Meisterschwanden
Gärtnerhaus stellt Stiftungsleiter Markus Künz per sofort frei – dieser kündigt Konsequenzen an

Der Stiftungsrat des Gärtnerhauses entschied einstimmig, Leiter Markus Künz per sofort freizustellen. Der Entscheid kommt überraschend.

Samuel Schumacher
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Die Stiftung Gärtnerhaus in Meisterschwanden hat sich per sofort von ihrem Leiter Markus Künz getrennt. Matthias Lämmli übernimmt ad interim.

Die Stiftung Gärtnerhaus in Meisterschwanden hat sich per sofort von ihrem Leiter Markus Künz getrennt. Matthias Lämmli übernimmt ad interim.

Fritz Thut

Der Stiftungsrat der Stiftung Gärtnerhaus hat Stiftungsleiter Markus Künz gekündigt. Künz wurde per sofort freigestellt. «Nach eingehender Diskussion an der Stiftungsratssitzung vom Donnerstagabend haben wir uns einstimmig entschlossen, die Zusammenarbeit mit Herrn Künz zu beenden», bestätigt Gärtnerhaus-Stiftungsrat und alt Regierungsrat Rainer Huber auf Anfrage der az.

Matthias Lämmli Stiftungsleiter ad interim: «Für die Gärtnerhaus-Klienten und -Kunden wird sich nichts ändern.»

Matthias Lämmli Stiftungsleiter ad interim: «Für die Gärtnerhaus-Klienten und -Kunden wird sich nichts ändern.»

AZ

Für Aussenstehende kommt der Entscheid überraschend. Künz war erst im September 2014 als Nachfolger von Stiftungsgründer Benny Stutz zum Gärtnerhaus gestossen. Der gelernte Psychiatrie-Krankenpfleger mit Heimleiterausbildung sagte damals gegenüber den Medien, er freue sich darauf, mit einer «intakten, harmonischen und lebendigen Organisation» zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit hat offensichtlich nicht funktioniert.

Euphorie und Vertrauensverlust

Dabei war sich der Stiftungsrat anfänglich sicher, mit Markus Künz den idealen Leiter für die Stiftung mit 43 Angestellten, mehreren Verkaufslokalen und Werkstätten und über 80 psychisch kranken Klienten gefunden zu haben. «Die Stimmung im Gärtnerhaus-Team war euphorisch», bestätigt Rainer Huber. «Es hat sich über die vergangenen Monate aber deutlich gezeigt, dass Herr Künz und der Stiftungsrat sehr unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie die Stiftung geführt werden soll.»

Konkreter will Huber nicht werden. Er spricht von einem «Vertrauensverlust», der allerdings nicht an einem bewussten Fehlverhalten von Markus Künz festgemacht werden könne. «Das Vertrauen hat sich kontinuierlich abgebaut. Das ist der Grund, weshalb Herr Künz für uns zuletzt als Stiftungsleiter nicht mehr tragbar war», so Huber.

Konsequenzen angekündigt

Für den entlassenen Stiftungsleiter Markus Künz ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Stiftungsrat von einem Vertrauensverlust spricht. «Ich verstehe die Argumentation des Stiftungsrates nicht», sagt Künz. Die Stiftung habe sich nach einer Pionierphase mit schnellem Wachstum in der Umwandlung zu einem strukturierten Betrieb mit gegliederten Kaderebenen befunden. «Gerade jetzt den Stiftungsleiter zu entlassen, ist ein gefährlicher Schritt für die Stiftung. Da hätte man anders vorgehen müssen», betont Künz.

Überrascht habe ihn der Entscheid des Stiftungsrates vor allem deshalb, weil er seine Absichten und Pläne stets transparent kommuniziert habe. «Ich habe immer alle einbezogen in den Entscheidungsprozess. Und von meinen Mitarbeitenden und vom Stiftungsrat habe ich bis zum Mittwoch letzter Woche nur positives Feedback bezüglich meines Kommunikations- und Führungsstils erhalten», so Künz.

Dass er am Donnerstagabend per sofort freigestellt wurde, will Künz nicht einfach so hinnehmen. «Ich bin sehr betroffen und fühle mich instrumentalisiert. Ich bin nicht die erste Kaderperson, der kurzfristig gekündigt wurde», sagt Künz. «Der Entscheid wird Konsequenzen für viele haben. Ich persönlich nehme ihn nicht einfach hin und werde mich für eine faire Lösung mir gegenüber einsetzen.» In Sachen Gärtnerhaus, so Künz, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Lämmli Stiftungsleiter ad interim

Matthias Lämmli, der gemeinsam mit Künz die operative Leitung der Stiftung Gärtnerhaus übernommen hatte und bisher die Bereiche Finanzen, Human Resources, Administration, Gastronomie und Läden betreute, ist per sofort Stiftungsleiter ad interim. Der 34-Jährige möchte sich nicht zur Personalie Künz äussern. «Ich kann aber bestätigen, dass es keine konkreten Vorkommnisse gibt, bei denen man Herrn Künz ein bewusstes Fehlverhalten vorwerfen könnte.»

Dass der Finanzexperte keine Erfahrung in der Betreuung psychisch kranker Menschen mitbringt, sieht er nicht als Problem. «Ich setze bloss die Rahmenbedingungen und kann in der Betreuung der Klienten im Wohn- wie im Arbeitsbereich auf ein Team von Vollprofis setzen», betont Lämmli.

Benny Stutz, der die Stiftung Gärtnerhaus gegründet und 17 Jahre lang als Leiter und Mitarbeiter geprägt hat, zeigt sich wenig überrascht vom Entscheid, Künz zu entlassen. «Ich sage seit einem Jahr, dass er nicht fähig sei, den Job zu machen.» Statt die Betreuung sei für Künz der Profit im Vordergrund gestanden. «Das ‹hed mi sehr möge›», sagt Stutz. Die indirekte Anfrage des Stiftungsrates, ob er selber wieder als Stiftungsleiter einspringen wolle, hat der 73-Jährige aber abgelehnt.

Wer Ende Jahr neuer Stiftungsleiter werden soll, steht noch nicht fest.

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