Seon

Mammut kündigt neue Jobs im Seetal an – trotz Umzug nach Deutschland

Mammut-Chef Rolf Schmid in der Seilproduktion des Unternehmens.

Mammut-Chef Rolf Schmid in der Seilproduktion des Unternehmens.

Der Sportartikel-Hersteller Mammut konzentriert seine Logistik in Deutschland. Weitere Bereiche sollen nicht ins Ausland verlegt werden, wie CEO Rolf Schmid im az-Interview festhält. Im Gegenteil: Schmid kündigt neue Jobs im Seetal an.

Herr Schmid, Sie lagern laut dem deutschen «Handelsblatt» einen Teil von Mammut nach Deutschland aus. Ist dies der Anfang vom Ende des Hauptsitzes Seon?

Rolf Schmid: Nein. Wir heben nur das Zentrallager in Seon auf. Dieses Zentrum, das Kunden in der Schweiz und den Nicht-EU-Ländern beliefert, legen wir 2013 mit unserem Logistikzentrum im süddeutschen Allgäu zusammen. Für 30 Millionen Franken wird südlich von Memmingen ein neues Zentrallager gebaut, aus dem Mammut alle Kunden beliefert; auch jene zwischen St. Gallen und Genf.

Warum diese Massnahme? Muss der erfolgreiche Outdoor-Kleiderspezialist Mammut sparen?

Schmid: Natürlich spielt Geld eine Rolle. Wir haben vor über einem Jahr entschieden, aus Effizienzgründen die beiden Lager zusammenzulegen und ein europäisches Zentrallager zu bauen.

Seon kam als Standort für diese neue Drehscheibe nicht infrage?

Schmid: Auch Seon war eine Option. Wir haben uns aber für Deutschland entschieden, weil Bau- und Landkosten bedeutend tiefer sind. Entscheidend war aber ein anderer Punkt: Wir wollen unsere Position im EU-Raum stärken. Heute importieren wir viele Produkte in die Schweiz, um diese dann wieder in die EU zu exportieren.

Warum fiel die Wahl auf Deutschland? Mit einem Standort in Osteuropa könnten Sie mehr sparen.

Schmid: Deutschland ist für Mammut der wichtigste Markt, gefolgt von Österreich und Nordeuropa. Der Absatzmarkt in der Schweiz dagegen ist im Vergleich zur gesamten EU klein.

Das Nachsehen hat ein Teil der rund 230 Angestellten. Wegen des Jobs wird kaum einer ins Allgäu zügeln.

Schmid: Von der Verlagerung betroffen sind zehn Mitarbeiter. Nach Süddeutschland umziehen wird wohl niemand, das ist richtig. Die betroffenen Mitarbeiter wurden jedoch vor über einem Jahr und damit frühzeitig informiert. Einige Angestellte haben inzwischen gekündigt. Die Zeit bis zur Schliessung des Seoner Logistikzentrums überbrücken wir mit Temporär-Angestellten. Ich gehe davon aus, dass wir für alle Betroffenen eine zufriedenstellende Lösung finden.

Welche Rolle spielte der starke Franken beim Standortentscheid? Viele Schweizer Firmen ächzen ja unter dem schlechten Wechselkurs.

Schmid: Der Entscheid, unsere Logistik in Süddeutschland zu konzentrieren, wurde bereits Ende 2010 gefällt - also bevor die Währungskrise ausbrach. Die Frankenstärke hat unseren Entscheid jedoch bestätigt.

Muss Mammut nicht früher oder später weitere Bereiche ins Ausland verlagern, wenn der Franken hart und der Euro weich bleiben?

Schmid: Wie gesagt: Der Standort Seon steht nicht zur Diskussion. Wir haben bereits begonnen, jene Lagerräume, die bald nicht mehr benötigt werden, als Büros zu nutzen. Ausgebaut werden die Bereiche Entwicklung, Design, Produktmanagement und Verkauf. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist aber nicht immer einfach. In der Schweiz gibt es zum Beispiel fast keine Textilen Ingenieure. Dank Personenfreizügigkeit können wir auf Fachkräfte aus Deutschland und Österreich zurückgreifen.

Trotzdem: Mit der Veranlagung der Logistik nach Deutschland gehen in der Schweiz Jobs verloren.

Schmid: Im Gegenteil. In einem Jahr werden mehr Personen am Mammut-Hauptsitz in Seon arbeiten als heute - trotz Verlagerung nach Deutschland. Wir haben in den vergangenen 10 Jahren jährlich rund zehn neue Jobs geschaffen. Und in dieser Grössenordnung wollen wir weiter wachsen - aus dem Seetal heraus.

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