Schöftland
Exklusive Vor-Premiere: Lorenz Keisers Feuerwerk füttert Hirn und Herz

Lorenz Keiser probte sein neues Programm erstmals vor Publikum – politisch, witzig, musikalisch, verwinkelt, frech. Die Schöftler Zuschauer im Härdöpfuchäuer waren begeistert.

peter weingartner
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Lorenz Keiser war ein erstes Mal vor Publikum mit neuem Programm.wpo

Lorenz Keiser war ein erstes Mal vor Publikum mit neuem Programm.wpo

Peter Weingartner

Am Sonntagabend bei Giacobbo/Müller servierte Lorenz Keiser einen Appetizer; am Mittwochabend in der Aula der Bezirksschule Schöftland kredenzte der Kabarettist die aktuellste Version von «Chäs & Brot und Rock 'n' Roll», seinem neusten Programm. Und zwar als erste von sieben Tryout-Vorstellungen. Tryout? «Das Programm verändert sich während dieser Zeit», sagte Keiser nach der Vorführung. Es gehe vor allem um Kürzungen, Straffungen, bis im Januar, wenn in Zürich die Premiere ist, die gültige Form steht.

Seco wie Al Kaida?

«Das Publikum hier ist warmherzig, offen, macht sofort mit», lobt er die Schöftler. Seit 1989, als er noch im kleineren Härdöpfuchäuer auftrat, kommt er ins Suhrental, wo er ein Stammpublikum hat. Das erlebte einen Lorenz Keiser, der dem Publikum oft unschuldig lächelnd seine Beobachtungen des helvetischen Lebens, konsequent weitergedacht, um die Ohren und ins Gehirn schlägt.

Die Rechtfertigung von Waffenexporten nach Nordkorea etwa: 170 000 Franken für die einzige olympische Sportschützin des Landes? Man kennt auch die bekannte Ausrede: Wenn wirs nicht machen, machts ein anderer. Ein Argument, das sich auch auf jemanden anwenden lässt, der den Nationalräten, die für diese Waffenexporte gestimmt haben, eins «an den Grind» schlägt. Er vergleicht das Staatssekretariat für Wirtschaft mit Al Kaida, sieht einen Unterschied: «Wenn Al Kaida jemanden umbringt, übernimmt sie die Verantwortung.»

Auf den Mann gespielt

Keiser nimmt Politiker beim Wort: Wenn der Wirtschaftsminister sagt, nach der Ablehnung der 1:12-Initiative bleibe die Schweiz weiterhin berechenbar, kann Keiser nur den Kopf schütteln. Berechenbar sei nur die Leere des Kopfes des Ministers. Eine Mogelpackung – wie die grosse Instrumentenkiste auf der Bühne, die bloss ein kleines Handörgeli enthält – sei auch Herr Darbellay: Zwei Meter gross, hätte er in einem Couvert Platz. Auch Mörgelis und Maurers SVP bekommt ihr Fett weg, und die SP bleibt nicht verschont.

Nicht immer ists so konkret politisch, immer aber mit hohem Unterhaltungswert. Das Publikum ist herausgefordert, den oft verschlungenen Keiserschen Gedankenpfaden zu folgen. Wer sich auf die Reise einlässt, wird belohnt: Lachen, Erkenntnis. Da wuchert die Fantasie mit der Therapie von Zitteraalen, und mit einem Mal ist er bei der Medizin und auf dem Sprung zur Religionsgeschichte: «Der Monotheismus ist das Hausarztmodell.»

Lorenz Keiser liefert ein Feuerwerk an Themen, assoziiert im Schnellzugstempo. Da ist der Rock 'n' Roll der passende Soundtrack. Ab und zu darfs auch ein Lied sein: eine Parodie auf Göläs Schwan. Natürlich geht es auch um letzte Fragen: Warum haben Bundesräte keinen Schimmer? Was gibt es im Himmel zum Dessert? Warum müssen Sie den Quatsch mitsingen? Das Schöftler Publikum tats begeistert.