Wildegg
Im Steinbruch ist Schneckentempo angesagt

Wie reich die Fauna und Flora in den Steinbrüchen sein kann, zeigte die gestrige Begehung auf Einladung der Jura-Cement-Fabrik. In den Steinbrüchen wird nicht nur Material abgebaut, sondern Biodiversität aufgebaut.

Barbara Vogt (Text und Fotos)
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Barbara Vogt

Ein Eichhörnchen huscht über die Strasse zum Steinbruch, als wolle es die Gäste auf die bevorstehende Reise in die Pflanzen- und Tierwelt begrüssen: Nebst dem Abbau von Mergel und Kalk schafft die Jura-Cement-Fabrik Wildegg in ihren Steinbrüchen auch natürlicher Lebensraum.

Die Umsetzung solcher Ausgleichsmassnahmen in stillgelegten Teilen der Steinbrüche oder noch aktiven Abbaugebieten erfolgt mit den kantonalen Behörden und regionalen Naturschutzorganisationen.

Wie reich die Fauna und Flora in den Steinbrüchen der Jura Cement ist, zeigte die gestrige Begehung auf Einladung des Unternehmens. «Steinbrüche werden nicht immer als positiv wahrgenommen», sagt Marcel Bieri, Leiter der Produktion Zement. «In renaturierten Steinbrüchen können sich jedoch Tiere ansiedeln, die an anderen Orten keine Überlebenschance mehr haben.»

Im Abbaugebiet Unteregg herrscht an diesem Morgen Hochbetrieb: Maschinen dröhnen, ein Pneulader karrt Steine umher. Das Riesending wiegt 105 Tonnen und lässt die Besuchergruppe winzig erscheinen.

Wenige Meter entfernt verlangsamt sich das Universum: Im Schilfgebiet – durch Hecken und Steinhaufen durchbrochen – leben Frösche, Unken und Ringelnatter. Hier wurde während Jahren Material abgebaut, nach der Stilllegung entstand ein Laichgewässer für Amphibien.

Ganz der Natur könne man das Feuchtgebiet aber nicht überlassen, sagt Markus Bolliger, bei Jura Cement für Produktion und Umwelt zuständig. Damit das Gebiet nicht verwaldet oder verschilft, müsse es gepflegt werden.

Neben dem Feuchtgebiet erhebt sich eine Felswand, davor liegen unzählige Steine. Der Erdrutsch kam vielen Tieren, etwa der Eidechse, gelegen, «auch wenn die Steinansammlung uns Menschen wie als Unordnung vorkommt», sagt Bolliger mit einem Schmunzeln. Unschön sehen die tiefen Furchen von Fahrzeugen aus, doch bieten sie Amphibien Rückzug zum Laichen.

Rehe und Hase sagen sich im Steinbruch Gute Nacht. An den Felshängen sind Gämse auszumachen. Die Besuchergruppe steht im hinteren Teil des Abbaugebiets, auf dem Jakobsberg.

Unter ihnen erstrecken sich Wiesen mit Bäumen und Wiesen. Schnecken schleichen über den Boden – sechs Meter in der Woche kommen sie voran. Erdkröten, Glögglifrösche oder Bergmolche haben hier ihr Paradies gefunden.

Auch ein Landwirt: Er bepflanzte das Wiesland, das vor dem Abbau landwirtschaftlich genutzt und später als Depot angelegt wurde, mit rund 1000 Mostobst- und Birnbäumen. Vom Ergebnis, den «Chlöpfmoscht» gab es nach dem Rundgang durch die Steinbrüche zu kosten.