Lenzburg
Nach zehn Jahren Planung: Die Stapferhäusler sind jetzt sesshaft

In Lenzburg wurde am Freitag Abend das 23,8 Millionen Franken teure Gebäude eingeweiht und die Ausstellung «Fake» eröffnet.

Urs Helbling
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Eröffnung Stapferhaus Lenzburg
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Der Ex-Stapferhaus-Leiter Hans Ulrich Glarner mit Stadtpräsident Daniel Mosimann (M.) und dessen Frau Franziska Walti.
«Man kann vielleicht aus Versehen die Wahrheit sagen, aber nicht aus Versehen lügen»: Kurator Daniel Tyradellis (l.).
Entspannt nach der Feier: «Stapferhaus:»-Leiterin Sibylle Lichtensteiger und Philippe Bischof, Direktor Pro Helvetia.
Köchin Julia Zentner und ihre Kollegen vom Alterszentrum Obere Mühle bereiteten den Apéro riche zu.

Eröffnung Stapferhaus Lenzburg

Urs Helbling

Fast zehn Jahre lang sei der Plan für dieses Haus gereift, erklärte gestern Abend Corina Eichenberger, Stiftungsratspräsidentin und FDP-Nationalrätin, an der Eröffnungsfeier. Das Stapferhaus ist kein klassisches Museum, sondern eine Institution, die Gegenwartsthemen in den Mittelpunkt stellt. Alles begann 1994 mit der Anne-Frank-Ausstellung unter dem damaligen Leiter Hans Ulrich Glarner (heute Chef des Amts für Kultur des Kantons Bern). Zuletzt feierte das Stapferhaus mit ««Heimat – Eine Grenzerfahrung» einen grossen Erfolg. Das noch im Zeughaus.

Centre Pompidou von Lenzburg

Jetzt hat das Stapferhaus eine eigene Heimat. Ein 23,8 Millionen Franken teures Gebäude (siehe Box). «Aus dem bisher mobilen Völklein der Stapferhäusler wird ein sesshafter Stamm», erklärte Philippe Bischof, Direktor der Pro Helvetia. Er verglich die Bedeutung des Stapferhauses für Lenzburg mit derjenigen des Centre Pompidou für Paris. Und er würdigte die verschiebbaren Treppen als «Weltpremiere in einem Kulturhaus». Und der Pro Helvetia-Direktor betonte: «Dem Stapferhaus geht es um eine Kultur des vertieften Nachdenkens und Debattierens.»

Stapferhaus-Leiterin Sibylle Lichtensteiger beschrieb, wie das Team vor drei Monaten vom Schloss zum Bahnhofplatz hinunter gekommen ist. Und sie versprach: «Jetzt geht es so richtig los.» Landammann Alex Hürzeler überzeugt die «pionierhafte Architektur». Der Bau sei sehr flexibel.

Die Hauptansprache hielt Bundeskanzler Walter Thurnherr. Sie ist auf Seite 20 dieser Schweiz am Wochenende abgedruckt. Eine Besprechung der Ausstellung «Fake» lesen Sie im Foyer-Bund.

«Wir sind im Budget»

Das neue Stapferhaus kostet 23,8 Millionen Franken. Der Kanton Aargau steuert aus dem Swisslos-Fonds 13,7 Millionen Franken bei. «Das ist der höchste Beitrag, der je an ein Kulturprojekt vergeben worden ist», erklärte Landammann Alex Hürzeler. Von der Stadt Lenzburg kamen 2 Millionen Franken. Die Finanzierungslücke von über 7 Millionen Franken musste das Stapferhaus selber stopfen. Das gelang, dank eines kreativen Deals mit der CoOpera Sammelstiftung (sie ist auch Grossinvestorin im «Im Lenz»-Quartier). Geld kam aber etwa auch von einer Stiftung des Milliardärs Stephan Schmidheiny. Seine und andere Stiftungen sowie «Engagement Migros» helfen zudem mit, den Betrieb des Stapferhauses zu finanzieren. Stiftungsratspräsidentin Corina Eichenberger machte keinen Hehl daraus, dass die Finanzierung «das grösste Sorgenkind» und das Geldauftreiben ein «wagemutiges Unterfangen» gewesen sei.

Bei der Realisierung sei dann plötzlich alles rasend schnell gegangen. Und planmässig abgelaufen. «Wir sind, was ganz erfreulich ist, im Budget geblieben», erklärte Corina Eichenberger.