Baugesuche
Immobilien statt Aktien: Die Künstler-Pensionskasse investiert in Lenzburg Millionen

Südlich des Bahnhofs in Lenzburg will die CoOpera drei weitere Mehrfamilienhäuser erstellen. Die Pensionskasse für Unternehmen, Künstler und Freischaffende verfügt bereits über mehrere Liegenschaften in der Gemeinde.

Ruth Steiner
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CoOpera-Besitz in Lenzburg
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CoOpera-Besitz: Ehemalige Hero-Spenglerei und Hochhaus.
CoOpera-Besitz: Früheres Hero-Kosthaus und vier Blöcke.
CoOpera-Besitz: Grundstück im Baurecht an Stapferhaus.

CoOpera-Besitz in Lenzburg

Ruth Steiner

«Lenzburg ist ein wichtiger Immobilien-Entwicklungsort der CoOpera Sammelstiftung PUK.» Das schreibt die Stiftung auf ihrer Website. Weshalb das so ist, ist bei CoOpera im Moment nicht in Erfahrung zu bringen. Die Informationssperre wird begründet mit den zwei laufenden Baugesuchen für drei Mehrfamilienhäuser in Lenzburg, während deren Auflagefrist keine Auskunft erteilt werde, heisst es bei der Sammelstiftung auf Anfrage.

Laut den Baugesuchen will die CoOpera-Pensionskasse auf der südlichen Bahnhofseite rund zehn Millionen Franken investieren. Dabei geht es um drei fünfstöckige Gebäude in der Nähe des Stapferhaus-Neubaus und dem Coop-Einkaufszentrum.

Für 7,6 Millionen Franken entstehen an der Zeughausstrasse zwei Mehrfamilienhäuser mit total 44 2,5 - Zimmer- bis 41⁄2 - Zimmer-Wohnungen. Eines davon zusätzlich mit Gewerberaum. Hinzu kommen eine Tiefgarage mit 31 Abstellplätzen sowie zwei oberirdische Parkfelder. Auf dem Grundstück stehen derzeit Reiheneinfamilienhäuser in einem grossen verwilderten Garten, umsäumt von einer dicht bewachsenen Hecke. Die Häuser müssen dem Neubau weichen.

Auch beim zweiten Gesuch, das derzeit beim Bauamt in Lenzburg aufliegt, geht es um ein Mehrfamilienhaus mit Gewerberaum. Auf dem freien Grundstück zwischen der Neuen Aargauer Bank und dem Coop-Einkaufszentrum werden 12 Wohnungen (4 1-Zimmer- und 8 31⁄2-Zimmer-Wohnungen) gebaut. Hinzu kommen fünf oberirdische Parkplätze. Die Baukosten betragen gut 2,5 Millionen Franken.

Projektverfasser der beiden Gesuche sind Pool Architekten, Zürich. Sie zeichnen ebenfalls für das neue Stapferhaus verantwortlich, das im Herbst eröffnet wird. CoOpera hatte vor drei Jahren dem Stapferhaus das Grundstück für rund 5,7 Millionen Franken abgekauft und den Ausstellungsmachern im Gegenzug einen Teil des Areals für den Neubau wieder zur Verfügung gestellt – im Baurecht bis 2066. Mit dem aktuellen Baugesuch beabsichtigt CoOpera, die Restparzelle zu bebauen.

Pensionskasse für Künstler

Die CoOpera Sammelstiftung PUK ist eine Pensionskasse für Unternehmen, Künstler und Freischaffende mit Sitz in Ittigen im Kanton Bern. Per Ende 2017 sind ihr 502 Institutionen mit 4918 aktiven Versicherten angeschlossen. Das Gesamtvermögen wird mit 729 Millionen Franken beziffert.

Die 1984 gegründete Stiftung verfolgt laut Angaben auf ihrer Website eine etwas andere Investitionsstrategie. So führt sie in ihrem Portefeuille keine börsenkotierten Aktien. Vielmehr setzt sie auf Immobilien in der ganzen Schweiz. Allein in Lenzburg besitzt CoOpera markante Gebäude – alle befinden sich an bester Lage in der Nähe des Bahnhofs.

Die erste Liegenschaft wurde 2002 gekauft: Die ehemalige Verpackungsdruckerei Alfred Müller & Co. unmittelbar hinter dem Bahnhof und in direkter Nachbarschaft zur ehemaligen Hero und dem heutigen Quartier «Im Lenz». Der Gewerbebau wurde saniert und beherbergt heute unter dem Namen «Gleis 1» eine Vielzahl von Mietern verschiedenster Branchen. Sieben Jahre später übernahm die Stiftung das benachbarte Grundstück im Süden mit einem bestehenden Bauprojekt mit vier Mehrfamilienhäusern und einer Tiefgarage mit über 100 öffentlichen Park-and-ride-Plätzen (Gleis 2). Zwei Häuser wurden im Stockwerkeigentum verkauft. «Es stellte sich die Frage, ob weitere, ältere Gebäude in Lenzburg erworben werden sollten, die für CoOpera finanziell interessant erschienen», heisst es auf der Website der Sammelstiftung weiter.

Perspektiven eröffnete anschliessend das Kosthaus, bis anhin Personalrestaurant der Hero mit Garderoben. Heute finden im sanierten Kosthaus verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt. Im Untergeschoss ist ein Fitnesscenter eingebaut. Zudem wird im Haus das Restaurant Phoenix mit Ausbildungsplätzen für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten betrieben. Wenig später erwarb die Stiftung die frühere Hero-Spenglerei und das 11-geschossige Hochhaus im neuen Quartier «Im Lenz». Die Liegenschaften grenzen unmittelbar an das Gewerbehaus «Gleis 1» an. In den ersten drei Etagen des Hochhauses betreibt ab kommendem Herbst der Dermatologe Felix Bertram eine Skinmed-Filiale. Derzeit werden für rund 3,5 Millionen Franken Operationssäle, Patientenzimmer sowie Büro- und Meetingräume eingebaut.