Lenzburg
Das Zaumzeug für die Araber des Scheichs

Farbe egal, Preis egal, aber filigran gearbeitet soll das Zaumzeug sein. So lautet der Auftrag, an dem die Sattlerin Rahel Scherrer im Horseland «Felix Bühler» in Lenzburg gerade arbeitet.

Heidi Hess
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Rahel Scherrer

Rahel Scherrer

Aargauer Zeitung

«Den Kunden werde ich nie sehen», sagt sie, «ich hoffe aber, er ist zufrieden mit der Arbeit». Der Kunde ist ein Scheich aus den Arabischen Emiraten. Drei Zaumzeuge für seine Araberpferde liess er durch das Konsulat der Arabischen Emirate in Bern bestellen.

Dass ein Scheich bei einer Sattlerin in Lenzburg Zaumzeug in Auftrag gibt, mag erstaunen. Der Konsulatsmitarbeiter, sagt Scherrer, habe bei einer Einkaufstour in der Berner Filiale zunächst wohl nichts Passendes gefunden. Da erzählte ihm die Filialleiterin von der hauseigenen Sattlerei in Lenzburg. Nun liegt der Auftrag bei Scherrer. Sie suchte Messingteile für Beschläge und Ösen und schnitt das feine Leder zu. Sie verlangt für ein handgefertigtes Zaumzeug, das ab Fabrik und je nach Material schon für rund 100 Franken zu haben ist, 800 Franken.

Als Lehrling Rucksäcke repariert

Eine passionierte Reiterin ist die Sattlerin nicht. Bei den Pferdestärken setzen sie und ihr Freund auf Autos, mit Pferden hingegen wuchs sie in Walde auf. Die Arbeit mit Leder habe sie fasziniert, sagt sie und so schien die Berufswahl naheliegend - auch wenn Frauen den Beruf des Sattlers damals kaum erlernten. Scherrer machte die Lehre 1989 im Zeughaus in Aarau. «Die Kavallerie gab es schon damals nicht mehr, trotzdem hatten sie im Zeughaus noch eine Sattlerei.»

Sie hätten aber kaum noch Objekte für Pferde angefertigt. Während der Lehre habe sie in erster Linie Rucksäcke repariert und Effektentaschen ausgebessert. Seit 1994 arbeitet sie bei «Felix Bühler», lange in Muhen, seit einem Jahr in Lenzburg.

Ungewöhnliche Kundenwünsche

In der Sattlerei geht Scherrer auf Kundenwünsche ein: Sie flickt die erste selbst gekaufte Lieblingspferdedecke und passt Pferdesättel an, sie kürzt Halfter und geht auf Materialwünsche ein. Dafür bedankt man sich auch mal telefonisch bei ihr. Und weil ihr Geschick bekannt ist, flattern ihr Briefe ins Haus, die so beginnen: «Ich habe gehört, Sie können zaubern...»

Kraft verlange ihre Arbeit nicht so sehr. Viel wichtiger sei die Fingerfertigkeit, der geschickte Umgang mit Schere, Ahle, Nadel und Faden. Gefragt sei auch ein kreativer Geist. «Unsere Kunden», so Scherrer, «haben manchmal ungewöhnliche Ideen. Deren Umsetzung sollte man sich vorstellen können.»

Ein seltener Kandarenzaum

Speziell, jedoch nicht ausgefallen, waren die Wünsche, mit denen der Springreiter Willi Melliger oder Franziska Nock vom gleichnamigen Zirkus an Rahel Scherrer gelangten. Für Melligers Pferd «Calvaro», das regelmässig an den Zügeln kaute, fertigte sie einen Mundschutz an. Zirkusartistin Nock bat die Sattlerin um einen weissen Kandarenzaum für ihre Pferdedressur. Weisse Kandarenzäume seien selten, sagt Scherrer und gerät ins Schwärmen: «Das war eine besonders schöne Arbeit.»

Vom 27. bis zum 29. Oktober feiert «felix bühler», Horseland sein einjähriges Bestehen am neuen Standort in Lenzburg. Programm mit Pferdevorführungen am Samstag im Paddock unter www.felix-buehler.ch, Filiale in Lenzburg.

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