Zugfahrt
Dank Stadler Rail fliessen Millionen in den Aargau: Die ABB liefert Batteriesysteme und Antriebe für spanische Pendlerzüge

Die ABB sichert sich einen 75-Millionen-Franken-Auftrag von Stadler Rail. Ein Auftrag der hauptsächlich im Aargau umgesetzt wird. Das Engeneering stammt aus Untersiggenthal, produziert wird ebenfalls dort (Traktionsumrichter) und in Baden (Energiespeichersysteme).

Sébastian Lavoyer
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59 Doppelstockzüge wie diesen wird Stadler Rail an das staatliche spanische Eisenbahnunternehmen Renfe liefern können. Die Umrichter- und Speichertechnologie im Dach stammt von der ABB und beschert den Standorten in Baden und Untersiggenthal einen Millionen-Auftrag.

59 Doppelstockzüge wie diesen wird Stadler Rail an das staatliche spanische Eisenbahnunternehmen Renfe liefern können. Die Umrichter- und Speichertechnologie im Dach stammt von der ABB und beschert den Standorten in Baden und Untersiggenthal einen Millionen-Auftrag.

Zvg

Die ABB profitiert vom Milliarden-Deal, den sich Stadler Rail letzten Frühling in Spanien gesichert hat. 59 Doppelstockzüge kann der Ostschweizer Bahnbauer an das staatliche spanische Eisenbahnunternehmen Renfe liefern. Auftragsvolumen rund 1,1 Milliarden Franken. Davon profitiert auch die ABB, wie das Technologieunternehmen am Montag mitteilte. ABB liefert Traktionsumrichter und Energiespeicher im Wert von rund 75 Millionen Franken nach Spanien.

Davon profitiert ganz konkret auch die Region. Das Engeneering für den Spanien-Auftrag wird aus Untersiggenthal geführt. «Über die gesamte Lieferzeit wird auch ein wesentlicher Teil des Produktionsvolumens aus der Schweiz stammen. Dies betrifft sowohl Energiespeichersysteme als auch Traktionsumrichter», schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

Die Millionen aus dem Stadler-Auftrag fliessen also zu einem grossen Teil in die Schweiz. Während die Traktionsumrichter in Untersiggenthal gefertigt werden, werden die Energiespeichersysteme in der 2019 in Baden eröffneten, hoch automatisierten Batterie-Produktionsstätte hergestellt.

Ähnliche Lösungen schon in Deutschland und England im Einsatz

Die Lithium-Ionen-Energiespeicher an Bord der Züge werden als alternative Energiequelle eingesetzt, um bei Oberleitungsstörungen einen zuverlässigen und pünktlichen Bahnbetrieb zu gewährleisten. Zudem kommt der Batteriebetrieb auch zum Rangieren im Depot oder in der Waschanlage zur Anwendung.

Wie die Batterie, werden die Traktionsumrichter dereinst auch im Dach der Doppelstockzüge montiert werden und sind dafür verantwortlich, dass dass die elektrische Energie aus der Oberleitung oder der Batterie in die von den Motoren benötigte Spannung und Frequenz umgewandelt werden. Iñigo Parra, CEO von Stadler Valencia, sagt: «Die kompakten Traktionsumrichter und Energiespeichersysteme von ABB eignen sich ideal für die neue Generation von Hochkapazitäts-Nahverkehrszügen und helfen uns, die energieeffizienten und zuverlässigen Flotten der Zukunft bereitzustellen.»

Stadler Rail und ABB blicken auf eine jahrzehntelange Zusammenarbeit bei Antriebslösungen für Lokomotiven zurück. Ähnliche Zug-Systeme wie jetzt in Spanien haben die beiden Schweizer Unternehmen schon nach Deutschland (Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein) oder Grossbritannien (Wales & Borders Railway Franchise) geliefert. Spanien ist allerdings Neuland für Stadler Rail und ABB. Edgar Keller, Leiter der ABB-Division Traktion, sagt: «Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Stadler Rail Lösungen für modernste Hochkapazitätszüge anzubieten.»

Es könnten 44 weitere Züge hinzukommen

Die 59 Züge sollen das spanische Nahverkehrsnetz stärken und werden insbesondere in den grössten spanischen Städten zum Einsatz kommen. In Madrid und Barcelona pendeln täglich über eine Million Menschen mit diesen Zügen zur Arbeit. Stadler wird 24 kürzere Züge (skalierbare Länge von 100 bis 120 Meter) und 36 längere Züge (160 bis 240 Meter) liefern. Diese werden auf einem Bahnnetz mit 3-Kilovolt-Gleichstrom-Oberleitungen verkehren und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h.

Der Vertrag zwischen Stadler Rail und der staatlichen spanischen Eisenbahnunternehmen Renfe enthält zudem eine Option auf die Lieferung von 44 weiteren Zügen. Sollte diese Option ausgeübt werden, dürfte erneut die ABB zum Handkuss kommen, wenn es um die Lieferung von Traktionsumrichtern und Energiespeichersystemen geht.

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