Othmarsingen
Nach einem schweren Unfall fand sie ihre Passion – und Profession

Celine Faehre aus Othmarsingen hat in der Rehaklinik ihre Ruhe in der Brandmalerei gefunden. Inzwischen ist das Hobby zum Beruf geworden, die filigranen Kunstwerke verkauft sie online.

Eva Wanner
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Celina Faehre hat sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, die Brandmalerei nicht nur als Hobby, sondern als Beruf auszuführen.

Celina Faehre hat sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, die Brandmalerei nicht nur als Hobby, sondern als Beruf auszuführen.

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Sie sei nicht gestürzt, sagt Celina Faehre. Und doch hat sie sich das Bein mehrfach gebrochen, hatte seither mehrere Operationen, war immer wieder in der Reha und ist in Physiotherapie. Ein Skateboard-Unfall, bei dem sie sich heute wünscht, sie wäre umgefallen, statt dass sie mit dem Bein die volle Wucht der Geschwindigkeit auffing, hat ihr Leben verändert.

Zunächst negativ. Aber, und das konnte sie damals, vor neun Jahren noch nicht wissen, auch sehr positiv. Denn in der Reha fand die heute 37-Jährige ein Hobby, das heute ihr Beruf ist.

Zu viele Ideen – bis die eine kam

Faehre besuchte eines Abends die Kreativwerkstatt in der Klinik. «Dort war ein älterer Mann, der Holz verzierte», erinnert sie sich. Und zwar nicht irgendwie, sondern mittels Brandmalerei. Mit einer Art Lötkolben mit Aufsatz werden so in Millimeterarbeit Muster in Holz gebrannt. Faehre war fasziniert, «ich war jeden Abend dort».

Kreativ tätig sei sie, die zuletzt als Gebäudetechnikplanerin gearbeitet hat, immer gewesen. Sie verkaufte Selbstgemachtes wie beispielsweise Etagèren an Weihnachtsmärkten. Beim Brandmalen habe sie sich aber sehr gut fokussieren und entspannen können.

Als die Othmarsingerin aus der Klinik entlassen wurde, lag das Hobby brach. Erst vor drei Jahren besann sie sich wieder darauf. «Ich war wieder einmal in den Vorbereitungen für einen Markt – und wusste einfach nicht, was ich machen sollte.» Nicht, weil sie keine Ideen hatte, sondern zu viele. Sie habe sich verzettelt, «so als ob man in einem Bastelladen steht und überall Dinge sieht, die einem gefallen». Ihr Lebenspartner habe sie gefragt, was ihr von all dem Handwerklichen, das sie schon gemacht hat, am besten gefallen und ihr am meisten gegeben habe. Brandmalerei, schoss es ihr durch den Kopf.

«Ich war immer überzeugt, dass ich nicht zeichnen kann»

Wennschon, dennschon, dachte sie sich und kaufte sich ein teures Gerät. Denn: «Ich wusste, wenn es nicht so gut funktioniert, wie es das in der Klinik tat, wäre ich frustriert und würde wieder damit aufhören.» Und dafür muss die Ausrüstung stimmen.

Klar war auch von Anfang an, dass sie weder Kühe noch Heimatmotive auf Schneide- und Zvieribretter oder Kochkellen brennen würde, «dafür gibt es genug Anbieter und das ist auch nicht mein Stil». Sie suchte im Internet nach Mustern, fing zaghaft an und wurde immer besser, auch in der Kreation eigener Motive. «Ich war immer überzeugt, dass ich nicht zeichnen kann», sagt sie und lacht.« Aber zeichnen ist nicht gleich zeichnen!» Naturmotive wie Blumen und florale Muster oder Waldtiere, das liege ihr. Ausserdem sei es eine Frage der Übung und der Routine.

Auch Zwerge gehören ins Repertoire der 37-Jährigen.

Auch Zwerge gehören ins Repertoire der 37-Jährigen.

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Einige der Motive zeichnet sie auf dem Holz vor, andere brennt sie freihändig. Nur: Fehler ausradieren, das geht bei dieser Art der Kunst nicht. «Am Anfang dachte ich jeweils, jetzt sei die ganze Arbeit für die Tonne. Inzwischen verwandle ich Fehler einfach – statt eines Vögelchens entsteht dann eben eine Laterne, die ein Zwerg in der Hand hält.»

Auf den sozialen Medien fing es an

So schön das Umfeld ihre Kreationen fand, so wenig glaubten die meisten daran, dass sich die Produkte auch verkaufen liessen. Faehre richtete einen Instagram-Account ein – und siehe da, die Kundinnen und Kunden kamen. Vor zwei Jahren fällte sie den Entschluss, sich mit ihrer Marke «Brandlinge» selbstständig zu machen und zu 100 Prozent auf die kreative Arbeit zu setzen. Da die Nachfrage danach steigt, sei es auch möglich, dass sie bald Kurse anbiete.

Mit einer Freundin, die Filzfiguren herstellt, hat sie einen gemeinsamen Online-Shop erstellt, und ein Kinderbuch verfasst mit Fotos der kreativen Arbeiten von beiden. Das Schönste daran: All das ist aus einer schwierigen Situation entstanden und macht ihr heute noch einfach Spass.

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