Lenzburg
Weihnachtsgeschichte einmal anders

Der Projektchor der Reformierten Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg hat in der Stadtkirche die«St. Johanner Wienacht» aufgeführt – mit Jodel und Hackbrett.

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In der Stadtkirche Lenzburg wurde die Weihnachtsgeschichte aufgeführt.

In der Stadtkirche Lenzburg wurde die Weihnachtsgeschichte aufgeführt.

Aargauer Zeitung

«Bitte, loh eus nid elei, chumm eus z’Hilf und mach eus frei!» Diese Bitte, zentrales Element in Peter Roths «St. Johanner Wienacht», könnte aktueller nicht sein. Sie bildete den Schluss einer schlichten und tief bewegenden Weihnachtskantate im Volkston. Die Interpreten in der Stadtkirche Lenzburg wurden dem Werk in hohem Masse gerecht.

Die biblische Weihnachtsgeschichte ist unzählige Male erzählt, gespielt und gesungen worden. Der St. Galler Komponist Peter Roth hat daraus mehr gemacht als eine weitere Version. So wird der vierstimmige Projekt-Chor der Reformierten Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg nicht von einer Instrumentengruppe in gewohnter Zusammensetzung begleitet, sondern von Violine, Klarinette, Hackbrett, Kontrabass und Klavier.

Das ergibt besondere, ja intime Klangeffekte. Roth hat keine Skrupel, traditionellen Jodel einzubauen, was hervorragend passt, denn es sind ja – mit Ausnahme der drei Weisen – gewöhnliche Menschen, die in der Geschichte auftreten. Die Musik nimmt das auf: kein Pomp, keine barockesken Verschnörkelungen, sondern schlichte, eingängliche Melodien.

Es ist dem musikalischen Leiter Markus Fankhauser (Möriken) gelungen, für dieses besondere Projekt rund 40 Sängerinnen und Sänger aus Möriken und Umgebung zu gewinnen. Niemand hat die einfachen Melodien unterschätzt oder verkitscht. Mit Ernsthaftigkeit nahm sich der Chor der Partitur an, sang intonationssicher und so gut verständlich, dass sich das Nachlesen in den Textblättern erübrigte. Vor dem Chor stand ein Dirigent, der das Ganze nicht nur durch klare Zeichengebung, sondern auch durch motivierende Mimik gestaltete.

Zum guten Gelingen trugen die Instrumentalisten bei. Dominik Jenzer spielte sicher die Klarinette, in der Höhe ab und zu etwas laut. Kathrin Muggli spielte ihren Geigenpart dezent und tonschön, Christina Ischi sorgte am Klavier für einen sicheren Boden, Esther Hächler-Brack strich sicher, aber nicht immer ganz rein den Kontrabass.

Eine Augenweide war es, der jungen Hackbrettspielerin Fabienne Schadegg zuzuschauen. Sie spielte ihren zum Teil virtuosen Part konzentriert und mit viel Charme. Sänger Kurt Säuberli sprach verbindende Texte zwischen den neun Gesängen und sorgte für eine nahtlose Nacherzählung der berühmtesten aller Geschichten.

Mit einer Standing Ovation verabschiedete das grosse Publikum die Interpreten. Derer Botschaft, die am Sonntagabend in der reformierten Kirche Möriken wiederholt wurde, konnte sich keiner entziehen, zu eindrücklich wurde sie verkündet.(ny)

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