Verfügbarkeit
Corona, Lieferkette und Rohstoffmangel: Massive Lieferschwierigkeiten bei Sportartikeln

Jogging-Schuhe erst in paar Monaten, Winterwanderhosen derzeit fast gar nicht mehr bestellbar: Viele Sportfachgeschäfte haben im Moment grosse Probleme im Einkauf. Das wird auch die Kundschaft früher oder später zu spüren bekommen.

Florian Wicki
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Beim Gritti Sport in Reinach wurden diverse Liefertermine verschoben.

Beim Gritti Sport in Reinach wurden diverse Liefertermine verschoben.

zvg

Nicht nur die allmählich längeren und wärmeren Tage locken die Menschen an die frische Luft. Auch die Coronavirus-Pandemie hat dazu beigetragen, dass bei vielen ein stärkeres Bedürfnis aufkommt, sich sportlich zu betätigen.

Das spüren auch die Sportfachgeschäfte in der Region. Doch die Freude wird vielerorts getrübt, denn seit einer Zeit klemmt es bei der Verfügbarkeit von vielen Produkten. Daniel Gritti, der Inhaber des Reinacher Sportgeschäfts Gritti Sport, hat so etwas noch nie erlebt: «Der Liefertermin von gewissen Joggingschuhen, die Anfang Februar hätten geliefert werden sollen, wurde gerade heute auf Mitte Mai verschoben.» Seine Lieferanten versuchen das Möglichste, weiss Gritti, es gehe aber allen Händlern in etwa gleich: «Wenn möglich helfen wir Händler uns untereinander aus, schicken Waren hin und her, aber wenn ein Artikel nicht verfügbar ist, kann man ihn zurzeit halt nicht kaufen.»

Ohne Garn gibt es keine genähten Produkte

Auch im Textilbereich seien die Lieferschwierigkeiten derzeit enorm, führt Gritti aus: «Winterwanderhosen konnte ich zum Beispiel meist seit Dezember bereits nicht mehr nachbestellen.» Einer seiner Lieferanten produziere in Deutschland, und der erhalte derzeit kein Garn zum Zusammennähen der Stoffe: «Und ohne Garn gibt es keine genähten Produkte.»

Laut Gritti liegen die Ursachen für die schlechte Verfügbarkeit der Waren vielerorts. So hätten beispielsweise gewisse Fabriken von Produzenten wegen Corona kurzfristig geschlossen werden müssen. Weiter verschlechtere der weltweite Rohstoffmangel die Lage zusehends, eben auch im Textil – oder im Kunststoffbereich. Und schliesslich sei aber auch weltweit die Nachfrage nach Sportartikeln gestiegen – eigentlich eine schöne Beobachtung, die aber zusätzlich zu Knappheiten führe.

Nur noch in Kontingenten verfügbar

Gritti versucht nun, grössere Lagerbestände zu führen, um damit weitere Lieferschwierigkeiten abfedern zu können. Das sei aber nicht ganz einfach: «Manche Lieferanten mussten ihre Waren kontingentieren – sie haben zum Beispiel eine gewisse Menge an Schuhen, und jeder Händler erhält nur einen festen Prozentsatz, damit alle bedient werden können.»

Grundsätzlich macht er sich keine Sorgen, er habe immer noch genug Artikel. Jedoch nicht mehr in jeder beliebigen Variante: «Es kann halt sein, dass ein Rucksack nur noch in drei statt in sechs verschiedenen Farben erhältlich ist.» Auf die Preise soll sich die Lage derzeit nur minim auswirken, und in Einzelfällen. Bis zur nächsten Saison jedenfalls: «Auf die Wintersaison 2022 werden die Preise aller Artikel steigen – und wir müssen diese Preise an die Kundschaft weitergeben.» Das werde im Rahmen einer Erhöhung zwischen fünf und zehn Prozenten spürbar sein.

Laut Gritti wird sich die angespannte Lage auch in absehbarer Zeit nicht ändern: «Einige Lieferanten sagen mir, dass sich die Lieferbereitschaft erst ab 2024 verbessern soll.» Aber er will nicht klagen: «Mir ist es wichtig, zufrieden und dankbar zu sein – wir hatten im Gegensatz zu gewissen anderen Branchen auch während Corona recht gute Umsätze.»

Bei vielen ist die Lieferkette das Problem

Laut dem Geschäftsführer des Erlinsbacher Triathlon-Spezialisten «Tempo-Sport», Fabian Scheidegger, ist die ganze Situation abhängig von den Marken und deren Produktionsstandorten: «Wenn die Rohstoffe bei lokal produzierenden Brands vorhanden sind, haben sie sicher etwas richtig gemacht, denn so entfällt schon mal das Problem der mittlerweile komplexen und langen Lieferketten.» Gerade dort liege oft der Hund begraben: «Etliche Firmen, vor allem in Fernost, waren Covid-bedingt geschlossen, weswegen sie der eh schon steigenden Nachfrage nicht nachkamen.» Dazu fehlten häufig Container und Schiffe, um die Ware nach Europa zu fördern, und das hat Konsequenzen: «Viele Hersteller weichen da auf Flugfracht aus, was sich jedoch auf die Preise auswirkt.»

Auch er kann Preiserhöhungen nicht ausschliessen. Aber: «Importeure, Lieferanten wie auch wir sind jedoch bestrebt, diese im Rahmen zu halten, dass es für den Kunden und auch für uns stimmt.» In gewissen Bereichen gab und gebe es folglich Erhöhungen im unteren einstelligen Bereich.

Auch bei Giganten ist die Lage angespannt

Nicht nur die kleinen Händler stecken im Moment in einer Krise, auch die Sportartikel-Tochter der Migros, SportXX, hat Schwierigkeiten mit der Warenverfügbarkeit. Jedoch eher im Fahrrad-Bereich, wie ein Sprecher mitteilt: «Insbesondere bei den Bikes ist die Lage weiterhin angespannt, wobei wir im Markt vergleichsweise ziemlich gut dastehen.» Es sei aber davon auszugehen, dass die Warenverfügbarkeit bei den Velos noch über Monate anhalten werde, wegen fehlender Produktionskapazitäten sowie Engpässe in Transport und Logistik.

Das könnte sich auch bei der Migros auf die Preise auswirken: «Preiserhöhungen versuchen wir, wenn immer möglich, nicht an unsere Kundinnen und Kunden weiterzugeben – aufgrund der derzeitigen Lage lassen sich diese aber leider nicht ausschliessen.»

Weniger von der ganzen Knappheit betroffen zeigt sich der seines Zeichens grösste Sportartikelhändler der Schweiz, Ochsner Sport. Das Unternehmen habe trotz Lieferschwierigkeiten nicht mit einer Knappheit an Sportartikeln zu kämpfen, wie ein Sprecher erklärt. Dies vor allem deshalb, weil man stets in engem Kontakt mit seinen Produzenten stehe: «So konnten vereinzelte Lieferverzögerungen problemlos kompensiert werden.»

Doch auch bei Ochsner Sport sei in der momentanen Situation noch nicht abzuschätzen, ob es in naher Zukunft zu Preissteigerungen kommt: «Falls dieses Szenario tatsächlich eintrifft, dürfte dies für unsere Kundinnen und Kunden nur vereinzelt spürbar sein.»

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