Lärmkontrolle im Aargau
Nicht Bussen, sondern Gespräche und Prävention standen für die Polizei auf dem «kleinen Susten» im Vordergrund

Die Regionalpolizeien Brugg und Zurzibiet lancierten auf der Rottwiler Höhe eine spezielle Aktion zur laufenden Kampagne «Laut ist out».

Toni Widmer
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Im Rahmen der zurzeit laufenden Kampagne «Laut ist out» haben die beiden Regionalpolizeikorps Brugg und Zurzibiet in der Region Rotberg einen speziellen Aktionstag durchgeführt.

Im Rahmen der zurzeit laufenden Kampagne «Laut ist out» haben die beiden Regionalpolizeikorps Brugg und Zurzibiet in der Region Rotberg einen speziellen Aktionstag durchgeführt.

Toni Widmer

Der Übergang vom Unteren Aaretal ins Mettauertal, ist bei Töff-Fahrern sehr beliebt. Wegen der vielen Kurven wird der Rotberg auch etwa «Kleiner Susten» genannt und entsprechend sind denn an schönen Tagen auch viele Biker und Autofahrer auf dieser Strecke unterwegs. Nicht immer zur Freude der Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Täler. Der Lärm von hochdrehenden Motoren, der gelegentlich durch abgeänderte Auspuffanlagen noch multipliziert wird, sorgt zunehmend für Ärger und – wie in anderen ähnlich gelagerten Gegenden im Aargau – auch für immer mehr Klagen bei der Polizei.

«Die sogenannten Poser, also Auto- und Motorradfahrer, die bewusst lärmig unterwegs sind, sind im in Zusammenhang mit Corona zu einem immer grösseren Problem geworden. Im Lockdown 2020, als der Verkehr spürbar abgenommen hat, sind diese Leute besonders aufgefallen. Entsprechend haben die Reklamationen zugenommen. Die Bevölkerung verlangt von der Polizei, dass sie in diesem Bereich vermehrt tätig wird und Lärmexzesse unterbindet», erklärte René Lippuner, Chef der Regionalpolizei Zurzibiet und Präsident des Verbandes der Aargauer Regionalpolizeien (VAG).

Gemeinsame Präventiv-Aktion von zwei Regionalpolizeien

Die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sollen auf die Lärmproblematik aufmerksam gemacht werden.

Die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sollen auf die Lärmproblematik aufmerksam gemacht werden.

Toni Widmer

Die Aargauer Kantonspolizei hat im vergangenen Jahr zur Eindämmung von unnötigem Verkehrslärm die Task Force «Poser und Tuner» eingeführt, aber auch die Regionalpolizeien bleiben nicht untätig. Im Rahmen der zurzeit landesweit laufenden Kampagne «Laut ist out» haben die beiden Regionalpolizeikorps Brugg und Zurzibiet in der Region Rotberg am Sonntag, 13. Juni, auf der «Hottwiler Höhe» oberhalb von Mandach einen speziellen Aktionstag durchgeführt.

René Lippuner, Chef Regionalpolizei Zurzibiet.

René Lippuner, Chef Regionalpolizei Zurzibiet.

Louis Probst / Aargauer Zeitung

Der Schwerpunkt lag dabei primär bei der Prävention: «Wir machen hier weder Radar- noch Lärmmessungen, überprüfen jedoch die Lenkerinnen und Lenker auf ihre Fahrtauglichkeit sowie ihre Fahrzeuge auf deren Verkehrssicherheit. In erster Linie wollen wir jedoch die Verkehrsteilnehmerinnen und -Teilnehmer im Gespräch auf die Lärmproblematik aufmerksam machen und sie für das Thema sensibilisieren», sagte René Lippuner, der die Aktion leitete. Im Anschluss an die jeweilige Kontrolle wurde kontrollierten Bikerinnen und Bikern oder Autofahrerinnen und Autofahrern ein Mineralwasser überreicht mit dem Hinweis, dass mit genügend Flüssigkeitsaufnahme Unkonzentriertheit und Müdigkeit vorgebeugt und damit die Verkehrssicherheit erhöht werden kann.

Überwiegend positive Reaktion der kontrollierten Personen

Repol-Chef René Lippuner im Gespräch mit Biker Peter Baumgartner.

Repol-Chef René Lippuner im Gespräch mit Biker Peter Baumgartner.

Toni Widmer

Die kontrollierten Personen nahmen den unfreiwilligen Halt auf dem Rotberg meist gelassen und kommentierten die Aktion der beiden Regionalpolizeien zudem überwiegend positiv: «Ich bin viel mit meinem Motorrad unterwegs, vor allem auch im Schwarzwald. Dort hat die Zahl der Biker massiv zugenommen und kann nachvollziehen, dass sich die Anwohner gelegentlich von ihnen gestört fühlen», sagte Roli Bamberger. Ihn selber, erklärte der Wiler, würden jene Biker auch nerven, die ihre Motoren in Ortschaften hochdrehen und/oder ihre Auspuffanlagen abändern würden:

«Man kann doch seine Leidenschaft auch ausleben, ohne durch Dörfer zu rasen und übermässig Lärm zu machen. Mit etwas mehr Rücksicht könnte viel Ärger vermieden werden.»

Peter Baumgartner aus Ennetturgi teilte diese Meinung: «Ich mag versteckte Radarkontrollen zwar nicht besonders. Aber es ist richtig, wenn auf beliebten Motorradstrecken wie hier oder beispielsweise über den Benken vermehrt kontrolliert und etwas gegen rasende und zu laute Biker unternommen wird.» Aus seiner Sicht, sagte Baumgartner, seien die zunehmenden Klagen aus betroffenen Dörfern an beliebten Motorradstrecken nicht unberechtigt.»

Die beiden Regionalpolizeien sind mit dem Ergebnis des Kontrolltages zufrieden: «Wir haben gute Gespräche führen und viele Verkehrsteilnehmerinnen und -Teilnehmer für das Thema sensibilisieren können. Auch die positiven Reaktionen der Radfahrer und Wanderer, die unsere Aktion verfolgt haben, zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind», bilanzierte René Lippuner.

Töff-Rarität auf der Hottwiler Höhe: ein Biker mit einer rund 80 Jahre alten AJS passiert die Kontrollstelle.

Töff-Rarität auf der Hottwiler Höhe: ein Biker mit einer rund 80 Jahre alten AJS passiert die Kontrollstelle.

Toni Widmer