Bezirksgericht Kulm
Schimmel, faulige Kräuter und verdorbene Herzkirschen: Ein hundsmiserabler Wirt

Das Bezirksgericht Kulm musste sich mit einem Türken befassen, der als Beizer fast alles falsch gemacht hatte. Er wurde schuldig gesprochen und muss 7000 Franken bezahlen.

Peter Weingartner
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Die Inspektionen des Amtes für Verbraucherschutz stellten etliche Sachen fest, die dem Restaurant im Wynental nicht zum Ruhm gereichen. (Symbolbild)

Die Inspektionen des Amtes für Verbraucherschutz stellten etliche Sachen fest, die dem Restaurant im Wynental nicht zum Ruhm gereichen. (Symbolbild)

Keystone

Mit Schimmel belegter Käse. Schmieriges und überriechendes Schweinefleisch in der Kühlschublade. Faulige Kräuter, verdorbene Herzkirschen in geöffneter Dose. Das ist nicht alles. Falschdeklaration von Poulet und Ente, fehlende Herkunftsangaben bei Fleisch und Fisch, fehlende Deklaration von mit Hormonen erzeugten Enten. Zu hohe Temperaturen in Kühlschrank und Kühleinheit. Alte Abfälle in der Küche.

So viel zum Essen, aber darüber hinaus stellten Inspektionen des Amtes für Verbraucherschutz etliche Sachen fest, die dem Restaurant im Wynental nicht zum Ruhm gereichen. Leere Handpapierspender, fehlende Seifenspender. Zu grosses Fumoir ohne selbstschliessende Türe zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich. Keine alkoholfreien Getränke, die billiger sind als das billigste alkoholhaltige, ein Halbliter Bier. Und auf dem Zigarettenautomaten lag, auch für Kinder und Jugendliche zugänglich, ein Beutel mit Jetons für den Automaten.

Gelungener Neustart als Take-away-Betreiber

Tarik (Name geändert), bald 40, muss der Betrieb des gepachteten Restaurants über den Kopf gewachsen sein. Das scheint er eingesehen zu haben, denn nun betreibt der Türke einen Take-away in einem benachbarten Bezirk. «Tipptopp, keine Beanstandungen», beschreibt er die Inspektionsberichte für diesen Betrieb.

Doch die zwei Jahre in der Wynentaler Beiz zeigen Spätfolgen: Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Busse von 10'000 Franken. Tarik steht zu den Fehlern, auch jenen des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, da er die geforderte umgehende Behebung der Mängel kaum angegangen sei. Es geht ihm um die Höhe der Busse: Er findet sie zu hoch.

Kollegen zu wenig kontrolliert

Das findet auch Kollege Kerim (Name geändert), 47, eingebürgerter Schweizer und im Gegensatz zu Tarik nicht auf eine Übersetzerin angewiesen. Kerim hat Tarik seinerzeit sein Wirtepatent gegeben, um ihm das Wirten zu ermöglichen, und er habe auch regelmässig vorbeigeschaut und ihm geholfen. Hat er seinen Kollegen zu wenig kontrolliert? Das sei wohl möglich; er sei eben auch ein paar Mal in den Ferien gewesen, sagt er.

Unvollständige Deklaration und Zigarettenjetons

In der Verhandlung vor Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs zeigt sich Tariks Überforderung. Manchmal seien die Enten aus Thailand gekommen, manchmal aus China, sagt er. Heute weiss er, er hätte auf der Speisekarte nicht nur Thailand schreiben sollen, sondern beide Länder, um der Deklarationspflicht nachzukommen.

Und die Jetons seien am Tag der Inspektion auf dem Zigarettenautomaten irrtümlich liegen geblieben, nachdem die Firma, der der Automat gehört, im Haus gewesen sei; normalerweise habe er die Jetons beim Buffet in einer Schublade versorgt. Nicht vorhanden waren bei der Inspektion auch die Leitlinien «Gute Verfahrenspraxis im Gastgewerbe». Ob Tarik sie verstanden hätte?

Mehrfache Widerhandlung gegen das Gesundheitsgesetz

In ihrem Urteil verweist Yvonne Thöny Fäs auf die strengen Schweizer Vorschriften. Sie spricht Tarik schuldig der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen, Widerhandlung gegen das Gastgewerbegesetz, mehrfache Widerhandlung gegen das Gesundheitsgesetz, des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen und der Widerhandlung gegen das Nationalstrassengesetz durch Benützung einer Nationalstrasse ohne gültige Vignette.

Höhe der Bussen etwas verringert

Auch Kerim hat mehrfach gegen das Bundesgesetz über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände verstossen, widerhandelte gegen das Gesundheitsgesetz und machte sich des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig. Es sei ihm offenbar nicht gelungen, als übergeordnet Verantwortlicher (Patentgeber) seine Kontrollaufgabe nachhaltig wahrzunehmen.

Eines haben Tarik und Kerim erreicht: Die Bussen wurden etwas reduziert. Tarik muss 7000 Franken bezahlen plus die Verfahrenskosten. Nachdem Kerim bereits 5000 Franken bezahlt hat (Akzeptieren eines ersten Strafbefehls), ist er dem Staat noch 2000 Franken plus die Verfahrenskosten schuldig.