Bezirksgericht Lenzburg

Horrorerlebnis in der Dezembernacht: Mann schlich ins Schlafzimmer und wollte Frau vergewaltigen

Ein Jahr nach versuchter Vergewaltigung: Asylbewerber aus Algerien vor Gericht

Ein Jahr nach versuchter Vergewaltigung: Asylbewerber aus Algerien vor Gericht

Ein algerischer Asylbewerber drang vor einem Jahr in eine unverschlossene Wohnung in Holderbank ein und versetzte eine junge Frau in Todesangst. Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte ihn wegen versuchter Vergewaltigung zu drei Jahren Gefängnis und einem lebenslangen Landesverweis.

«Im ersten Moment dachte ich, ich träume», sagte das erstaunlich gefasst wirkende Opfer vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Es war kein Traum: Was die Frau in jener Dezembernacht 2019 aus dem Tiefschlag gerissen hat, war der Horror. Ein damals 29-jährige Algerier lag auf ihr, hielt ihr Mund und Nase zu und begrabschte sie überall.

«Irgendwie war ich gar nicht gross in Panik, aber geschockt und total von der Rolle», schilderte die Frau ihr schreckliches Erlebnis dem Gericht, das unter dem Vorsitz von Gerichtspräsident Daniel Aeschbach tagte. Sie erklärte, dass sie an jenem Abend vergessen hatte, die Wohnungstüre abzuschliessen. Etwas, was ihr zuvor noch nie passiert war und in diesem Fall gravierende Folgen hatte.

Die Frau konnte aus der Wohnung flüchten

Es gelang dem Opfer, mit dem Täter aus dem Bett in die Küche zu gelangen und sich dort eine Zigarette anzuzünden. Der Mann habe sie weiter bedrängt und angefasst, auch im Intimbereich, erzählte sie. «Für mich gab es in jenem Moment nur ein Ziel: Flüchten», erklärte sie.

Das ist ihr schliesslich gelungen. Sie konnte in der Nachbarwohnung klingeln. Der Mann folgte ihr und versetzte ihr noch einen Faustschlag ins Gesicht. Die Polizei konnte ihn wenig später in einem Gebüsch in der Nähe des Tatortes aufgreifen und verhaften. Seit dem 2. März 2020 sitzt er im vorzeitigen Strafvollzug.

Eigentlich hätte ihn die Polizei in jener Nacht gar nicht unter einem Strauch in Holderbank finden sollen. Der Mann war wegen diverser Delikte, die er seit 2016 in der Schweiz begangen hatte, bereits mit einem Landesverweis belegt.

Angeklagter stand unter Alkohol und Drogen

In der Befragung gab sich der Angeklagte geläutert und entschuldigte sich beim – bereits nicht mehr im Gerichtssaal anwesenden – Opfer für die Tat. Die Beteuerungen, es sei nicht seine Art, Frauen zu belästigen, passten nicht zu seinen weiteren Aussagen: Er könne sich an die fragliche Nacht nicht erinnern, habe massiv Alkohol und Drogen konsumiert und wisse auch nicht, ob er überhaupt in der Wohnung der Frau gewesen sei.

Der Staatsanwalt war hingegen sicher, dass sich der Vorfall so zugetragen hatte, wie die Frau es schilderte. «Das Opfer hat im Laufe der Strafuntersuchung konstante und glaubhafte Aussagen gemacht. Auch die bei ihr festgestellten Verletzungen haben bestätigt, dass sie mit ihren Schilderungen des Tathergangs in keiner Weise übertrieben hat», sagte er.

Der Sachverhalt sei erstellt, auch wenn der Angeklagte angebe, sich nicht erinnern zu können, erklärte der Staatsanwalt und sagte weiter: «Stellen Sie sich vor: Sie wachen aus dem Tiefschlaf auf, ein Mann liegt auf Ihnen, küsst und betatscht Sie – das ist eine Horrorvorstellung.» Glücklicherweise habe die Frau trotz Todesangst richtig reagiert.

Verteidigerin: «Nicht in der Lage für Geschlechtsverkehr»

Die Verteidigerin des angeklagten Algeriers griff in die Vollen und wurde dem Job, ihren Mandanten soweit wie möglich rauszuhauen, absolut gerecht. Es war jedoch gut, dass das Opfer den Saal bei ihrem Plädoyer bereits verlassen hatte. Sie hätte das, was die Verteidigerin von sich gab, wohl nur schwer ausgehalten.

Ihr Mandant, forderte die Anwältin, sei mindestens vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung freizusprechen. Erstens, weil er zum Zeitpunkt der Tat mit Alkohol und Drogen derart vollgedröhnt gewesen sei, dass er nicht mehr gewusst habe, was er tue.

Zum andern sei der Algerier aufgrund seines inhalierten Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmixes damals gar nicht in der Lage gewesen, den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Konkret: Er hätte «keinen hoch gekriegt», sagte sie.

Das Gericht sah es anders. «Aufgrund der glaubhaften Aussagen des Opfers ist klar erwiesen, dass der Mann an jenem Abend Sex gewollt hat. Für uns gibt es keinen Zweifel am Tatbestand der versuchten Vergewaltigung», begründete Gerichtspräsident Daniel Aeschbach das Urteil.

Der Algerier muss noch zwei Jahre im Gefängnis absitzen – ein Jahr Untersuchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug wird ihm angerechnet – und danach die Schweiz verlassen. Lebenslänglich.

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