150. Geburtstag
Eine geheime Schatzkammer und ein Banküberfall: Die aufregende Geschichte der Hypi Lenzburg

Zum 150. Geburtstag gibt die Hypothekarbank Lenzburg das Buch «Die Hypi-Story» heraus. Darin lässt sie in die wechselvolle Geschichte der bis heute unabhängig gebliebenen Regionalbank blicken.

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Buch der Hypothekarbank Lenzburg.

Buch der Hypothekarbank Lenzburg.

Chris Iseli

Am 21. Juni 1868 versammelten sich 45 Männer mit Rang und Namen aus dem ganzen Bezirk Lenzburg im «Krone»-Saal. Man war voller Tatendrang und plante die Gründung einer Bank. «Wir wollen an der heutigen konstituierenden Versammlung den Antrag stellen, die Bankanstalt solle ins Leben treten», verlangte Theodor Bertschinger damals.

In geheimer Abstimmung wurde anschliessend die Eröffnung der Hypothekar- und Leihkasse Lenzburg beschlossen. Weitsichtig wie Bertschinger war, hatte er schon zuvor die Fühler nach einem geeigneten Gebäude für die neu zu gründende Bank ausgetreckt. «Es steht uns bereits ein attraktives Lokal in Aussicht. Doktor Häusler würde im Erdgeschoss des Försterhauses am Kronenplatz ein Zimmer vermieten», liess er Oskar Erismann wissen.

Die Diskussion zwischen den zwei Herren am 21. Juni vor 150 Jahren ist wohl kaum genau so verlaufen. Doch ist das Datum die Geburtsstunde der heutigen Hypothekarbank Lenzburg. Theodor Bertschinger war deren erster Verwaltungsratspräsident und Oskar Erismann der erste Kassier. Zu Lesen ist das ganze Gespräch im Buch «Die Hypi-Story». Darin hat die Bank ihre Entwicklungsgeschichte festgehalten. Anlass ist das 150-jährige Bestehen des Instituts, das seinen hohen Geburtstag im Verlaufe des Jahres mit verschiedenen Anlässen feiert.

Vom Kredithaus zur Universalbank

Für «Die Hypi-Story» sind die Buchmacher tief in die verschiedensten Archive gestiegen. Herausgekommen ist ein facettenreiches Bild über den Werdegang der Regionalbank, der mit der Zeitgeschichte auf anschauliche und kurzweilige Art und Weise verwoben wird.

In launiger, gefälliger Form wird berichtet, wie die vom Volksmund liebevoll kurz und bündig «Hypi» gerufene Regionalbank die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der jeweiligen Zeitepochen gemeistert hat. Wie die Bank in 150 Jahren vom landwirtschaftlichen Kredithaus zur Universalbank gewachsen ist.

Bemerkenswert sind dabei die in verschiedene Epochen eingebetteten Dialoge von Protagonisten dieser Zeit. In den fiktionalen Diskussionen vermischen sich Realität und Fantasie und machen das Jubiläumsbuch so zu einem süffigen unterhaltsamen Lesestoff. Die «Hypi» selber spricht vom Werk auf ihrer Website von einem «bibliophilen Knüller». Die Dame Verena führt sozusagen als roter Faden durch die Geschichte. Auch sie ist eine fiktive Person, ihr Name ist dem berühmten Goldvreneli entliehen.

«Die Hypi-Story» berichtet, wie das Institut sein Schiff durch die stürmischen Jahre des Ersten und Zweiten Weltkrieges navigierte und weshalb man in der Innerschweiz eine eigene Schatzkammer bauen wollte.

Man erfährt, dass die Bank 1975 überfallen wurde. Die älteren Lenzburgerinnen und Lenzburger werden diese Geschichte sicher noch in Erinnerung haben. Im «Blick» war damals vom bisher grössten Banküberfall in der Schweiz die Rede, die Beute habe über 800 000 Franken betragen.

Im Buch wird weiter erzählt, wie die Regionalbank der grossen Fusionswelle in der Branche in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgreich trotzte und sich ihre Unabhängigkeit bewahrte. Bis heute. Und man vernimmt, wie die Regionalbank seit einigen Jahren mit technischen Innovationen sukzessive ein zweites Standbein aufbaut, mit dem sie über die Kantonsgrenzen hinaus geschäftet.

Vor zwei Jahren wurde die «Hypi» durch einen Branchenbeobachter dafür als «digitalste Bank der Schweiz» ausgezeichnet. «Die Hypi-Story» schliesst mit einem visionären Gedankenspiel, das in fünfzig Jahren stattfindet. 2068 blättern «Jeck» und «Lina Widmer» im Jubiläumsbuch von 2018, blicken dabei auf 200 Jahre «Hypi» zurück und kommen zum Schluss: «Es gab Zeiten, da verdienten die Banken gut mit Dienstleistungen, die heute bestenfalls noch unser Nebenerwerb sind. Mehr als 80 Prozent des Ertrags machen wir heute ja mit unseren IT-Dienstleistungen.»

Vorwort von Doris Leuthard

Das Vorwort zur «Die Hypi-Story» hat die Aargauer Bundesrätin Doris Leuthard geschrieben. Darin gibt es viel Lob für die Lenzburger Regionalbank. «Die Schweiz braucht Geldinstitute, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität stehen, uns als Kunden ins Zentrum ihrer Institute und sich selber neuen Entwicklungen stellen», schreibt die Bundesrätin.

Im Anhang des Werks finden sich die Namen sämtlicher bisherigen Verwaltungsräte, Präsidenten und Leiter der Hypothekarbank Lenzburg. Bemerkenswert: Während die «Hypi» in ihrem 150-jährigen Bestehen von 13 Herren präsidiert wurde, so hatte die Bank in der gleichen Zeitdauer nur neun Leiter: Mit Marianne Wildi führt seit 2009 die erste Frau das Institut.

Im Verwaltungsrat hielten die Frauen schon früher Einzug, die erste Verwaltungsrätin wurde 1998 gewählt. Mit der Wahl der IT-Spezialistin Doris Agotai an der Generalversammlung vor einer Woche sitzen nun deren drei im zehnköpfigen Gremium. Dieses wird seit drei Jahren vom Rechtsanwalt Gerhard Hanhart präsidiert.