Heimat

Ein Norddeutscher in der Schweiz: Doktor Felix Bertram aus Möriken-Wildegg ist jetzt «Papierli-Schweizer»

Felix Bertram zeigt stolz seinen Schweizer Pass.

Felix Bertram zeigt stolz seinen Schweizer Pass.

Der in Möriken-Wildegg wohnhafte Doktor Felix Bertram hat sich einbürgern lassen. Er erklärt, warum er das Land so liebt.

Er hat in zwei Wochen das Alpenbrevet geschafft, mit dem Velo die Pässe Furka, Gotthard und Nufenen bezwungen (mit dabei unter anderem sein Freund Rainer Maria Salzgeber). Er hat bewiesen, dass er nicht nur ein guter Dermatologe und Schönheitsmediziner ist, sondern auch ein erfolgreicher Unternehmer. Und jetzt hat er sämtliche Tests der «Schweizermacher» bestanden: Am 23. Juni hat ihn der Grossrat eingebürgert, kurz darauf gab’s die offizielle Bestätigung und seit einigen Tagen hat er den Pass: AZ-Kolumnist und Doktor Felix Bertram (45) ist jetzt Schweizer.

«Wir leben hier in einem Paradies»

Felix Bertram ist grosser Tierfreund. Er wohnt mit seinen 13 Hunden in Möriken-Wildegg. Er sagt: «Ich bin seit 14 Jahren in der Schweiz, habe über 60 Mitarbeitende und fühle mich wohl.» Natürlich bleibt er im Herzen Norddeutscher – mit einem Flair für die Insel Sylt. «Aber die Schweiz ist jetzt auch meine Heimat.» Er ist voll des Lobes über unser Land. «Wenn man etwas in der Welt herumgekommen ist, wird einem sehr schnell bewusst, dass wir hier im Paradies leben.» Und: «Es gibt kaum ein besseres Land – das hat man gerade jetzt in der Coronakrise wieder speziell gut gemerkt.»

«Eine relativ liberale Einbürgerungspraxis»

Und wie hat er den «Schweizermacher»-Prozess erlebt? Auch hier gibt’s von Felix Bertram vor allem Komplimente, auch wenn er gewisse administrative Anforderungen etwas aufwendig empfunden hat. «In meiner Wahrnehmung hat die Schweiz eine relativ liberale Einbürgerungspraxis», erklärt Bertram. In Möriken-Wildegg ist nicht mehr die Gemeindeversammlung für die Einbürgerungen zuständig. In einem ersten Schritt haben ihm die Behörden dargelegt, was er alles an Dokumenten einreichen müsse: etwa Strafregister und Betreibungsauszug. «Man muss alles offenlegen – auch diverse Geschäftszahlen», sagt Bertram. Dann sei er zu einem ersten Gespräch eingeladen worden. Den darauffolgenden schriftlichen Test (Multiple Choice) könne man im Internet üben, so Bertram. Aber die Prüfungsfragen hätten sich dann nach dem Bildungsniveau gerichtet. «Da wurde es richtig schwer», so der Doktor. In einem zweiten Gespräch habe er dann etwa die Mitglieder des Aargauer Regierungsrates aufzählen müssen. Der Abstand zwischen den Prüfungen beim Kanton habe etwas lange gedauert.

Es folgte die Kantonsebene: «Da war nochmals ein Strafregister- und ein Betreibungsauszug nötig.» Gekostet hat ihn das ganze Verfahren etwa 2000 Franken. Offensichtlich ein Standardbetrag. «Ich musste nie explizit mein Einkommen angeben», sagt Bertram.

Die Arzt-Karriere begann mit einem Töffunfall

Er ist im süddeutschen Trier geboren und schwergewichtig in Hamburg aufgewachsen. Eigentlich wollte er Schauspieler und Tänzer werden, zum Musical gehen. Doch dann erwischte ihn ein Automobilist auf dem Motorrad. Bertram verlor den linken Unterschenkel, gewann aber während des monatelangen Spitalaufenthalts die Einsicht, dass der Arztberuf etwas für ihn sein könnte. Er hat die Ausbildung problemlos geschafft, kam 2006 in die Schweiz, übernahm bei der Aarauer Gais eine kleine Praxis. Daraus ist Skinmed geworden. Die Gruppe hat Kliniken in Aarau und Lenzburg und sie expandiert weiter. 2014 hat Bertram zudem seine eigene, weltweit vertriebene Kosmetiklinie «viliv» ins Leben gerufen.

Bertram ist stolz auf das Geschaffene. Und er freut sich, dass er jetzt «Papierli-Schweizer» ist.

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