Schloss Wildegg
Das Auge kauft mit am Zwiebelmarkt: «Oft laufen gelbe besonders gut, dann wieder rote»

Am Zwiebelmarkt auf Schloss Wildegg finden sich 64 Tulpensorten für die Farbenpracht im kommenden Frühling.

Peter Weingartner
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Eine kleine Marktbesucherin ist fasziniert von der Tulpe namens «Ice Cream». Peter Weingartner

Eine kleine Marktbesucherin ist fasziniert von der Tulpe namens «Ice Cream». Peter Weingartner

Peter Weingartner

«Ich hätte gerne drei Ice Cream», sagt ein Mädchen. Nicht am Glace-Stand, nein, am Tulpenzwiebelstand. «Ice Cream» – so heisst die Tulpe, und ein Foto zeigt rote Blätter am Rand, und in der Mitte erheben sich, wie ein weisser Rahm- oder Eisberg, weisse Innenblätter. Es ist Tulpenzwiebelmarkt auf Schloss Wildegg. Bis heute Sonntag um 17 Uhr.

Betriebsleiter Erland Eichmann hat die meisten dieser anmächeligen Fotos gemacht, und er weiss um deren Wirkung auf den Verkauf. Denn das Auge kauft mit. Dabei seis wie bei den Kleidern; es gebe Modetrends. «Oft laufen gelbe besonders gut, dann wieder rote», sagt Eichmann, «und über die Jahre Bestseller sind die mehrfarbigen Tulpen.»

Lieber Darvida als giftige Tulpenzwiebeln

Lieber Darvida als giftige Tulpenzwiebeln

Peter Weingartner

Tulpen kosteten ein Vermögen

Was heute für 50 Rappen (Wildtulpen) oder ein paar Franken (historische Tulpen) zu haben ist, kostete einst ein Vermögen. So wechselte 1636 eine Tulpe für 17 280 Gulden die Hand. Ein Zimmermann verdiente damals 250 Gulden im Jahr. Die Tulpenmania freilich endete bald im Tulpenbörsencrash, als das Angebot die Nachfrage überstieg. Tulpengeschichtliche Informationen stimmen auf dem Weg zum Schloss hoch auf den Markt im Schlosshof ein.

64 Sorten aus neun verschiedenen Tulpengruppen bieten dank Fotos ein farbenprächtiges Bild an den Ständen. 64 Sorten, 64 Namen: Columbus, Sunlover, Mona Lisa, Robinho, Mascotte. Apricot Beauty oder Happy Hour. Schöne Namen, wie auch das einfache Playgirl oder die edel-dunkle Königin der Nacht.

Zehn Milliarden Zwiebeln

Viele Kundinnen zücken ihr Mobiltelefon und machen ein Foto des Fotos. Denn die Zwiebeln sind nicht zu unterscheiden, man sieht ihnen weder an, welche Farbe die Blume im Frühling haben wird, noch sieht man, ob die Blüte dereinst gefüllt sein wird oder gefranst, einfach oder lilienförmig, bizarr wie die Papageien-Tulpen oder einer alten Tulpendynastie entstammend wie die Absalon. Man kauft sie im (Maroni-) Sack.

Von den zehn Milliarden Tulpenzwiebeln, die jährlich in den Niederlanden gezogen werden, hat Erland Eichmann knapp 22 000 auf Schloss Wildegg geholt. «Es sind grosse Zwiebeln der Klasse 12 Plus», sagt er und ergänzt, er habe erst ein Mal bei einem Gärtner Zwiebeln dieses Kalibers – gemessen wird der Umfang – gefunden. Dass diese teurer sind als die kleinen vom Grossverteiler, liegt auch darin begründet, dass sie drei bis vier Jahre im Boden wachsen konnten. Grosse Zwiebeln lassen kräftige, gesunde Pflanzen erwarten mit hoher Standfestigkeit, was den Stängel angeht.

Der Markt bietet auch Fachberatung an. Eine Frau kommt mit einem Handyfoto einer Tulpe und möchte von Erland Eichmann wissen, ob es von dieser hier auch Zwiebeln zu kaufen gebe. Der Genussmarkt mit Lebensmitteln von Most über Käse, Gemüse, Fleisch bis Bio-Senf rundet den Markt ab. Im Hof gibts Musik, bei den Rupperswiler Pilzlern Pilz-Ragout. Und Wurst und Brot.

Blumenstrauss im Frühling

«Damit machen wir im Frühling einen Blumenstrauss», sagt eine Mutter zu ihren Kindern nach dem Kauf von Tulpenzwiebeln. Sie hofft auf deren erfolgreiche Überwinterung. Denn sicher ist das nicht: Wenn die Mäuse auf den Geschmack kommen und wirken, ists um die Tulpe geschehen. «Wir sind umgezogen und wollen den Garten am Hang neu gestalten», sagt die Mutter von Felizitas und Florian König aus Wittnau bei Frick. Zwischen den Bodenbedeckern sollen im Frühling farbige Tulpen spriessen. Darauf freut sich Felizitas. In den Herbstferien kommen die Zwiebeln in den Boden.