Neue Saison
Einzigartig in der Schweiz: So wird die «Lenzburg» zum Eventschloss

So etwas gibt es schweizweit auf keinem anderen Schloss: Ein Raumangebot für exklusive Anlässe vom Familienfest bis zum Manager-Kongress. Was sonst noch alles neu wird in der «Lenzburg».

Janine Gloor und Urs Helbling
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Gartenrestaurant mit der besten Aussicht der Stadt: Auf der Westseite des Bernerhauses gibt es Ausensitzplätze des «Schloss-Bistro».
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Das Ritterhaus (rechts) zeigt nach einer Saison hinter Gerüsten sein frisch saniertes Gesicht. Die letzten Fassaden- und Steinmetzarbeiten werden noch bis im Sommer am Uhrenturm (schwarz eingerüstet) und am Torhaus durchgeführt.
Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg (v.l.) René Marty und Christine Ziegler, Stiftungspräsident Daniel Mosimann und Sandro Hächler, Kanton.
Im grössten Seminarraum haben bis zu 90 Personen Platz.
Endspurt im Erdgeschoss des Bernerhauses, wo das Bistro einziehen wird.
Stimmungsvolle Aussicht vom Schloss.
Es folgen weitere Bilder von Schloss Lenzburg.

Gartenrestaurant mit der besten Aussicht der Stadt: Auf der Westseite des Bernerhauses gibt es Ausensitzplätze des «Schloss-Bistro».

Chris Iseli

In guten Jahren besuchen beinahe 100'000 Personen das Schloss Lenzburg. 40 Prozent davon sind Kinder. In zwei Wochen, am 30. März, wird die neue Saison eröffnet. Mit unveränderten Eintrittspreisen. Aber sonst ist vieles neu: Etwa das total sanierte Bernerhaus (ehemals Stapferhaus) mit dem neuen «Schloss-Bistro» und diversen Seminarräumen (einer mit bis 90 Sitzplätzen). Dem Ende entgegen neigt sich auch die Gesamtrenovation der Höhenburg (siehe Zweitstoff). Das Ritterhaus erstrahlt schon in neuem Glanz. Die Tätigkeit aufgenommen haben auch die beiden neuen Geschäftsführer Christine Ziegler und René Marty.

Mit dem Saisonbeginn findet auf dem Schloss im kommerziellen Bereich ein Quantensprung statt: Das Angebot wird massiv ausgebaut. Möglich sind künftig nicht mehr nur grosse Anlässe wie Hochzeiten und Generalversammlungen in den beiden Rittersälen (bis 250 Personen), sondern auch Seminare aller Grössen bis hin zu einem ganztägigen Manager-Treffen eines internationalen Konzerns (der Flughafen ist nah!) mit 100 bis 150 Personen. Denkbar sind aber auch kleine Familienfeste (20 bis 30 Personen) im Schlossambiente – so hat es dieses Angebot bisher nicht gegeben.

Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg (v.l.) René Marty und Christine Ziegler, Stiftungspräsident Daniel Mosimann und Sandro Hächler, Kanton.

Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg (v.l.) René Marty und Christine Ziegler, Stiftungspräsident Daniel Mosimann und Sandro Hächler, Kanton.

Chris Iseli

Neu das «Schloss-Bistro»

Die «Lenzburg» als grosses, umfassendes Seminar- und Event-Schloss: Die Stiftung Schloss Lenzburg unter der Leitung von Stadtammann Daniel Mosimann geht den Wandel langsam an. Für die Vermarktung ist vorerst das neue Geschäftsleiter-Paar des Schlosses zuständig, der Internet-Auftritt ist zurückhaltend professionell. Man will sich herantasten. Entsprechend ist auch die Gastronomie aufgegleist: Wie bisher werden die beiden Rittersäle auf Catering-Basis durch die örtlichen Betriebe «Krone», «Lenzburg» und «Ochsen» beliefert. Im Bernerhaus gibt es das «Schloss-Bistro» mit etwa 60 Sitzplätzen und einer kleinen Gartenwirtschaft im Barockgarten. Es ist an die «Krone» verpachtet. Angeboten werden im Regelbetrieb (an sechs Tagen während der Schloss-Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr) einfache, unkomplizierte Speisen auf Selbstbedienungsbasis. Der Pächter hat die Möglichkeit, die Bedürfnisse von Seminar- und Eventorganisatoren abzudecken. Allerdings – vor Ort – nur mit einer vergleichsweise kleinen Küche. Eine sonntägliche Geburtstagsfeier mit 30 Personen im Obergeschoss des Bernerhauses ist aber möglich.

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Konkurrenz für «Liebegg»

Die Entwicklung der «Lenzburg» vom «Museums- und Festschloss» zum «Museums-, Fest-, Seminar- und Eventschloss» erfolgte zu erheblichen Stücken der Not gehorchend. Das «Stapferhaus» hatte sich in den letzten Jahrzehnten vom ursprünglichen «Ort für Kultur und Begegnung» immer mehr zum Betreiber eines Museums entwickelt. Im letzten Sommer hat die Organisation «Stapferhaus» das Schloss verlassen.

Das Gebäude brauchte deshalb nicht nur einen anderen Namen (Bernerhaus) sondern auch eine neue Nutzung. Da kein Nachfolgemieter gefunden werden konnte, entschied sich die Stiftung für den Seminar- und Event-Weg – sie macht die «Lenzburg» damit noch mehr zur direkten Konkurrenz der «Liebegg», dem Schloss im Wynental.

Stimmungsvolle Aussicht vom Schloss.

Stimmungsvolle Aussicht vom Schloss.

Chris Iseli

Das Bernerhaus ist in den letzen Monaten für 1,8 Millionen Franken umgebaut worden. Es erhielt neben dem «Schloss-Bistro» im Erdgeschoss einen kleinen (je nach Bestuhlung 20 bis 50 Plätze) und einen grossen Seminarraum (30 bis 90 Plätze) sowie ein Sitzungszimmer. Dafür war der Einbau von Trägern im einstigen Kornhaus nötig. Weitere kleine Räume sind im Torhaus möglich, über dessen Nutzung (und Sanierung) die Stiftung noch befinden muss.
Wegen des neuen «Schloss-Bistros» wird das bisherige Café im Museum geschlossen. Ab 2020 soll es dort eine Ausstellung über die amerikanische Epoche auf dem Schloss geben.

Stadt hilft mitfinanzieren

Das Schloss ist letztmals zwischen 1979 und 1985, also vor gut 30 Jahren, umfassend baulich saniert worden war. Zwischenzeitlich gab es immer mehr Schäden. Das Ersetzen von beschädigten Biberschwanzziegeln ist eine delikate Angelegenheit, da man auf ihnen so wenig wie möglich herumlaufen soll. Vor der jetzigen Sanierung wurden die gröbsten Schäden jeweils mithilfe eines Helikopters behoben, der Material auf dem Dach abladen konnte.

Die Stadt Lenzburg leistet jährlich einen Beitrag von 25'5000 Franken an den Betrieb der Stiftung Schloss Lenzburg, der Kanton 45'000 Franken. An den Unterhaltskosten beteiligt sich die Stadt zu einem Viertel. In den letzten beiden Jahren der Sanierung waren das für die Stadt Beiträge von je zirka 400'000 Franken.