Lenzburg
Pyro-Künstler will an Lenzburger Gaukler-Festival für Nervenkitzel sorgen

Sich die Finger verbrennen gehört zum Berufsrisiko des Pyro-Künstlers Felix Hamburger. Mit einem Feuerspektakel wird er am Gauklerfestival vor heimischem Publikum auftreten – es wird ein «tierischer» Auftritt werden.

Ruth Steiner
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Pyrokünstler Felix Hamburger fertigt die Requisiten für seine Programme gleich selber.chris iseli

Pyrokünstler Felix Hamburger fertigt die Requisiten für seine Programme gleich selber.chris iseli

Ein Haifisch, der vier Meter hohe Flammen wirft. Ein drei Meter grosses Nilpferd, das seine brennende Zunge aus dem Mund streckt und Feuerbällchen speit. Sie sind Teil des Programms. Doch mehr will Felix Hamburger zu seiner neuen Feuershow «Tierisch» nicht verraten.

Der Pyro-Künstler aus Lenzburg ist Special Guest am Gauklerfestival vom 14. bis 17. August. Für den Lenzburger ist es ein Heimspiel, deshalb freut er sich besonders auf den Auftritt. Zu sehen ist er auf dem Hünerwadelplatz hinter dem KV-Schulhaus. Dort spielt Hamburger am Freitag- und Samstagabend mit dem Feuer – seit Jahren schon seine grosse Leidenschaft.

So viele Strassenkünstler nehmen teil

250 Strassenkünstler aus aller Welt haben sich für die Teilnahme am diesjährigen Gauklerfestival beworben. Rund 22 Einzelkünstler und Gruppen wurden ausgewählt. Sie werden vom Freitagabend bis am Sonntag die Strassen und Plätze der Innenstadt bespielen.

Mit «Tierisch» bezeichnet Hamburger das Programm nicht nur im herkömmlichen Sinn, tierisch findet er auch dessen Umsetzung und den damit verbundenen Nervenkitzel, den er mit dem Spektakel bei seinem Publikum verursachen will.

Dass er dieses Ziel auch erreicht, dafür brauche es mehr als einfach gute Ideen: «Die Dramaturgie der Show ist wichtig, es muss verwegen aussehen, darf jedoch nicht gefährlich sein», sagt Hamburger. Der Funke springe dann, wenn ein Künstler spüre, dass sein Publikum mit Herzklopfen vor ihm stehe. Dann könne er zur Hochleistung auflaufen.

Gefahren jeglicher Art vermeidet Hamburger, hingegen suche er schon die Grenzen. «Ich mache mich über alles lustig – auch über mich selbst», sagt er und lacht. Mit allen Konsequenzen. «Es kann durchaus mal vorkommen, dass ich mir die Finger verbrenne oder die Haare ansenge. Zum Glück sind sie bisher immer wieder nachgewachsen», meint er und fährt sich durch seine halblange grau melierte Haarpracht, als wolle er sich vergewissern, dass dem tatsächlich so ist.

Immer Respekt vor dem Feuer

Die Sicherheit des Publikums ist oberstes Gebot des Pyro-Technikers. Steht es nicht im sicheren Abstand zu ihm hinter den Abschrankungen, gibt es keine Show. Hamburger arbeitet mit Bühnenfeuerwerkskörpern. Diese sind weniger gefährlich, «die herumfliegenden Glutsplitter erkalten rasch». Trotzdem ist der Feuerlöscher jederzeit in Griffnähe. Angst kennt Hamburger nicht, Respekt hingegen schon. Das sei auch wichtig, sonst werde man auch als Künstler rasch einmal übermütig.

Felix Hamburger wohnt in Lenzburg, in einem Einfamilienhausquartier. Das Haus sei eigentlich ein Abbruchobjekt gewesen, doch habe er es eigenhändig umgebaut und wohnlich gemacht. Die Liegenschaft grenzt an einen grossen Garten.

Im hochgewachsenen Gras steht ein schief stehender Apfelbaum, die wenigen Gartenbeete am Rand wirken fast etwas verloren. Der Garten sei schon ein kleiner Luxus, ein wichtiger jedoch, sagt er. Doch ohne ihn ginge Hamburger den unverzichtbaren Platz für seine Testzündungen verlustig.

Ebenfalls im Garten, unweit des Apfelbaums und als Sichtschutz gegen die Quartierstrasse steht Hamburgers Werkstatt, ein ehemaliger Baucontainer, heute kommt er als grosszügiges Gartenhaus daher. «Hier tüftle ich an der Realisation der Ideen herum», sagt er und öffnet die Tür ins Innere. Und hier sieht es genauso aus, wie man es sich in einer Künstlerbude eben vorstellt: Ein kreatives Chaos aus angefangenen Werken und unzähligen Einzelteilen.

Bei diesem Anblick drängt sich die Frage geradezu auf: «Sind Sie ein ‹Chlütterler›, Herr Hamburger?» Felix Hamburger lacht. «Meinetwegen.» Diesen Begriff könne er akzeptieren, möchte jedoch keinesfalls als Bastler bezeichnet werden.

Das sei despektierlich gegenüber seiner Arbeit, meint er. Hingegen gebe es schon Leute, die ihn als Spinner bezeichneten. Doch könne er gut leben damit: «Es gibt sehr nette Spinner.»

Show wird musikalisch begleitet

Die Leidenschaft Hamburgers fürs Feuerwerken wurde an der Badenfahrt geweckt. Vor Jahren hat er mit Kollegen das erste Feuerspektakel gemacht. Im vergangenen Jahr war er verantwortlich für die Pyrotechnik beim Freilichttheater auf dem Staufberg.

Damit Hamburger pyrotechnische Sätze zünden kann, musste der ehemalige Radio- und Fernsehtechniker und heutige Werklehrer eine Ausbildung zum Pyro-Techniker machen, mit dem dazugehörenden Fähigkeitsausweis.

Hamburgers zweites Hobby ist das Musizieren. Seit über dreissig Jahren spielt er Violine in der Band Saitefieber. Seine flammenden Vorstellungen am Gauklerfestival werden nicht zuletzt deshalb musikalisch begleitet von seinen Band-Kollegen und Urs Erdin. Erdin hat die Musik selber komponiert.

Dem Auftritt vorangegangen ist wochenlanges Vorbereiten, Tüfteln und Testen im Garten. Hier überrascht er durchaus mal seine Gäste und die Nachbarn mit einem Feuerwerk. Zu letzteren gehört auch Janine Pfister, die Präsidentin des Lenzburger Gauklerfestivals.

Sie freut sich, dass nach den langen Vorbereitungen das Festival am Donnerstag mit dem Comedy-Abend nun bald los geht. Am Freitagabend startet der Gauklerbetrieb in den Strassen der Innenstadt. Er dauert bis am Sonntag.

Comedy-Abend mit Junge Junge! am Donnerstag, 14. August, 20 Uhr, im alten Gemeindesaal.