Unterkulm
Verhasster Böhler-Kreisel steht vor dem Aus – diese Variante ist nun wieder im Spiel

Der Kanton, die Gemeinde und WSB informierten am Dienstag über das Strassenbauprojekt Böhlerknoten in Unterkulm. Die Variante T-Knoten mit Lichtsignalanlage wurde nach dem enormen Widerstand gegen die Kreisellösung nochmals geprüft.

Melanie Eichenberger
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Neue Variante für Böhlerknoten
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Auf der vom Kanton zur Verfügung gestellten Skizze ist die Variante T-Knoten abgebildet. Gelb die Kantons- und Böhlerstrasse mit der Tankstelle oberhalb der Hauptstrasse, der WSB-Haltestelle und dem Zentrumsgebäude rechts der Böhlerstrasse und dem Eisenwarengeschäft Elsasser (links).
Das ursprüngliche Projekt Böhlerknoten mit Kreisel und Schranken stiess auf grossen Widerstand.

Neue Variante für Böhlerknoten

Rahel Plüss

Der Widerstand gegen das ursprüngliche Projekt Böhlerknoten in Unterkulm hat sich gelohnt. Innert Rekordzeit haben sich Kanton, Gemeinde und Aargau Verkehr (WSB) geeinigt, neben der Kreisellösung (zweite Skizze) auch noch andere Varianten zu prüfen. Der T-Knoten (erste Skizze) ist wieder im Spiel.

Der Kantonsingenieur Rolf H. Meier höchstpersönlich informierte gestern über das weitere Vorgehen im Strassenbauprojekt «Sanierung Kantonsstrasse 242 / WSB-Eigentrassierung, Unterkulm». Gemeindeammann Emil Huber betonte: «Die Funkstille der letzten Monate bedeutet nicht, dass nicht gearbeitet wurde.» Es hätten mehrere Gespräche mit dem Kanton stattgefunden. Mittlerweile sei festgestellt worden, dass sich zurecht Widerstand formiert hatte. «Der Gemeinderat bedankt sich für die Unterstützung aus der Bevölkerung und Politik», so Huber.

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Knotenform war Hauptkritikpunkt

«Beim Projekt ‹Sanierung Kantonsstrasse 242 / WSB-Eigentrassierung› handelt es sich um zwei voneinander unabhängige Projekte, die ineinandergreifen und zusammen realisiert werden müssen», präzisiert der Kantonsingenieur. Die meisten Reaktionen hätten den Böhlerknoten betroffen. Insgesamt 81 Einwendungen und 32 Eingaben seien während der Auflage und der Anhörung eingereicht worden.

Hauptkritik: die Knotenform. So sollte ein T-Knoten anstatt eines Kreisels realisiert werden und die Einschränkung des Nord-/Süd-Verkehrs minimiert werden. Aber auch die Tunnellösung wurde angeregt. Oder dass die Bahn kein eigenes Trassee braucht und überhaupt keine Schranken nötig sind. Letzteres ist aufgrund der Auflagen des Bundesamtes für Verkehr nicht mehr möglich.

«Wir konzentrieren uns jetzt auf den Böhlerknoten», so der Kantonsingenieur. Für die Knotenform werden in den nächsten Monaten Studienaufträge mit Machbarkeitsüberlegungen durch Ingenieurbüros durchgeführt. Bis Herbst wollen die Projektbeteiligten eine Best-Variante evaluieren und anschliessend informieren.

Verkehrsfluss simuliert

Zur Auswahl stehen im Moment vier Varianten. Neben dem Auflageprojekt Kreisel, das fertig entwickelt ist, wurde nun die Variante T-Knoten mit Lichtsignalanlage nochmals geprüft. «Mit aufwendigen Simulationen haben wir die beiden Varianten verglichen», erklärte Rolf H. Meier. Dabei wurde der Verkehrsfluss während der Rushhour zwischen 16.30 und 18.30 Uhr nachgestellt. «In Spitzenzeiten ist der T-Knoten leicht besser als der Kreisel», so Meier. Mit einer T-Kreuzung würde der Nord-/Süd-Verkehr während der Bahnquerung nur teilweise eingeschränkt. «Die Aufstellfläche für das Linksabbiegen ist jedoch räumlich beschränkt», ergänzte Meier.

Heute weichen die Autofahrer, die Richtung Aarau fahren, auf das Trottoir aus. Dies sei in Zukunft nicht mehr möglich. Zudem sei die Zufahrt zur Tankstelle neben der Kirche bei der T-Knoten-Variante ebenfalls noch unklar. Und auch für das Ortsbild seien die grossen Masten für die Lichtsignalanlage gegenüber der Kreisel-Variante weniger attraktiv.

In der ersten Projekt-Skizze für den T-Knoten wurden die bestehenden Rahmenbedingungen nicht hinterfragt. Dies sind die angrenzende denkmalgeschützte Kirchenmauer oder die Tankstelle direkt an der Hauptstrasse. «Falls es zur Variante T-Knoten kommt, müssten die Rahmenbedingungen hinterfragt werden», sagte der Kantonsingenieur. Insbesondere der Tankstellen-Standort sei nicht sakrosankt, so Gemeindeammann Emil Huber. «Gespräche wurden aber noch keine geführt.» Bei beiden Projekten wäre der Baubeginn erst in drei bis vier Jahren realistisch und auch der Kostenrahmen von 22 Millionen Franken bleibt ungefähr gleich.

Untertunnelung wahnsinnig teuer

Neben diesen beiden Varianten wird auch ein neues Projekt, das nur die Bahnsicherung betrifft, geprüft. Die Federführung bei einem vom Strassenprojekt losgelösten Vorhaben läge jedoch beim Bund. Hier könnten Kanton und Gemeinde nicht mitbestimmen. Die Kosten dafür werden auf fünf bis zehn Millionen geschätzt.

Die Untertunnelung für die WSB wird als langfristige Variante geprüft. Die Projektierung dafür nähme 20 Jahre in Anspruch und würde grob geschätzt zwischen 250 und 300 Millionen Franken kosten.