Reinach
Ex-Castingshow-Kandidat gibt Album heraus – und lässt Hörer Songs bewerten

Der ehemalige «The Voice of Germany»-Kandidat Cris Rellah arbeitet derzeit an seinem ersten Album. Dabei er seine Songs von Aussenstehenden bewerten. Was erhält er für Rückmeldungen?

Seraina Ummel
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Belohnt wurden die Besucher am Ende der Bewertungsreihe mit einer Live-Performance von Cris Rellah (links) und seinem Pianist Alain Boog.

Belohnt wurden die Besucher am Ende der Bewertungsreihe mit einer Live-Performance von Cris Rellah (links) und seinem Pianist Alain Boog.

Seraina Ummel

Auf den ersten Blick ist niemand zu erkennen im Showroom der Atrium-Design AG in Reinach. Es ist still wie in einer verlassenen Kirche. Bei genauerem Schauen jedoch entdeckt man Menschen, die sich in eine Ecke verkrochen haben und mit gesenktem Kopf gedankenverloren vor sich hinstarren. Die Kopfhörer auf ihren Ohren scheinen sie von der Gegenwart abzukapseln und in eine andere Welt zu transferieren. Sie wippen mit der Fussspitze auf und ab, runzeln plötzlich die Stirn, kritzeln einige Worte aufs Blatt. Es sind diese persönlichen Eindrücke, die dem ersten Album von Sänger Cris Rellah am letzten Sonntagnachmittag den letzten Schliff verpassen sollen.

Der «The Voice of Germany»-Kandidat, der in Reinach aufgewachsen ist, hatte es in der letztjährigen Staffel bis zu den Battles geschafft und möchte nun ein eigenes Album mit zehn Songs herausgeben. Geschrieben, aufgenommen und vertont sind sie bereits. Nun aber sollen Aussenstehende sechs Lieder anhand eines Fragebogens bewerten und Verbesserungsvorschläge anbringen können. Die Änderungsvorschläge will er berücksichtigen. «Nachdem ich die Songs sicher schon dreihundert Mal gehört habe, kann ich sie natürlich nicht mehr objektiv beurteilen», sagt Cris.

Bis zu hundert Stunden investierten Cris und sein Team in jeden einzelnen Song. Doch fällt es ihm nicht schwer, diese Heidenarbeit nun den Krokodilen zum Frass vorzuwerfen? «Ich mache entweder etwas richtig, oder gar nicht. Ich will nichts Halbbatziges auf dem Markt von mir», begründet Cris Rellah seinen Entscheid. So sieht er im Pre-Listening nicht in erster Linie die Kritik, sondern eine Standortbestimmung und Marktanalyse, die von Leuten aus dem Musikbusiness und zukünftigen Hörer der CD gemacht werden.

Und so bewerteten rund dreissig Leute, seien es Familienmitglieder, Musikerkollegen oder Freunde von Cris, sechs neue Songs frisch von der Leber weg und geradewegs ehrlich. «Du, dieses Handorgel-Gedudel hier im Hintergrund, das geht gar nicht. Der Song ist spitze, aber das? Lass es weg», meint ein Besucher. Cris lacht, bleibt trotz direkter Kritik souverän. «Genau danach habe ich ja gesucht!»

Die Lieder beinhalten Pop und Rock, es sind jedoch auch für Cris typische Balladen drunter. Omnipräsent ist seine tiefe, kräftige Stimme und Texte, die einen nachdenklich stimmen lassen. Melodien mit einer Lyrik, mit der sich die Zuhörer in einer gewissen Lebenslage identifizieren können, das war schon immer Cris’ Ziel. Ist ihm dies auch mit den neuen Songs gelungen?

Eine Freundin von Cris und ihre Tochter sind zufrieden: «Seine Lieder sind so aufbauend und lassen einen neue Energie tanken. Es hat einige dabei, bei denen wir das Radio im Auto sofort lauter drehen würden», meinen sie. Nur zwei Lieder hätten ihnen nicht ganz gepasst, «die schnellen Rhythmen sind einfach nicht so sein Stil.»

Belohnt wurden die Besucher am Ende der Bewertungsreihe mit einer Live-Performance von Cris und seinem Pianist Alain Boog. Zwei der neuen Songs und die Coverversion von «The Kill» gaben die beiden zum Besten. Wieder wippten diverse Fussspitzen verhalten im Takt mit, doch ein Stirnrunzeln gab es nicht mehr. Genossen wurde mit einem Lächeln im Gesicht.