Menziken
Wegen Sanierungen oder der Angst vor Corona verlieren Fledermäuse ihren Unterschlupf: 40 Kästen sollen Abhilfe schaffen

Kleine Häuschen aus Beton und Holz bieten im Menziker Wald neue Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse. Ursprünglich kommt die Idee aus Deutschland.

Natasha Hähni
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Neues Daheim: Im Sommer und im Herbst wird dokumentiert, wie viele Fledermäuse vom neuen Angebot gebrauch gemacht haben.

Neues Daheim: Im Sommer und im Herbst wird dokumentiert, wie viele Fledermäuse vom neuen Angebot gebrauch gemacht haben.

Zvg

Im Wald um Menziken hängen neuerdings 40 schwarze Beton-Kästen an Bäumen. Verteilt auf zwei Standorte sollen sie Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse bieten. «Im Siedlungsraum gehen diese Möglichkeiten massiv zurück», erklärt Barbara Eichenberger, Co-Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Menziken-Burg. Zusammen mit dem Forstamt aargauSüd und Andres Beck, dem kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten, hat der Verein das Projekt ins Leben gerufen.

Neben Lichtverschmutzung und weniger Biodiversität (vor allem bei Insekten) stellen Eichenberger zufolge auch Gebäudesanierungen ein grosses Problem für Fledermäuse dar. Mit diesen würden den Fledermäusen Wohnraum weggenommen werden. «Hinzu kommt, dass einige Menschen die Fledermäuse aus Angst vor Corona nicht mehr in ihr Haus lassen», so Eichenberger.

Diese Angst sei jedoch übertrieben. Wie Andres Beck erklärt, seien noch vor Corona Fledermäuse aus der Region im Veterinärmedizinischen Institut in Zürich auf Viren untersucht worden, die Menschen schaden können. «Damals haben wir vor allem nach Tollwut und Ähnlichem Ausschau gehalten», sagt Beck. Nach dem Ausbruch der Pandemie habe man die Tiere erneut untersucht, dieses Mal spezifisch auf das Coronavirus. «Auch dann haben wir nichts gefunden», so Beck.

Auch in Suhr und in Unterkulm gibt es solche Kasten

Dennoch ziehen sich die Fledermäuse aus Siedlungen Eichenberger zufolge immer mehr in den Wald zurück. «Da es in unseren Wäldern nicht sonderlich viel Altholz hat, in denen die Tiere eine geeignete Höhle finden könnten, wollten wir mit den Kästen nachhelfen», sagt Eichenberger. Die wurden in der Nähe von Gewässer, an zwei lichten Stellen im Wald angebracht.

«Gerade Mütter mit ihren Jungen sind gerne an der Wärme», so die Co-Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins. Die Fledermauskästen sind im Inneren aus Holz und somit laut Beck «etwa gleich gut für die Tiere, wie die Baumhöhlen, in denen sie sich sonst aufhalten.» Ob sich die Bemühungen gelohnt haben, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. «Wir werden die Kästen im Juni und im September auszählen», sagt Eichenberger.

Dies trägt unter anderem auch zur besseren Erfassung von Wald-Fledermäusen bei. «Die haben wir bisher relativ schlecht erfasst», sagt Beck. In der Schweiz sind ihm zufolge 30 Fledermausarten heimisch. Im Aargau wurden bisher 23 davon gesichtet.

Fledermauskästen, wie die in Menziken, sind grundsätzlich nichts Neues. «Ursprünglich kennen wir sie aus Deutschland», sagt Andres Beck. Die Wälder dort seien anders, als jene in der Schweiz: «In Deutschland gibt es viele monotone Wirtschaftswälder.» Dort sei es für die Fledermäuse zum Teil schwierig, Baumhöhlen zu finden. Deshalb habe man angefangen, diese mit den Kästen zu imitieren.

Auch in der Region wurden die Kästen schon an verschiedenen Orten installiert. Beispielsweise in Unterkulm, Gränichen oder Suhr. Am ältesten ist dabei die Anlage in Gränichen mit 20 Jahren. Die in Suhr gibt es erst seit zwei Jahren, die in Unterkulm seit über zehn Jahren.

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