Schmiedrued-Walde
Lebensmittelgeschäft: Der Klaus ist jetzt auch ein Pöstler

Im obersten Ruedertal gibts noch einen Tante-Emma-Laden mit allem, was die Bevölkerung braucht: Brotwaren, Gemüse, Spielsachen, Papeterieartikel, Wein. Seit gestern ist auch die Post im Lebensmittelgeschäft Klaus.

Barbara Vogt
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Daniela Brunner von der Post zeigt Regine Lüscher und Valentina Ceta, wie man ein Päckchen wiegt. ba Daniela Brunner von der Post zeigt Regine Lüscher und Valentina Ceta, wie man ein Päckchen wiegt. ba

Daniela Brunner von der Post zeigt Regine Lüscher und Valentina Ceta, wie man ein Päckchen wiegt. ba Daniela Brunner von der Post zeigt Regine Lüscher und Valentina Ceta, wie man ein Päckchen wiegt. ba

Seit gestern kann man im Lebensmittelgeschäft von Gotthold und Trudy Klaus in Walde auch Pakete und Briefe aufgeben, Marken beziehen sowie Einzahlungen oder Bargeldbezüge tätigen. Postfächer werden angeboten, sie befinden sich vor dem Laden. Die Schmiedrueder können weiterhin vom Hausservice profitieren. Das heisst: Der Pöstler bringt die Post nicht nur, sondern nimmt diese gleich wieder mit.

Der erste Kunde in der Agentur holte frühmorgens seine avisierte Ware ab. Vertreter des Gemeinderates erschienen ebenfalls früh, Gemeindeammann Thomas Häfliger schenkte der Familie Klaus eine Uhr für die Postagentur: «Viel Erfolg im neuen Geschäftsfeld.» Für die Kunden gabs heissen Kaffee und frische Schenkeli.

Präsente zum Abschied

Die ehemalige Post in Walde rentierte nicht mehr und wurde – wie so viele andere Stellen in der Schweiz – in eine Agentur umgewandelt. Im Poststellengebiet Schöftland sei dies die Vierte, sagte Leiter Markus Bolliger. Und man habe gute Erfahrungen damit gemacht. Die Schlossrueder Post wurde in die einheimische Dorfchäsi integriert, in Holziken und seit jüngstem in Reitnau führen die Gemeindeverwaltungen die Agenturen. «Für die Post Schöftland ist das eine Aufwertung», findet Bolliger. «Viele Kunden aus den Tälern kommen auch zu uns, um ihre Geschäfte zu tätigen.»

Gross zügeln brauchte die Post nicht: Das ehemalige Amt befindet sich gerade einen Steinwurf vom Lebensmittelgeschäft Klaus entfernt. Doch für Daniela Brunner, die dort gearbeitet hat, wars trotzdem ein einschneidender Moment. Die Schliessung, sagt sie, habe weh getan. «Ich hatte guten Kontakt zu meinen Kunden. Einige haben mir ihr Herz ausgeschüttet.» Am letzten Tag habe sie noch viele Geschenke erhalten.

Daniela Brunner ist immer noch in ihrem Beruf tätig: Künftig arbeitet sie auf der Post Entfelden. Zudem hilft sie, neue Postagenturen einzurichten und das Personal zu schulen. Zu Beginn unterstützt sie das Personal: «Oft fühlt es sich unsicher. Ich versuche, Hemmungen und Ängste abzubauen.»

450 Berliner gehen schnell weg

Die Postagentur im Lebensmittelgeschäft Klaus einzurichten, war eine gute Idee. Das Geschäft im obersten Winkel des Ruedertals läuft gut. «Wir haben eine langjährige Kundschaft», freut sich Trudy Klaus. «Die Bevölkerung schätzt unser breites Angebot. Wegen eines herkömmlichen Joghurts würden die Leute nicht kommen, aber wegen Milchprodukten vom Napfgebiet schon.

«Bewusst führen wir spezielle Produkte sowie Reformartikel im Angebot», so Trudy Klaus. Einzigartig ist die Wollecke: Da gibts von der Wolle bis zum Knopf alles für die Handarbeit. Regelmässig kommt eine Beraterin. Dann sitzen die Frauen zusammen und stricken.

Das Klaus-Lädeli ist auch wegen seiner feinen Backwaren und Torten beliebt. Alt Bäckermeister Gotthold Klaus geht immer noch gerne in die Backstube. Das «Bettmümpfeli», ein Gebäck aus Haselnuss und Kirsch, ist weitherum bekannt, und wenn Klaus im Winter mit Flugblättern für seine Berliner wirbt, gehen schnell 450 Stück an einem Tag weg.

Doch der Erfolg kommt nicht von allein: Trudy Klaus steht alle Tage um sechs Uhr im Laden und arbeitet bis spät. «Der Aufwand wird immer grösser, das macht müde.» Deshalb will sie nächstes Jahr in Pension gehen. Nach über 40 Jahren.

Das Tante-Emma-Lädeli soll aber weitergeführt werden. Von wem ist noch nicht bekannt. «Wir stehen in Verhandlung», sagt Trudy Klaus.