Reinach
Maler, Zeichner, Illustrator, Poet, Komponist: So vielseitig war Paul Eichenbergers Kunst

Eine Schenkung bringt Paul Eichenbergers breites Werk, Klavierpartitur inklusive, ins Reinacher Museum Schneggli.

Peter Weingartner
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René Fuchs, Marcel Fricker und Ursula Rösch vor einem Bild, das an Giovanni Segantini erinnert.

René Fuchs, Marcel Fricker und Ursula Rösch vor einem Bild, das an Giovanni Segantini erinnert.

Peter Weingartner

Glück verpflichtet! Dank eines Geschenks der Familie des Beinwiler Künstlers Paul Eichenberger (1891 bis 1984) kommt die Vereinigung Museum Schneggli in den Besitz eines umfangreichen Nachlasses. Statt die Werke in der Unterwelt des Saalbaus gut zu lagern – von einem Depot ins andere –, hat sich die Vereinigung entschlossen, die Welt des Paul Eichenberger der Bevölkerung zugänglich zu machen. Entstanden ist keine Verkaufsausstellung – Geschenke verkauft man nicht –, sondern vielmehr eine Werkschau, welche die Breite von Eichenbergers Schaffen abbildet.

Als «Universalbegabung, vielseitig und fleissig» bezeichnet Ursula Rüesch von der Vereinigung Museum Schneggli den Künstler, dessen Eltern früh starben und der bei den Grosseltern mütterlicherseits aufwuchs, bei Zigarrenfabrikant Erismann. Paul Eichenberger hat vor allem, aber nicht ausschliesslich in der Malerei und ihren verschiedenen Ausprägungen Spuren hinterlassen; er hat auch geschrieben und komponiert. So findet man in der Ausstellung die Noten einer Klaviersonate, aber auch ein Schnitzelbank-Leporello, wo sich Poesie und Zeichnungen treffen.

Auch Kirchenfenster sind Teil der Ausstellung

Überhaupt: Die Ausstellung im Museum Schneggli erlaubt Entdeckungen. Dabei wird die Breite von Eichenbergers Schaffen durchaus geordnet gezeigt, doch das Schmunzeln liegt im Detail. Ebenso das Staunen ob der Vielseitigkeit des Künstlers. Man darf in Büchlein blättern, wo man Karten für Weihnachten, Geburten oder Hochzeiten in verschiedenen Techniken sehen kann. Oder personalisierte Ex-Libris, Buchzeichen. Und Bilder, zum Teil Holzschnitte, für die Konfirmation. Oder die Aargauer Lesefibel aus dem Jahr 1927, die Eichenberger illustriert hat. Stillleben.

Die Sammlung umfasst naturgemäss auch Skizzen, Studien für grössere Werke, die noch heute zu sehen sind: Kirchenfenster in Reinach, Beinwil, Gontenschwil und Niederlenz. Kleinere Glasmalereien sind Teil der Ausstellung; auch die Staffelei des Malers steht im Schneggli.

Besonders eindrücklich sind die Porträts, und möglicherweise entdecken sich ältere Damen aus der Region als Mädchen, erinnern sich an lange Sitzungen? Meisterhaft, diese Bilder, aber nicht verwunderlich, hat Eichenberger doch in München die Akt- und Porträtmalerei à fond studiert.

Nicht fehlen dürfen Landschaften, oft ist es das Seetal, zuweilen aber auch das Berner Oberland, wo die Familie zeitweise lebte. Eichenberger hat auch ein Panoramabild vom Homberg aus gezeichnet. Und ein Bild mit Wiese samt Mädchen, Schneebergen und Wolken erinnert stark an Segantini.

Wer Paul Eichenbergers Werk in seiner ganzen Tiefe entdecken will, hat dazu Gelegenheit jeweils sonntags von 13.30 bis 17 Uhr, und zwar am 21. und 28. November sowie am 5. und 12. Dezember.

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