Parasiten

Macht Hundekot auf der Wiese die Kühe krank?

Herrchen mit Hund stehen am Rande einer Kuh-Weide

Herrchen mit Hund stehen am Rande einer Kuh-Weide

Aargauer Landwirte wehren sich gegen den liegengebliebenen Hundekot auf den Wiesen. Dieser mache die Kühe krank. Tierärzte relativieren: Nur 10 Prozent aller Übertragungen der schädlichen Parasiten finden zwischen Hund und Rind statt.

«Hundekot im Gras stellt für die Kühe eine gesundheitliche Gefahr dar und kann bis zur Verendung der Tiere führen», schreibt die Gemeinde Büttikon in einer Mitteilung. Sie droht den Hundehalter gar mit Strafanzeigen, wenn Schäden nachgewiesen werden könnten.

Auch die Gemeinde Gallenkirch kennt das Problem der ansässigen Landwirte. Hundekot birgt eine erhebliche Infektionsgefahr in sich, so die einheitliche Auffassung.

Experten wollen keine Märchen erzählen

«Es gibt von Zeit zu Zeit ein einzelner Parasit, der übertragen wird», sagt Tierarzt Dr. Adrian Meyer aus Dottikon. Ganz ausschliessen könne man eine Erkrankung nicht.

Die normalen Würmer könnten aber nicht vom Hund auf die Kuh übertragen werden. Da sei es wahrscheinlicher, dass der Kot von Füchsen oder Mardern zu einer Erkrankung führen könnte. Auch Vögel oder Insekten würden eine Infektionsgefahr bergen, betont Meyer. «Es ist alles viel komplexer, als zu sagen: Der Hund war's.»

Krank machender Einzeller

Tatsache ist: Es existiert ein Einzeller, der in Hunden vorkommt und sich auf die Wiederkäuer übertragen kann. Die Rede ist von Neospora caninum, der bei Hunden neurologische Erkrankungen hervorrufen kann. «Heranwachsende und erwachsene Kühe erkranken nicht an der Neospora-Infektion», sagt der Parasitologe Dr. Bruno Gottstein von der Vetsuissefakultät der Universität Bern. Man sehe ihnen die Infektion nicht an.

Bei einigen der Neospora-positiven Kühen würde der bisher «schlafende» Parasit während der Trächtigkeit reaktiviert, so der Parasitologe. «Dabei kann er die Plazenta oder die Föten so schädigen, dass es zu einer Fehlgeburt kommen kann.»

Allerdings spielen Hunde für die Übertragung des Erregers auf das Rind kaum eine Rolle. «90 Prozent der Übertragungen finden zwischen Kuh und Kalb statt und nur 10 Prozent via Kot von Hunden», sagt Dr. Michael Hässig vom Tierspital der Universität Zürich.

Andere Tierarten erweisen sich mehr oder minder resistent gegen den Parasiten.

Kuh wegen Hundekot gestorben?

In der Gemeinde Büttikon wird vermutet, dass vor ungefähr 10 Jahren eine Kuh wegen Hundekot gestorben sei. Bewiesen wurde es jedoch nie.

Das eigentliche Problem sieht Tierarzt Dr. Adrian Meyer an einer ganz anderen Stelle. «Hunde scheissen auf die Wiesen. Die empfindlichen Kühe fressen dann das Gras und auch das Heu nicht mehr. Das bedeutet ein finanzieller Verlust für die Bauern.»

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