Lenzburg
An der «Hypi»-Generalversammlung kommt kein trockener Braten auf den Teller

Im Jubiläumsjahr gibt sich die «Hypi» volksnah und bekräftigt gleichzeitig die Digital-Strategie.

Ruth Steiner (Text und Fotos)
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«Hypi»-Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart mit der neu gewählten Verwaltungsrätin Doris Agotai.

«Hypi»-Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart mit der neu gewählten Verwaltungsrätin Doris Agotai.

Ruth Steiner

Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart steht zu seinem Wort: Der Aargauer Braten bleibt fester kulinarischer Bestandteil der Generalversammlung der «Hypi», genau so, wie er es bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren versprochen hat. Für die Aktionäre mag es zudem beruhigend sein, dass die Fleischstücke auf dem Teller nicht kleiner werden, selbst wenn die Zahl der Esser kontinuierlich ansteigt. Egal, wie viele «Hypi»-Aktien im eigenen Portefeuille liegen, eine einzige oder mehrere, beim Schweinsbraten mit der fruchtigen Dörrpflaumenfüllung sind alle Aktionäre gleich.

Das war auch am vergangenen Samstag so. Das hielt aber jenen Aktionär bei der anschliessenden Verpflegung im grossen «Krone»-Saal nicht von der etwas bissigen Bemerkung ab, dass hier nicht so eng gestuhlt werden müsste, wenn alle so viele Aktien hätten wie er. Die Tuchfühlung zum Tischnachbarn zur rechten und linken Seite mag daran gelegen haben, dass das Bankjubiläum besonders viele Aktionäre angelockt hatte. 1284 von ihnen konnte Bankpräsident Gerhard Hanhart begrüssen.

Tatsächlich blieben in der Mehrzweckhalle auf der Schützenmatte, wo die offizielle Generalversammlung stattfand, nur vereinzelt Stühle leer. Ob des Grossaufmarschs war man bei der «Hypi» vielleicht sogar etwas erleichtert darüber, dass nicht alle Aktionäre dem aufwendigen formalen Prozedere persönlich beiwohnen mochten. Einige hatten nämlich die verkürzte Variante gewählt, auf der Schützi vor dem Versammlungs-Start das «Pralinésäckli», die Zigarren und den Essens-Gutschein in einer der vier Lenzburger Gaststätten «Krone», «Ochsen, «Echt» und "Hirschen" geschnappt und sich anschliessend bereits wieder Richtung Stadt verabschiedet.

1700

Säckli Pralinés wurden am Samstag an der GV zum 150-jährigen Bestehen der Hypothekarbank Lenzburg verteilt.

Sie mochten es vorziehen, anstelle des elektronischen Kästlis für die Abstimmungen bereits am Nachmittag ein Glas kühlen Weissen in der Hand zu halten – und anzustossen darauf, dass die Bank ihren Eignern das Jubiläum nebst der ordentlichen Dividende von 110 Franken zusätzlich mit einer steuerbefreiten Nennwertrückzahlung von 40 Franken je Aktie versüsst. Das macht total 150 Franken. Genauso viele Jahre wie die Regionalbank existiert.

Die «Hypi»-Story: Das Jubiläumsbuch führt durch die 150-jährige Bankgeschichte.

Die «Hypi»-Story: Das Jubiläumsbuch führt durch die 150-jährige Bankgeschichte.

Ruth Steiner

Über den Geschäftsgang 2017 der Hypothekarbank Lenzburg hat die AZ bereits früher berichtet und gleichzeitig ein umfassendes Interview mit Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart geführt. Dieser gab in der Mehrzweckhalle sein Bestes, um den formellen Teil speditiv über die Bühne zu bringen, damit auch die übrigen Aktionäre nicht allzu lange auf dem Trockenen sitzen mussten. Doch weil man sich bei der «Hypi» betont volks- beziehungsweise aktionärsverbunden gibt – trotz zunehmender Digitalisierung –, munterte Hanhart die Aktionäre trotzdem auf, sich vor dem für Wortmeldungen bereitgestellten Mikrofon zu äussern. «Scheuen Sie sich nicht, zu fragen», rief er in den Saal hinaus. Nicht ohne in Anbetracht der fortschreitenden Zeit einzuwerfen: «Ich möchte jedoch nicht, dass der Braten trocken wird.» Es war nicht das einzige Mal, dass der Präsident mit launigen Bemerkungen für Erheiterung sorgte im Publikum.

Auch CEO Marianne Wildi gab sich an der Generalversammlung entspannt und liess die Aktionäre ins persönliche Nähkästchen blicken. Wildi verriet, dass sie beim 125-Jahre-Jubiläum mitgeholfen habe, das Personalfest zu organisieren. Keinen Moment hätte sie damals daran gedacht, «heute da zu stehen, wo ich bin». Unter Wildis Leitung hat die «Hypi» in der Vergangenheit das digitale Standbein entschlossen vorangetrieben. Als Folge davon verstärkt sich der Verwaltungsrat nun mit einer Fachspezialistin. Die Generalversammlung wählte am Samstag Doris Agotai, Leiterin des Instituts für Interaktive Technologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, ins Gremium und bestätigte die übrigen Verwaltungsräte.