Oberkulm
Definitiver Entscheid steht noch aus: Erweitert Glas Trösch doch nicht?

Das Unternehmen hat das Baugesuch für den Anbau am Standort Oberkulm eingereicht – obwohl die Umsetzung ungewiss ist.

Rahel Plüss
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Glas Trösch

Glas Trösch

Zur Verfügung gestellt

Die Glas Trösch AG will in Oberkulm ausbauen – der definitive Entscheid steht aber noch aus. Obwohl derzeit ein entsprechendes Baugesuch bei der Gemeindeverwaltung aufliegt, steht noch in den Sternen, ob oder wann der Erweiterungsbau realisiert wird.

Das Vorhaben habe noch kein grünes Licht, sagt Bruno Gygax, Leiter Unternehmenskommunikation und Public Affairs bei der Glas Trösch Holding AG mit Sitz in Bützberg, auf Anfrage. Der Verwaltungsrat werde im Sommer über die kommenden Investitionen beraten und entscheiden, ob die Erweiterung in Oberkulm schon gebaut oder zurückgestellt werde.

Trotzdem wolle man mit der Baueingabe «vorwärtsmachen», damit es nicht unnötig zu Verzögerungen komme und nach einem positiven Verwaltungsratsentscheid sofort begonnen werden könne.

Das Bauvorhaben ist von langer Hand geplant. Eigentlich hätte die Glas Trösch AG in Oberkulm nicht erweitern können, weil dem Unternehmen an der Grenze zur Landwirtschaftszone kein bebaubares Land zur Verfügung stand.

Was folgte, war eine beispielhafte Zusammenarbeit zweier Gemeinden. Unter Begleitung des Gemeindeverbands aargauSüd impuls konnte 2014 ein erfolgreicher Abtausch von Baulandfläche zwischen Menziken und Oberkulm stattfinden.

Nur fünf Jahre Zeit zum Bauen

Nun gilt diese Vereinbarung aber nicht für unbeschränkte Zeit, denn es handelt sich um eine «bedingte Einzonung», wie Reto Müller, Bauverwalter der Region Kulm, erklärt. Ist die Parzelle nicht innerhalb von fünf Jahren mit dem vorgesehenen Projekt überbaut, verfällt der Anspruch, und das Landstück wird wieder zur Landwirtschaftszone.

«Fünf Jahre sind eine kurze Zeit für ein solches Vorhaben», so Müller. Deshalb habe er auch Verständnis für das Vorgehen der Glas Trösch AG. Mehr noch: Er unterstütze es sogar. Denn es gebe durchaus noch die eine oder andere Hürde zu nehmen.

Denn der Kanton hat hier auch noch ein Wörtchen mitzureden. Um auf der gleichen Flucht des bestehenden Gebäudes erweitern zu dürfen, ist eine Ausnahmegenehmigung nötig. Denn ein so geringer Abstand zum Murtelbach ist heute nicht mehr erlaubt, auch wenn dem Produktionsgebäude direkt keine Überschwemmungen drohen.

Der Bach hätte ursprünglich renaturiert und verlegt werden sollen, der Gemeinderat Oberkulm liess jedoch in der Zwischenzeit verlauten, er werde aus finanziellen Gründen darauf verzichten und den Bach weiter entlang der Parzellengrenze der Glas Trösch AG verlaufen lassen.

Deshalb muss der Kanton nun den geringen Abstand zum Gewässer bewilligen. Ob diese Ausnahmegenehmigung Chancen hat, ist ungewiss. War doch die Verlegung des Murtelbachs Bestandteil der Einzonungsvorlage – nicht nur aus Naturschutzgründen.

Schwillt nämlich der Murtelbach bei Starkregen an, passt das Wasser nicht mehr durch die Röhre unter der Gontenschwilerstrasse und der WSB-Trasse hindurch, wird zurückgestaut und überschwemmt schliesslich Feld, Strasse und Geleise Richtung Dorfzentrum.

Aus persönlicher Sicht des Oberkulmer Gemeindeammanns Edmund Studiger wäre «jetzt der richtige Moment», die Bachverlegung und gleichzeitig die Gewässeröffnung auf der Ostseite der Gontenschwilerstrasse anzugehen und vor allem den Bachverlauf festzulegen.

Nicht zuletzt im Hinblick auf die Neutrassierung der WSB in den nächsten Jahren wäre es seiner Meinung nach hilfreich, die Lösungsfindung mit den diversen Landbesitzern jetzt in Angriff nehmen zu können.

Automatisierung erhöhen

Zurück zum Erweiterungsbau der Glas Trösch AG: Damit, respektive mit dem geplanten Innenleben, will das Unternehmen den Automatisierungsgrad der Isolierglasproduktion am Standort Oberkulm erhöhen.

Heisst das, dass Arbeitsplätze verloren gehen? «Nein», sagt Bruno Gygax, «so wie es aktuell aussieht, wird das Werk auch nach der Erweiterung mit dem gleichen Mitarbeiterbestand weitergeführt.»

Dennoch wird die Produktionsfläche mit dem 11,8 Millionen Franken teuren An-bau um rund einen Drittel vergrössert. Die Stahlkonstruktion ist gleich hoch vorgesehen wie das alte Gebäude und wäre nach aussen hin ebenfalls komplett verglast.

Das neue Gebäude dürfte sich ähnlich in die Umgebung einfügen wie das bestehende, das mit seinen Glasflächen das Grünland widerspiegelt.