Reitnau
Aargauer Meeresschutzbiologin reicht Petition zur Vermeidung von Mikroplastik ein

Silvia Frey reicht am 16. Mai in Bern die von ihrer Organisation KYMA sea conservation & research lancierte online-Petition Mikroplastik-stoppen ein. Ihre Forderung, Mikroplastik zu reduzieren, erfuhr bereits im Vorfeld grosse Unterstützung – auch von politischer Seite.

Tania Lienhard, ZT
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Silvia Frey ist KYMA-Geschäftsleiterin und Meeresschutzbiologin, hin und wieder steuert sie die Yacht auch selber.

Silvia Frey ist KYMA-Geschäftsleiterin und Meeresschutzbiologin, hin und wieder steuert sie die Yacht auch selber.

ZT, zvg

Über 14'500 Unterschriften von besorgten Menschen, die Mikroplastik reduzieren wollen, sind bis Ende April bei der Organisation KYMA sea conservation & research eingegangen. Darunter von mehreren Parlamentarierinnen und Parlamentariern wie Balthasar Glättli, Präsident der Grünen Schweiz, und der SP-Nationalrätin Gabriela Suter. «Das ist eine schöne Anzahl», freut sich Silvia Frey, KYMA-Geschäftsleiterin und Meeresschutzbiologin aus Reitnau.

Gabriela Suter will Vorstoss im Parlament einreichen

Im Schreiben an Parlament und Bundesrat geht es um drei Forderungen zur Reduktion von Mikroplastik. Erstens: Ein Verbot von Mikroplastik und gelösten Polymeren (Kunststoffe) in Kosmetika, Reinigungs- und Waschmitteln. Zweitens: Der Einbau von Mikroplastik-Filtern in Waschmaschinen, um die unzähligen synthetischen Fasern, die von der Kleidung ins Abwasser gelangen, abzufangen. Drittens: Die Lancierung eines Forschungsprogramms zur Erarbeitung von Lösungen gegen Reifenabrieb bei Autos und Lastwagen.

Denn – was viele nicht wissen – Mikrogummi gehört zu den schlimmsten Mikroplastik-Verschmutzungsquellen überhaupt. Genau zu letzterem Punkt möchte Nationalrätin Gabriela Suter einen Vorstoss im Parlament einreichen. «Ich werde in der Sondersession im Mai versuchen, genügend Unterstützerinnen und Unterstützer für mein Anliegen zu finden. Ich werde Punkt drei der von KYMA eingereichten Petition dahingehend ergänzen, dass ich den Blick nicht nur auf den Reifenabrieb und das Mikroplastik legen möchte, sondern auch auf die toxischen Substanzen, die durch Pneus und den Strassenbelag freigesetzt werden – und auch giftig sind für uns Menschen», sagt Suter.

Gabriela Suter.

Gabriela Suter.

Alex Spichale

Mikroplastik befindet sich auch in Schweizer Gewässern

Mikroplastik findet sich überall: im Boden, in der Luft, aber auch in allen Schweizer Gewässern. Auch die Schweiz trägt damit über die Flüsse zur Verschmutzung der Meere und damit zur Gefährdung von Meerestieren bei. Das zeigt KYMA mit Bildern zur Petition, auf denen das Abwasser aus der Dusche oder dem Strassenablauf direkt in den Magen von Meerestieren fliesst.

Mikroplastik-Teilchen aus verschiedenen Quellen wären relativ einfach zu verhindern: Es gibt bereits gute Kosmetikprodukte und Waschmittel, die ohne Schadstoffe auskommen. Auch Filter für Waschmaschinen wurden schon entwickelt, man müsste sie nur noch kommerziell einsetzen. «Einzig beim Gummiabrieb von Pneus haben wir noch keine flächendeckenden Lösungen. Deswegen die Forderung von KYMA nach einem Forschungsprogramm», so Frey. Es geht ihrer NGO weniger darum, dass die Menschen auf etwas verzichten müssen, sondern vielmehr darum, umweltverträgliche Alternativen zu schaffen.

Auch in Schweize Gewässer ist Mikroplastik. Und dieses landet zuletzt im Meer und gefährdet dort Meerestiere.

Auch in Schweize Gewässer ist Mikroplastik. Und dieses landet zuletzt im Meer und gefährdet dort Meerestiere.

ZT, zvg

Nun ist die Politik gefordert

Das Thema Mikroplastik begegnet Silvia Frey tagtäglich bei ihrem Forschungsprojekt in Sizilien, bei dem sie das Vorkommen von Meerestieren untersucht. Mit einem speziellen Netz, dem Manta-Trawl, analysiert Frey dabei auch die Mikroplastik-Belastung des Wassers und findet kleinste Teilchen, die eben auch aus der Schweiz stammen. Ihre Aufnahme kann bei Meerestieren zu inneren Verletzungen, Entzündungsreaktionen und schliesslich zum Tod führen. Für Menschen ist Mikroplastik ebenfalls schädlich – die Forschungen dazu stehen noch am Anfang.

«Es ist an der Zeit, dass die Politik Massnahmen ergreift», sagt Frey. Weil sich Plastik so gut wie kaum abbaut, ist davon auszugehen, dass die allermeiste Masse der Millionen Tonnen Plastik, die jemals ins Meer gelangt ist, sich noch immer dort befindet. Eine erschreckende Vorstellung, die auch Gabriela Suter beunruhigt. Sie sieht die Chancen, dass es endlich politisch vorwärts geht, nicht schlecht. «Mikroplastik betrifft neben der Tierwelt auch die Menschen. Die Problematik ist bei uns im Parlament definitiv angekommen. Der Erfolg eines Vorstosses hängt nun vor allem davon ab, wie das Anliegen formuliert wird.»