Vorschlag
Idee für Grossfusion: Gibt es im oberen Suhrental bald nur noch eine Gemeinde?

Vertreter von Wirtschaft und Politik wollen 18 Gemeinden zu nur noch drei zusammenlegen. Sie sehen die Möglichkeit, Steuern in Millionenhöhe zu sparen.

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So sieht der Plan des Verbandes Wirtschaft Region Zofingen aus.

So sieht der Plan des Verbandes Wirtschaft Region Zofingen aus.

Das «Zofinger Tagblatt» berichtete gestern über einen revolutionären Vorschlag, den Peter Gehler, der Präsident des Verbandes Wirtschaft Region Zofingen (WRZ), lanciert hat. Die Gemeinde Rothrist-Aare würde die heutigen Gebiete von Rothrist, Murgenthal, Vordemwald und Strengelbach umfassen (18'000 Einwohner); zu Zofingen-Wiggertal würden Brittnau, Zofingen, Oftringen und Aarburg gehören (37'000 Einwohner) gehören und Kölliken-Suhrental würde aus den heutigen Gemeinden Kölliken, Safenwil, Uerkheim, Bottenwil, Wiliberg, Reitnau (inkl. Attelwil), Staffelbach, Kirchleerau und Moosleerau bestehen. (15'000 Einwohner).

«Das gäbe drei kraftvolle, autonome Gemeinden mit einem grossen Handlungsspielraum», sagt Gehler dazu. «Es liessen sich Steuergelder in Millionenhöhe sparen, die heute in überflüssige Strukturen investiert werden.» Die Steuerfüsse würden sinken, ist Gehler überzeugt. Gleichzeitig wären – trotz der Einsparungen – Investitionen in Sportanlagen, Freizeitanlagen, kulturelle und gesellschaftliche Infrastrukturen möglich.

Eine Stärkung für Gemeinden

Die ersten Reaktionen auf Gehlers Vorschlag sind verhalten positiv.

Felix Schönle, CEO der Wernli AG in Rothrist und ehemaliger Gemeindeammann von Rothrist, habe sich in den letzten Jahren immer wieder Gedanken gemacht, ob ein Zusammenschluss der Gemeinden die Probleme lösen würde. «Es zeigt sich in den Diskussionen deutlich, dass vielen Bewohnern unserer Region das Heimatgefühl wichtig ist und Zusammenschlüsse kritisch betrachtet werden», so Schönle. Gleichzeitig lägen aber die Nerven immer wieder blank, wenn es um Themen wie Investitionen, Unterhalt von öffentlichen Werken oder Gebäuden, Sozialhilfeaufwand und um die finanzielle Situation der eigenen Gemeinde gehe. Gemeinderäte betonten, wie wichtig die qualitative Verbesserung der Gemeinde, eine Stärkung der Finanzkraft und der Unterhalt der Infrastruktur sei. Ebenso wichtig sei für sie auch die Unabhängigkeit der eigenen Gemeinde.

«Nur, Hand aufs Herz, sind unsere Gemeinden heute überhaupt noch unabhängig? Sie sind nicht mehr, wie vor 50 Jahren, ländliche Dörfer mit wenig Berührungspunkten zu den Nachbarn.» Der Verkehr sei intensiv und stoppt nicht an der Gemeindegrenze. «In Rothrist erfahren wir dies jeden Morgen und jeden Abend, wenn wir im Stau stehen.» Schönle habe Verständnis, dass man Fusionen skeptisch gegenüberstehe.«Unverständlich ist, wie kleinräumig gedacht wird. Aus unternehmerischer Sicht könnte ich mir nicht vorstellen, mich mit meiner Firma so abzuschotten. Wenn ich überleben will, muss ich immer wieder hinterfragen, ob es nicht andere und bessere Möglichkeiten gibt. Vermehrt muss ich neue Zusammenarbeiten eingehen, sonst kann ich ja gar nicht alle Kundenanforderungen erfüllen.» Schönle ist überzeugt, dass es für die Gemeinden eine Stärkung wäre, wenn vermehrt das Gespräch und die Zusammenarbeit gesucht würden. Eine Fusion müsse ja nicht im Vordergrund stehen.

Nachvollziehbare Anregung

Die Idee eines Bezirks mit drei Gemeinden findet Roger Lehner, Gemeindeammann von Attelwil, grundsätzlich spannend und eine Diskussion wert. «Sie zeigt, dass sich die Wirtschaft langfristig und offen mit den Perspektiven für möglichst günstige infrastrukturelle Rahmenbedingungen auseinandersetzt.» Rein ökonomisch gesehen sei die Anregung der Wirtschaft nachvollziehbar und die Fusion zu Gemeinden mit beispielsweise 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern ökonomisch gesehen sinnvoll. Die demokratischen und politischen Gegebenheiten seien jedoch zu berücksichtigen. «Die Gemeindeautonomie hat in unserer Region einen hohen Stellenwert», so Lehner.

«Gerade die Fusion von Reitnau und Attelwil hat einmal mehr gezeigt, dass sich die Menschen politisch, emotional und kulturell sehr stark mit ihrer Gemeinde identifizieren und befürchten, in einer Grossgemeinde als Ortsteil in der Peripherie weniger mitbestimmen zu können.» Es bestehe die Gefahr, bei Dienstleistungen, Investitionen in die Infrastruktur oder Kulturellem in einer Grossgemeinde «vergessen» zu werden. «Daher scheint mir eine Reduktion auf drei Gemeinden oder gar auf eine Gemeinde im Bezirk zum heutigen Zeitpunkt nicht realistisch zu sein, auch wenn andere Beispiele (z. B. Kanton Glarus) zeigen, dass dies durchaus möglich ist», so Lehners Fazit. (azr)