Lenzburg
150. Generalversammlung der Hypi: Bank im Spagat zwischen Tradition und Moderne

Ruth Steiner
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Nach der Retrospektive an der Jubiläums-Generalversammlung im vergangenen Jahr empfing die Hypi ihre Aktionäre am Samstag mit einer spektakulären Lichtshow.
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Marianne Wildi, Vorsitzende der Geschäftsleitung, erläutert die Ergebnisse 2018.
Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart und Hypi-CEO Marianne Wildi treiben die digitale Transformation der Regionalbank voran.
Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg 2019: Blick in die gefüllte Mehrzweckhalle Schützenmatte in Lenzburg.
Generalversammlung der Hypothekarbank Lenzburg 2019: Marianne Wildi (links), Vorsitzende der Geschäftsleitung, erläutert die Ergebnisse 2018.
150. Generalversammlung der Hypi

Nach der Retrospektive an der Jubiläums-Generalversammlung im vergangenen Jahr empfing die Hypi ihre Aktionäre am Samstag mit einer spektakulären Lichtshow.

Andre Albrecht

Behände gleitet der fliegende Geldroboter über die Grossleinwand. Er heisst «Hypi-Bot» und pendelt zwischen dem Mars und der Erde hin und her. Die 1098 Aktionäre in der Mehrzweckhalle auf der Schützenmatte staunen.

Mit dem unterhaltend-fiktionalen Videoclip machte die Hypothekarbank Lenzburg an der ersten Generalversammlung nach dem Jubiläum – etwas überspitzt – ihre Vision deutlich. Die Hypi will ihre Pionierrolle bei der Digitalisierung weiterführen und damit das Geschäft der Regionalbank mit Finanzdienstleistungen über die Kantonsgrenzen hinaus dynamisieren.

Die Hypi muss neue Ertragsquellen erschliessen, das Zinsdifferenzgeschäft ist unter Druck. Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart betonte denn auch, dass die Hypi bewusst in die Diversifikation der Ertragsquellen und in die Digitalisierung investiere. Die Erträge aus dem eigenen Kernbankensystem Finstar sind zunehmend, im Berichtsjahr sind sie um 21 Prozent gestiegen. Sie beliefen sich im letzten Jahr auf fünf Millionen Franken.

CEO Marianne Wildi machte jedoch deutlich, dass auch in Zukunft nicht auf die Tradition als Begegnungsbank verzichtet werde: «Wir investieren nicht nur in neue Technologien und in die Digitalisierung, wir investieren auch in Menschen.» Die Bankverantwortlichen versprachen, die persönliche Kundennähe nicht der Moderne zu opfern – Musik in den Ohren der anwesenden grossenteils reiferen Aktionärsjahrgänge.

Die Zahlen, so Wildi, ermöglichten einen guten Start in die nächsten 150 Jahre. Und mit den Zahlen waren die Aktionäre zufrieden. Auch wenn der Gewinn mit 20,8 Millionen Franken (minus 0,3 Millionen) leicht rückläufig war, freute man sich über die unverändert gebliebene Dividende von 110 Franken pro Aktie.

Alle zehn Verwaltungsräte stellten sich zur Wiederwahl und wurden mit komfortablen Resultaten bestätigt: Mit 97,7 Prozent der Stimmen erzielte die vor Jahresfrist neu gewählte Hochschulprofessorin und IT-Spezialistin Doris Agotai Schmid das Spitzenresultat.

Des Aktionärs Freud und Leid

Die Meinungen zur dualen Geschäftsstrategie der Bank sind geteilt. «Das wird schon gut kommen», meinte der mit 15 Jahren wohl jüngste anwesende Aktionär. Dabei lässt er die Bank auf diesem Weg wissen, die Hypi schon jetzt für seinen Berufseinstieg auserwählt zu haben. Über die laufende Entwicklung weniger erfreut, zeigte sich ein langjähriger Aktionär. «Die Hypi ist nicht mehr nur die Bank der Lenzburger. Dadurch hat auch die Generalversammlung ihren familiären Charakter etwas verloren. Das einst traditionelle Generalversammlungsessen, die Berner Platte, wurde leider abgeschafft», bedauerte er und zeigte sich gleichzeitig erleichtert darüber, dass die Pralinésäckli und die Zigarren als GV-Bhaltis überlebt haben. «Gott sei Dank.»

Negativzinsen: Auch die Hypi bittet Kunden zur Kasse

Die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank belasten die Banken. Im aktuell tiefen Zinsumfeld werden sie oft an Kunden mit hohen Cash-Guthaben abgewälzt. Auch die Hypi ist zu dieser Praxis übergegangen. Zwar legt man Wert auf die Feststellung, dass «die Bank weiterhin darauf verzichtet, Negativzinsen flächendeckend für alle Kunden anzuwenden». Dabei wird unterstrichen, zuerst würden mit den Kunden Gespräche geführt und alternative Anlagevarianten besprochen. Erst, wenn dies nicht möglich sei, wende die Hypi negative Zinsen an.

Über die Betragsgrenze, ab welcher Negativzinsen belastet werden, gibt die Hypi keine Auskunft. «Wir orientieren uns an den durchschnittlichen Kontoguthaben der einzelnen Kunden in der Vergangenheit. Eine fixe Betragsgrenze wenden wir nicht an.» Es wird festgehalten, dass für institutionelle Kunden (dazu gehören auch Gemeinden) «dieses Thema keineswegs neu ist».

Die Hypi muss der Schweizerischen Nationalbank auf Konten «ab einer gewissen Summe» (der Schwellenwert wird nicht bekanntgegeben) 0,75 Prozent Negativzins bezahlen. (str)