A1-Zubringer
Schneller auf der Autobahn: Der neue Lenzburger Tunnel ist das Tor zur Welt für das Freiamt

Am Donnerstag wurde das Grossprojekt A1-Zubringer/Knoten Neuhof eingeweiht. Die Zeit der ewigen Staus scheint damit vorbei zu sein. Der Baukredit von 75 Millionen Franken wird um einen zweistelligen Millionenbetrag unterschritten.

Urs Helbling
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Von der Autobahnausfahrt Lenzburg durch den Tunnel in Richtung Bünztal.

Simone Morger/Severin Bigler

Vom Projektierungsbeginn im Jahr 2008 bis zur Bauabschluss dauerte es 13 Jahre. «Das tönt nach lang, ist aber für ein Projekt in dieser Grössenordnung sehr schnell», erklärte Kantonsingenieur Rolf H. Meier. Der Bau wurde weder von Corona unterbrochen, noch stresste er die Automobilisten über Gebühr: «Anders, als wir am Anfang befürchtet haben, ist der grosse Verkehrskollaps ausgeblieben», sagte der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann.

Und die Kosten hatte man mehr als im Griff. «Wir werden den Kredit von 75 Millionen Franken deutlich unterschreiten», betonte Landammann und Baudirektor Stephan Attiger. Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag, so dass die Schlussabrechnung irgendwo zwischen 60 und 65 Millionen Franken liegen wird. Die Gründe: vorteilhafte Arbeitsvergabe, aber auch zu pessimistische Budgetierung. Die Geologie war weniger kompliziert und es gab keine negativen Überraschungen seitens der Archäologie.

Der Neuhof-Tunnel kostete weniger als budgetiert.

Der Neuhof-Tunnel kostete weniger als budgetiert.

Severin Bigler

An einem Eröffnungstag gehen die Probleme, die zu bewältigen waren, leicht vergessen. So war es alles andere als eine Selbstverständlichkeit, dass der Kantonsanteil am Baukredit (Lenzburg zahlt rund 2,5 Millionen) vom Volk schliesslich mit 73 Prozent Ja im Frühling 2013 genehmigt wurde. SP, Grüne und Grünliberale waren damals gegen das Vorhaben. Sie versuchten ein Exempel zu statuieren. Stossrichtung: Der stetige Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sei kein zukunftsfähiges Szenario und eh nur reine Pflästerlipolitik.

Seit Donnerstag wird der Tatbeweis erbracht, dass der 362 Meter lange Tunnel wirklich etwas bewirkt. Wer vom Freiamt kommt oder ins Freiamt will, steht nicht mehr vor Lichtsignalanlagen. «Der Knoten ist nicht nur für die Region Lenzburg sehr wichtig, sondern wir hängen damit das Freiamt an die grosse weite Welt an», sagte Pascal Furer, der Präsident des Grossen Rats.

Verkehrssanierung in der Region längst nicht abgeschlossen

Für die Freiämter ist alles, was westlich liegt, nun schneller erreichbar. Auch die Lenzburger profitieren: Auf der Fahrt nach Zürich staut es nicht schon ein erstes Mal beim Knoten Neuhof. Und seit letztem Jahr liegt die Weltstadt ohnehin ein paar Sekunden näher, weil die A1-Auffahrt Richtung Osten optimiert worden ist.

Grossratspräsident Pascal Furer, Landammann Stephan Attiger und Stadtammann Daniel Mosimann schneiden feierlich das Band durch.
10 Bilder
Zur Eröffnung des Tunnels waren zahlreiche Gäste geladen.
Eröffnungsfahrt durch den Tunnel.
Die Einfahrt in den Lenzburger Tunnel Neuhof.
Stephan Attiger, Landammann und Vorsteher BVU, spricht an der Tunneleröffnung.
Pascal Furer, Präsident Grosser Rat, winkt aus dem Tesla bei der ersten Fahrt durch den neuen Tunnel.
Tunneleröffnung Neuhof A1-Zubringer in Lenzburg.
Das Portal zum Neuhof-Tunnel beim A1-Zubringer in Lenzburg.
Das kantonale Grossprojekt A1-Zubringer/Knoten Neuhof in Lenzburg wurde fertiggestellt.
Das kantonale Grossprojekt A1-Zubringer/Knoten Neuhof in Lenzburg wurde fertiggestellt.

Grossratspräsident Pascal Furer, Landammann Stephan Attiger und Stadtammann Daniel Mosimann schneiden feierlich das Band durch.

Severin Bigler

Baudirektor Attiger machte klar, dass der Knoten Neuhof ein Kernelement der Verkehrssanierung in der Region ist, aber noch längst nicht längst nicht dessen Abschluss. «Wir sind da nicht fertig», sagte er zur Erschliessung des Bünztals. Der nächste grosse Brocken wird der Ausbau des Kreisels Langelen in Dintikon sein. Auch da wird es wohl eine zweistöckige Lösung geben. Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Jahre vergehen: Man ist erst in der Phase des Vorprojekts.

Schon nächstes Jahr aufgelegt werden soll dagegen das Projekt zur Sanierung des Freiämterplatzes in Lenzburg. Es geht dabei um eine Fahrbahnoptimierung (auch Richtung Niederlenz) und eine Modernisierung des Verkehrsmanagements (Lichtsignalanlagen). Die Lenzburger können sich auf etwas gefasst machen: Die Bauphase (wohl erst in drei bis vier Jahren) wird für die Verkehrsteilnehmer stressig werden. Der Knoten Neuhof hat dank der Entflechtung nun eine höhere Kapazität.

«In Spitzenzeiten nur noch im Schritttempo durch Lenzburg»

Stadtammann Daniel Mosimann betonte, wie wichtig es sei, dass der Verkehr durch die Stadt verflüssigt werde. Lenzburg verliere so den Status eines Nadelöhrs. Mosimann erinnerte an die Eröffnung der Kerntangente im Jahr 2005. Deren Wirkung sei wegen der Neuhof-Staus schnell in Frage gestellt gewesen.

«In Spitzenzeiten konnte man sich nur noch im Schritttempo durch Lenzburg bewegen». Vom A1-Zubringer/Knoten Neuhof profitieren nicht nur die Automobilisten, es gibt auch massive Verbesserungen für den öffentlichen Verkehr und die Velofahrer.

Drohnenaufnahme vom neu eröffneten Tunnel Neuhof beim Zubringer zur A1 in Lenzburg.

Drohnenaufnahme vom neu eröffneten Tunnel Neuhof beim Zubringer zur A1 in Lenzburg.

Severin Bigler

Der Knoten Neuhof ist zudem neu ins Verkehrsmanagement Lenzburg integriert. Der zweispurige Tunnel ist jetzt offen, es sind aber noch nicht ganz alle Arbeiten fertig: Bis der letzte Finish gemacht ist, wird es Ende September. Dann wird die Röhre noch einmal geschlossen – allerdings nur für einen Tag.

Am Samstag, 25. September, wird dann ein grosses Tunnelfest für die Bevölkerung stattfinden. Und der ganz grosse Wurf? Attiger erklärte gestern einmal mehr, der Bund sei daran, ein Projekt für den Sechsspur-Ausbau der A1 zwischen Aarau Ost und dem Birrfeld auszuarbeiten. Planungshorizont dafür: 2030/35.

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