Beinwil am See
Jetzt ist «ausgetünterlet»: Letzte Tage im Gloor-Lädeli

Der Verein «Zeitreisen Beinwil am See» geht als «lebendiges Museum» zu den Leuten – am Wochenende war das «Sandlädeli» an der Reihe.

Peter Weingartner
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Letzte Tage im Gloor-Lädeli in Beinwil
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Am Wochenende war das «Sandlädeli» an der Reihe.
Franziska (ganz links) und Christian Hänni (ganz rechts), die das Haus 1995 gekauft haben, planen einen Umbau.
Zusammen mit dem Verein «Zeitreisen» erweckten sie den ehemaligen Quartierladen für ein letztes Wochenende zum Leben.
Seit 45 Jahren ist der Laden geschlossen.
Dora Zimmerli-Gloor erzählt aus ihren Erinnerungen.
Früher habe die Dorfjugend ihr Sackgeld in Süssigkeiten angelegt.
Der Verein «Zeitreisen» und die Hännis haben nochmals die alten Zeiten aufleben lassen.
Blechschilder mit Namen bekannter Produkte, Blechdosen, Zigarrenschachteln, Fischkleister, Tusche, Waage, eine Preisliste von anno dazumal.

Letzte Tage im Gloor-Lädeli in Beinwil

Peter Weingartner

Patrizia Rehmann vom Verein «Zeitreisen» montiert am Tresen ein Mikrofon und lässt Dora Zimmerli-Gloor erzählen. Oral History. Alice Gloor hat das Sandlädeli von 1938 bis kurz vor ihrem Tod 1973 geführt. Dora, ihre Tochter, weiss vom «Tünterle» der Dorfjugend zu erzählen, die ihr Sackgeld in Süssigkeiten angelegt hat und manchmal der Versuchung, etwas zu klauen, nicht widerstehen konnte: «Meine Mutter wusste genau, was wo lag, und wenn sie jemanden erwischte, nahm sie den Sünder ins Gebet und drohte, die Eltern zu informieren.»

Fünfermocken für fünf Rappen

Seit 45 Jahren ist der Laden geschlossen. Franziska und Christian Hänni, die das Haus 1995 gekauft haben, planen einen Umbau. Zusammen mit dem Verein «Zeitreisen» erweckten sie den ehemaligen Quartierladen für ein letztes Wochenende zum Leben.

Da gibts Fünfermocken für fünf oder ein Tiki-Päckli für zwanzig Rappen. «Früher war der Laden grösser», sagt eine Besucherin. «Früher war mehr drin», meint eine andere. Erwachsenenperspektive ist nicht Kinderperspektive.

«Mit einem Leiterwagen habe ich jeweils den Leuten Seifen oder andere schwere Sachen, die sie Leute bestellt hatten, vorbeigebracht», sagt Dora Zimmerli, die in Reinach lebt. Und sie erinnert sich an einen Jungen, der jeweils mit einer Hutte in den Laden gekommen sei. «Drin lag der Einkaufszettel», sagt Dora Zimmerli.

Erinnerungen kommen hoch bei den älteren Besuchern, und die jüngeren staunen, denn der Verein «Zeitreisen» und Hännis haben nochmals eine Tante-Alice-Ambiance aufleben lassen. Blechschilder mit Namen bekannter Produkte, Blechdosen, Zigarrenschachteln, Fischkleister, Tusche, Waage, eine Preisliste von anno dazumal.

Hero hat (neue) Konserven gestiftet: Ravioli, Bohnen, Pastetenfüllung, Rösti. Auch Staldencrème war am Wochenende zu erstehen. Und sogar Schnürsenkel.

Nun ist der Laden Geschichte. «Der Raum wird umgebaut in eine Küche», sagt Christian Hänni. Und der Verein «Zeitreisen» macht im Nebenraum getreu seiner Idee, Früheres und Heutiges zusammenzubringen, Werbung für den Bioladen «Gsund & Guet» an der Plattenstrasse.

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