Menziken
Von der Lastwagenfabrik zum Wohnquartier: Hochkamin und Gebäude der einstigen «Herkules AG» sollen der neuen Überbauung weichen

Die Menziker Fabrikgebäude werden abgerissen, einzig das Satteldach-Gebäude soll bleiben. Auf dem Areal sollen 60 Wohnungen in fünf Mehrfamilienhäusern entstehen.

Natasha Hähni
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Der Hochkamin und fünf der sechs Gebäude auf dem Fabrikareal (rechts) werden bald abgerissen.

Der Hochkamin und fünf der sechs Gebäude auf dem Fabrikareal (rechts) werden bald abgerissen.

Valentin Hehli / WYS

Etwas mehr als 170 Jahre ist es her, seit die «Herkules» in Betrieb genommen wurde. Erst als Tuchfärberei, dann als Tabaklaugensiederei samt Hochkamin und schliesslich – bis 1910 – als Lastwagenfabrik. Nun sind die Tage des Fabrikgeländes wohl definitiv gezählt: Seit dem 28. April liegt auf der Menziker Bauverwaltung das Baugesuch der Stalder Generalunternehmung aus Luzern zum Abriss von fünf Liegenschaften an der Herkulesstrasse 8 auf.

2012 wurden das Fabrikgebäude und die gegenüberliegendende Fabrikantenvilla von der Denkmalpflege ins Bauinventar aufgenommen. Da die Aufnahme aber keinen Schutz garantiert, sondern lediglich eine Bestandsaufnahme von schützenswerten Bauten und Kulturobjekten auf kommunaler Ebene ist, wäre es an der Gemeinde Menziken gelegen, die Fabrikgebäude zu schützen. Bei der Erarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung 2016 entschied man sich jedoch dafür, die Liegenschaft nicht unter Schutz zu stellen.

Herzstück der Überbauung soll der «Herkulesplatz» werden

Im Gestaltungsplan – ebenfalls von der Stalder Generalunternehmung –der gerade im zweiten Anlauf beim Kanton zur Vorprüfung ist, wird festgehalten, dass der lange, zweigeschossige Bau mit neun giebelständigen Satteldächern dennoch erhalten bleiben soll.

Der angrenzende, eingeschossige Mauerbau dagegen soll samt seines Hochkamins abgerissen werden. Dieser wurde 1885 als erster Hochkamin im Oberwynental gebaut – jedoch nicht erdbebensicher. Dafür müsste eine Aussenhülle angebracht werden. Die würde jedoch die Backsteine verdecken und rund 200’000 Franken kosten.

Die vier weiteren Fabrikgebäude auf dem Gelände zwischen Hübelsstrasse und Herkulesstrasse kommen laut Gestaltungsplan ebenfalls weg. An ihrer Stelle sollen laut der Website der Bauherrschaft fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 60 Wohnungen entstehen. Vier dieser Mehrfamilienhäuser sind im Plan der Hübelstrasse entlang angeordnet, das fünfte und grösste verläuft mehr oder weniger parallel zur Herkulesstrasse. Rundherum sind Garten- und Aufenthaltsanlagen sowie der «Herkulesplatz» geplant, der zum «Herzstück des Areals» werden soll.

Ein Teil könnte zu Alterswohnungen werden

Ebenfalls im Gestaltungsplan aufgeführt ist die Option, einen Teil der Arealüberbauung für das Projekt «Wohnen im Alter» zu nutzen. Somit könnten einige der 1- bis 3.5-Zimmerwohnungen zu Altersresidenzen werden. So werde den Zielen der Raumplanung Rechnung getragen, «indem auf die demografische Entwicklung reagiert wird», so der Gestaltungsplan. Die verschiedenen Grundrisse der Wohnungen würden ein Zusammenleben von Paaren, Singles, Familien und älteren Personen ermöglichen.

So soll die Überbauung in Zukunft aussehen.

So soll die Überbauung in Zukunft aussehen.

Zvg / Stalder Generalunternehmung

Grundsätzlich sei eine gesamthaft geplante Überbauung einer frei werdenden Fläche dieser Grösse im Interesse der Öffentlichkeit, heisst es. Auch, weil die Gemeinde Menziken eine relativ niedrige Bevölkerungsdichte habe. Ob der Kanton die Situation gleich einschätzt, wird sich zeigen.

Erst wenn dieser grünes Licht gibt, startet das Mitwirkungsverfahren. Dann folgt die öffentliche Auflage. Dass dies, wie im Terminprogramm des Gestaltungsplans angepeilt, bereits diesen Sommer passieren soll, ist Bauverwalter Antonuccio zufolge unrealistisch.