Urteil

«Unbedingt» für Schlägerei unter Tamilen an Geburtstagsparty

Drei junge Tamilen prügelten an einer Geburtstagsparty einen gleichaltrigen Landsmann spitalreif. (Symbolbild)

Drei junge Tamilen prügelten an einer Geburtstagsparty einen gleichaltrigen Landsmann spitalreif. (Symbolbild)

Drei junge Tamilen prügelten an einer Geburtstagsparty einen gleichaltrigen Landsmann spitalreif. Jetzt müssen die einschlägig Vorbestraften ins Gefängnis.

Im März letzten Jahres waren der jetzt 20-jährige Tamile Suthar (alle Namen konstruiert) und sein knapp zwei Jahre ältere Bruder Kirusha in Zürich wegen Gewaltdelikten zu 30 Monaten unbedingt verurteilt worden. Bei einer Auseinandersetzung waren sie mit Taschenmesser, Baseballschläger und Eisenstange auf ihre Kontrahenten losgegangen. Die Freiheitsstrafe war zugunsten einer Massnahme aufgeschoben worden.

An Geburtstagsparty teilgenommen

Knapp drei Monate später, am Pfingstsamstag 2010, hatten die beiden Brüder im Jugendtreff PELI in Spreitenbach an der Geburtstagsparty eines Landsmannes teilgenommen: Kirusha hatte Urlaub, Suthar war aus der Arbeitserziehungsanstalt abgehauen. Im Jugendtreff hatten sie zuerst tüchtig gebechert und dann einen gleichaltriger Landsmann spitalreif geprügelt. Das Opfer, der 19-jährige Shanthan, sass mit seiner Anwältin stumm und in sich gekehrt vor dem Bezirksgericht Baden, wo sich, angeklagt wegen Angriffs, nebst Su-
thar und Kirusha auch noch der 21-jährige Nesan verantworten musste.

Die Befragung durch Gerichtspräsident Lukas Cotti zeigte, dass unter tamilischen Jugendlichen regelrechte «Gangs» existieren, die sich gegenseitig spinnefeind sind. Als «Verräter» und «Feind» war denn auch Shanthan an jener Party unwillkommen. Er war von Nesan auf die Terrasse gelockt worden, wo unverhofft Kirusha und Suthar aus dem Dunkeln auftauchten.

Nach dem ersten Faustschlag ins Gesicht war Shanthan zu Boden gegangen. Ein weiterer Faustschlag und Fusstritte gegen den Kopf des Opfers waren gefolgt. Als von irgendwoher «die Polizei kommt» ertönte, hatten die drei Schläger von dem zeitweise bewusstlos am Boden Liegenden abgelassen und waren weggefahren. Shanthan hatte mehrere Frakturen im Gesicht erlitten, eine Woche im Spital gelegen und zwei Operationen über sich ergehen lassen müssen. Die Schläger waren mehr oder weniger geständig; offen blieb, wer wie und wie oft geschlagen und getreten hatte.

Nesan war als Kleinkind, Kirusha und Suthar als Sechs-, respektive Achtjähriger in die Schweiz gekommen, wohin ihr Vater wegen des in der Heimat herrschenden Krieges geflüchtet war. Familiär war alles in Ordnung, die schulische und soziale Integration aber gelang nur sehr mangelhaft, verschiedene Lehren wurden abgebrochen, verkehrt wird fast ausschliesslich mit Landsleuten, Alkohol spielt eine gewichtige Rolle.

«Zu hoffen, dass die beiden des Landes verwiesen werden»

Der Staatsanwalt forderte für Nesan, der ohne Anwalt erschienen war, 12 Monate Freiheitsstrafe und für die einschlägig vorbestraften Brüder unbedingte Freiheitsstrafen von zwei Jahren. «Es ist zu hoffen, dass die beiden nach verbüsster Strafe durch das Migrationsamt des Landes verwiesen werden», so der Staatsanwalt. Suthars Verteidiger beschönigte die Tat nicht, bezeichnete den Antrag der Anklage aber als nicht verhältnismässig und plädierte für 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit, Kirushas Anwalt erachtete 360 Stunden gemeinnützige Arbeit als angemessen.

Das Gericht folgte einstimmig den Anträgen des Staatsanwaltes und sprach auch die 12 Monate für Nesan unbedingt aus. «Es war klar eine abgesprochene Aktion. Es wurde mit grosser Brutalität und ohne Mitgefühl Macht ausgeübt», so Präsident Cotti. Dem Opfer wurden als Genugtuung 5000 Franken zugesprochen.

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