungen und Geschäftsführung des SGV». Und ein späterer Wiederbeitritt sei jederzeit möglich.

Vorstand wieder komplett

Die Versammlung wählte nach einem Jahr des Neubeginns mit zwei Vorstandsmitgliedern – Trudi Rössler und Beatrice Ryter – und einer 19-köpfigen Findungskommission einen neuen Vorstand: Hedy Fischer, Josy Häuselmann, Renate Leuenberger, Trudi Rössler und Beatrice Ryter.

Die Brocki hat 2018 103 000 Franken eingenommen und 109 000 Franken ausgegeben. Das Vermögen beträgt immer noch 90 000 Franken. Von der Arbeit der Brockifrauen profitieren Vereine, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auch Einzelpersonen (Einkaufsgutscheine). Unterstützt werden viele Institutionen von Frauenzentrale bis Väterhaus. Die Spitex erhielt für den Lehrling ein E-Bike. Und in der Brockenstube selber gabs neue Gestelle.

Die Babysitter-Vermittlung macht der Verein nicht mehr, dafür beteiligt er sich am Repair-Café, das am 6. April im Alterszentrum erstmals geöffnet ist. Um die Angst vor der Vorstandsarbeit etwas zu mindern, beträgt die Amtsdauer nun nur noch zwei statt vier Jahre.